Cyber-Sicherheit 2021 Mehr DDoS-Angriffe in 2021

Autor / Redakteur: Marc Wilczek / Peter Schmitz

Im vergangenen Jahr gab es viele Cyber-Angriffe, insbesondere seit Beginn der COVID-19-Pandemie. Kriminelle, die sich als Fancy Bear und das Armada-Kollektiv ausgaben, gingen mit DDoS-Erpressungen sehr aggressiv gegen Unternehmen vor. Verwaltungen, Versorgungsbetriebe und Betreiber kritischer Infrastrukturen waren besonders betroffen. Doch was können wir für das nächste Jahr erwarten?

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Cloud Computing, Home-Office, Erpressungskampagnen und „Carpet-Bombing“ werden die IT-Sicherheit 2021 vor noch mehr Herausforderungen stellen.
Cloud Computing, Home-Office, Erpressungskampagnen und „Carpet-Bombing“ werden die IT-Sicherheit 2021 vor noch mehr Herausforderungen stellen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Cloud-Dienste werden noch mehr Herausforderungen für die Sicherheit darstellen

Obwohl Unternehmen die Cloud bereits seit Jahren nutzen, ist die Zunahme von geschäftskritischen Daten und Diensten in der Cloud ein relativ neues Phänomen. Aufgrund von COVID-19 hat sich die Nutzung der Cloud intensiviert, und dieser Trend wird sich im Jahr 2021 fortsetzen. Das bedeutet, dass immer mehr Unternehmen Cloud-native Applikationen einsetzen, die wiederum häufig über APIs kommunizieren. Leider sind die Schnittstellen, über die persönliche Daten, Zahlungsinformationen oder Messdaten ausgetauscht werden, besonders anfällig für DDoS- und Bot-Angriffe. Die wachsende Zahl von Cloud-basierten Applikationen und APIs wird die IT-Teams im Jahr 2021 vor noch größere Sicherheitsherausforderungen stellen und ein einheitliches Sicherheitsniveau erfordern.

Das Home-Office bleibt ebenso wie die damit verbundenen Sicherheitsrisiken

Viele Unternehmen haben aufgrund von COVID-19 die Vorteile vom Arbeiten im Home-Office kennen gelernt. Im Jahr 2021 werden die meisten Firmen den Mitarbeitern diese Möglichkeit weiterhin anbieten. Doch während die Firmen ihre Einstellung zum Arbeiten per Remote angepasst haben, hinken die IT-Teams mitunter mit den erforderlichen Anpassungen, der Erweiterung der IT-Infrastruktur und den damit verbundenen IT-Sicherheitsmaßnahmen hinterher. In den meisten Unternehmen ist die Sicherheitsarchitektur nicht für eine umfassende und flächendeckende Home-Office-Strategie ausgelegt. Die IT-Teams werden in den kommenden Monaten viel zu tun haben, und auch die IT-Sicherheit selbst muss im Zusammenhang mit Remote-Working überdacht werden. Die Abwehr von Angriffen, die manuelle Intervention erfordern, ist keine oder nur eine sehr zeitaufwändige Option für IT-Mitarbeiter, die per Remote arbeiten. Im Falle eines Angriffs können es sich nur wenige Unternehmen leisten, dass die Mitarbeiter erst von zu Hause ins Büro fahren, während der Angriff weiterläuft. Sicherheit, die auf automatisierter Angriffserkennung und -abwehr basiert, wird sich wahrscheinlich als sicherer und effizienter erweisen.

Erpressungskampagnen werden zunehmen

Da Unternehmen zunehmend von IT abhängig sind, werden Cyberkriminelle weiterhin Erpressungskampagnen durchführen, wie wir sie seit dem vergangenen Sommer im Namen von Armada Collective und Fancy Bear sehen. Besonders gefährdete Wirtschaftsbereiche wie Hosting, Finanzen und E-Commerce sind besonders anfällig für Ransomware - und DDoS-Attacken. Neuen Untersuchungen zufolge wurden der Versicherungsgesellschaft Allianz Global Corporate & Specialty zwischen 2015 und 2020 Cyber-Gesamtschäden in Höhe von mehr als 660 Millionen Euro durch "externe Angriffe" gemeldet. Zwei Arten von Angriffen ragten heraus: Ransomware-Attacken, die Daten und Netzwerken verschlüsseln, und Denial-of-Service-Angriffe (DDoS), die die Unternehmens-IT überlasten.

