ENISA Threat Landscape 2025 Hacktivismus wird zur Gefahr für Europas Infrastruktur

Von Melanie Staudacher 4 min Lesedauer

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Hacktivisten greifen zunehmend europäische Verwaltungen und kritische Infrastrukturen an. Laut ENISA-Bericht „Threat Landscape 2025“ entfallen fast 80 Prozent aller Cybervorfälle auf politisch motivierte Gruppen. Ran­somware bleibt dennoch die größte Gefahr.

Distributed-Denial-of-Service-Angriffe machen europäischen Behörden und Unternehmen zu schaffen. Dabei ist das Ziel der Akteure meist nicht, sich finanziell zu bereichern, sondern Unruhe zu stiften.(Bild:   / CC0)
Distributed-Denial-of-Service-Angriffe machen europäischen Behörden und Unternehmen zu schaffen. Dabei ist das Ziel der Akteure meist nicht, sich finanziell zu bereichern, sondern Unruhe zu stiften.
(Bild: / CC0)

Das Wichtigste in Kürze

  • Die öffentliche Verwaltung ist dem Threat Landscape 2025 der ENISA zufolge mit 63,1 Prozent der dokumentierten Fälle am stärksten von hacktivistischen Cyberangriffen betroffen.
  • Kritische Infrastrukturen (Energie, Wasser, OT-Systeme) geraten zunehmend in den Fokus von Hacktivisten. Hacktivisten, allen voran NoName057(16), Dark Storm Team und Mr Hamza, verursachen rund 80 Prozent aller erfassten Vorfälle, meist durch DDoS-Angriffe mit geringer technischer Wirkung, aber hohem Propaganda-Effekt.
  • Ransomware bleibt der Kern cyberkrimineller Instrusionen. Ransomware-as-a-Service und Access Broker senken die Einstiegshürden. Besonders betroffen sind Transport, Verwaltung und Bildungseinrichtungen.
  • Angriffe auf Lieferketten (Software-Repos, Browser-Extensions, Cloud-Dienste) nehmen stark zu.
  • Mobile Malware (Rafel RAT, Medusa, BingoMod) und staatliche Spyware (KoSpy, BoneSpy) breiten sich in Europa aus.
  • Angriffe auf KI-Systeme und bösartige KI-Agenten werden als neue Angriffsebene benannt.

Knapp 4.900 Sicherheitsvorfälle hat die Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA) für ihren Report „Threat Landscape 2025“ ausgewertet. Der Bericht zeichnet ein Bild eines Europas, dessen kritische Infrastrukturen zunehmend unter Druck geraten. Fast 80 Prozent aller Vorfälle des Untersuchungszeitraums Juli 2024 bis Juni 2025 gehen auf Hacktivisten zurück, die vor allem mit DDoS-Kampagnen für Dienststörungen sorgen. Als besonders gefährlich gilt nach wie vor Ransomware, während staatliche Akteure vermehrt Spionage betreiben.

Europas Verwaltungen und KRITIS im Visier von Cyberkriminellen

Mit 63,1 Prozent aller dokumentierten Fälle ist die öffentliche Verwaltung das Hauptziel von Cyberangriffen, vor allem durch hacktivistische DDoS-Kampagnen, die zwar technisch meist harmlos, dafür aber propagandistisch wirksam sind. Diese weiteren Branchen sind betroffen:

  • Transportwesen 12 Prozent
  • Finanzwesen 11,7 Prozent
  • Digitale Infrastrukturen 5,4 Prozent
  • Fertigung 4 Prozent
  • Medien 4 Prozent

Besonders aktiv sind laut ENISA Gruppen wie „NoName057(16)“, „Dark Storm Team“ und „Mr Hamza“. Ihr Fokus liegt neben Regierungs­netzen auch auf Transport, Finanzwesen und digitalen Infrastrukturen. Auch kritische Infrastrukturen wie die Energie- und Wasserversorgung sowie OT-Systeme rücken mehr und mehr in den Fokus der Cyberangreifer. ENISA berichtet von hacktivistischen Gruppen wie „Z-Pentest-Alliance“, die sich offen dazu bekennen, Steuerungssysteme in En­ergie- und Wassernetzen ins Visier zu nehmen.

