Zahltag im Internet – alles hat seinen Preis

Gratis-Apps und -Dienste sind nicht kostenlos

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Weitreichender Mangel an Transparenz

Ob bei Apps oder Internet-Diensten: in vielen Fällen wird nicht oder nur unzureichend darauf hingewiesen, ob und welche Informationen gesammelt werden. Das ist kritisch, weil damit dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet wird. Dabei besteht auf Seiten vieler Anbieter offensichtlich wenig Interesse, diese Offenheit zu schaffen.

Um die Frage zu klären, welchen Preis man für Gratis-Angebote zahlt, muss man wissen, was mit den gesammelten Informationen geschieht. Wer nutzt diese Daten? An wen werden sie weitergegeben? Wie werden sie mit anderen Informationen verknüpft? In diesem Bereich ist man vom beispielsweise in Deutschland geltenden Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung meilenweit entfernt.

Das heißt nun aber nicht unbedingt, dass man die Bezahlung mit der Währung „Information“ verbieten muss. Die Entscheidung darüber, in welcher Währung man bezahlten möchte, kann man grundsätzlich jedem selbst überlassen. Das Problem ist aber, dass sich viele Nutzer dieser Entscheidung nicht bewusst sind, weil nicht oder nicht ausreichend darüber informiert wird, welche Daten gesammelt und wie sie genutzt werden.

Mehr Kontrolle für Anwender und Unternehmen

Der Benutzer sollte dazu in der Lage sein, bewusste Entscheidungen treffen und umsetzen zu können. So gesehen ist die DNT-Thematik („do not track“ als Einstellung im Browser, die von Websites befolgt werden muss, positiv zu sehen, weil sie die informationelle Selbstbestimmung stärkt.

Eine mögliche Folge ist, dass sich dadurch Geschäftsmodelle verändern können und vielleicht weniger kostenlose (genauer: nicht in Geld zu bezahlende) Dienste verfügbar werden. Das ist aber nicht grundsätzlich problematisch und stellt letztlich nur einen Übergang von indirekter zu direkter Bezahlung dar – nicht mehr der Werbetreibende oder andere Informationsnutzer zahlen, sondern der Nutzer des Dienstes selbst.

Für Unternehmen haben Statistiken wie die aktuelle von Juniper Networks allerdings noch eine weitere wichtige Bedeutung: Da es sich bei den von „kostenlosen“ Apps und Diensten gesammelten Informationen auch um geschäftlich relevante Informationen handeln kann, ist die Nutzung solcher Apps und Dienste auch unter rechtlichen Aspekten kritischer und genau zu prüfen.

Generell bestätigt die Untersuchung aber vor allem einmal mehr die These: „There is no such thing as a free lunch“ – alles hat seinen Preis. Und wenn man nicht mit Geld bezahlt, dann eben in einer anderen Währung.

Über den Autor

Martin Kuppinger ist Gründer des Analystenunternehmens Kuppinger Cole, das sich mit digitalen Identitäten, Identity und Access Management, GRC (Governance, Risk Management, Compliance) und Cloud Computing beschäftigt.

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