Ransomware bleibt größte Bedrohung

Gleichzeitig bleibt Ransomware dem Bericht zufolge die größte Bedrohung. Die ENISA betont, dass Datenexfiltration und Veröffentlichungen auf Leak-Sites mittlerweile zum Standardrepertoire von Ransomware-Akteuren gehören. Die zunehmende Verbreitung von Ransomware-as-a-Service-Modellen (RaaS) und Access Brokern senkt die Einstiegshürden erheblich und befeuert ein zunehmend professionelles Cybercrime-Ökosystem. Besonders betroffen von Ransomware sind laut ENISA der Transportsektor, öffentliche Einrichtungen und Bildungseinrichtungen.

Auch andere Angriffsmethoden nehmen zu. Lieferkettenattacken auf Software-Repositories, Browser-Erweiterungen und Cloud-Dienste häufen sich deutlich. Zudem breiten sich mobile Schadprogramme wie „Rafel RAT“, „Medusa“ und „BingoMod RAT“ ebenso aus wie staatlich einge­setzte Spyware, etwa „KoSpy“ oder „BoneSpy“, die vor allem zur Cyberspionage gegen Un­ter­nehmen und Behörden in Europa eingesetzt werden.

Künstliche Intelligenz als neue Angriffsfläche

Als neue Angriffsebene identifiziert die ENISA den Missbrauch von Künstlicher Intelligenz. Weltweit machen KI-gestützte Phishing-Kampagnen laut dem Bericht inzwischen über 80 Prozent aller beobachteten Social-Engineering-Aktivitäten aus. Gleichzeitig entstehen erste bösartige KI-Agenten und gezielte Angriffe auf KI-Systeme selbst. Diese Entwicklungen zeigen laut ENISA, dass Cyberangriffe immer stärker industrialisiert, automatisiert und durch KI beschleunigt werden.

Sicherheitsempfehlungen und Ausblick

In ihrem Fazit warnt die ENISA vor einer weiteren Fragmentierung und Professionalisierung der Cyberkriminalität im kommenden Jahr. Ransomware-Gruppen würden sich auch nach Zerschlagung und Festnahmen schnell neu organisieren, während staatlich unterstützte Akteure ihre Spionage­kampagnen im EU-Raum fortsetzen. Auch Hacktivismus bleibe als Störfaktor bestehen, insbesondere rund um Wahlen, politische Entscheidungen und internationale Krisen.

Als zentrale Gegenmaßnahmen empfiehlt ENISA eine Threat-Intelligence-basierte Sicherheits­strategie, die präventive Bedrohungserkennung, automatisiertes Schwach­stellen­management und verhaltensbasierte Angriffserkennung kombiniert. Konkrete Empfehlungen sind:

  • Systeme härten, indem Patch- und Konfigurationsmanagement sowie das Least-Privilege-Prinzip umgesetzt werden
  • Netzwerke segmentieren und filtern, um laterale Bewegungen zu erschweren
  • Multifaktor-Authentifizierung und Zero-Trust-Konzepte einführen
  • Daten regelmäßig sichern und verschlüsseln
  • Mitarbeitende gezielt schulen, um Phishing- und Social-Engineering-Angriffe zu erkennen
  • KI-Modelle absichern, etwa durch Monitoring, Zugriffsbeschränkungen und Validierung von Trainingsdaten

Zuletzt verweist die ENISA auf den Cyber Resilience Act und den Cyber Solidarity Act. Damit schaffe die EU regulatorische Grundlagen, um Sicherheitslücken systematisch zu schließen und die Zusammenarbeit zu stärken. Laut ENISA muss Cybersicherheit künftig ganzheitlich, vernetzt und proaktiv gedacht werden als integraler Bestandteil digitaler Souveränität in Europa.

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