Im Jahr 2021 werden die Regierungen Europas wahrscheinlich darüber beraten, ob die Opfer von Cyberattacken Lösegeld an ihre Angreifer zahlen sollten. In den USA wird diese Diskussion bereits seit einiger Zeit geführt. Die Strafverfolgungsbehörden können seit Oktober 2020 Unternehmen belangen, die Lösegeld an Angreifer oder Länder zahlen, die auf den Sanktionslisten stehen, darunter der Iran, die russisch besetzte Krim, Nordkorea und Syrien.

DDoS-Angriffe werden an Größe zunehmen

Die Bedrohungslage bei DDoS-Angriffen wird aufgrund der Digitalisierung weiter steigen. Auch die die Erweiterung von Unternehmensnetzwerken aufgrund der intensiveren Home-Office-Nutzung schafft mehr Angriffsfläche für gezielte Überlastungsangriffe. Bei der Ausführung der Attacken werden die Cyberkriminellen zum einen vom Netzausbau durch 5G profitieren, der einen kontinuierlichen Ausbau der Internet-Infrastruktur in Form von Bandbreitenstärke gewährleistet. Dazu kommt, dass immer mehr Geräte an ein schnelleres mobiles Internet angeschlossen werden. IoT-Netzwerke sind im Allgemeinen anfällig und leicht zu hacken. Da das IoT weiterwächst, werden Unternehmen und Privatpersonen Schutzmaßnahmen ergreifen müssen.

Mehr „Carpet Bombing“-Attacken

Für 2021 muss mit einer Zunahme von technisch komplexeren Angriffen in Form von „Carpet Bombing“ gerechnet werden. Solche Angriffe richten sich nicht gegen eine einzelne IP-Adresse, sondern zielen auf die gesamte Netzwerkinfrastruktur und den gesamten IP-Bereich. Hosting-Provider und ISPs sind besonders gefährdet, wie sich aus den oben erwähnten Erpressungskampagnen ableiten lässt. Unter der Bezeichnung Carpet Bombing (Flächenbombardement) versteht man eine Flut von einzelnen Angriffen, die zeitgleich gegen ein gesamtes Subnetz oder einen CIDR-Block mit mehreren 1.000 Hosts gefahren wird. So verteilt sich der manipulierte Datenverkehr auf sehr viele Attacken und IPs. Die Datenmenge ist aber jeweils so klein, dass sie unter dem DDoS-Radar der meisten Schutzlösungen bleibt und nicht gefiltert wird. In der Summe entspricht die Angriffsbandbreite aller Attacken jedoch der eines großen DDoS-Angriffs von mehreren Dutzenden oder Hunderten Gbps.

Gängige Schutzlösungen, die den Datenverkehr nur einzeln je Ziel-IP monitoren, stoßen bei dieser Angriffsstrategie an ihre Grenzen. Für eine sichere Erkennung von Carpet Bombing-Attacken und sofortige Filterung muss der gesamte Datenverkehr eines Netzes zusammengeführt und im Ganzen betrachtet werden.

COVID-19 hat Unternehmen dazu gezwungen, ihre Arbeitsmethoden weiterzuentwickeln und ihre IT-Infrastrukturen zu erweitern. Diese Anpassungen haben Unternehmen angreifbarer gemacht. Cyberkriminelle nutzen dies aus, und für 2021 ist keine Entwarnung zu erwarten. Angesichts dieser Entwicklungen muss jedes Unternehmen, unabhängig von Größe und Branchenzugehörigkeit, beim Schutz seiner IT-Infrastruktur und Daten auf moderne Lösungen setzen, die mit Automatisierung, KI und maschinellem Lernen arbeiten. Mit dieser Cyber-Sicherheits-Strategie werden Unternehmen den Angreifern auf Augenhöhe begegnen oder ihnen sogar einen Schritt voraus sein.

Über den Autor: Marc Wilczek ist als Geschäftsführer bei Link11 für die strategische Geschäftsentwicklung, Wachstumsinitiativen sowie für Marketing und Vertrieb verantwortlich. Neben Managementfunktionen innerhalb des Deutsche Telekom Konzerns war er zuvor als Senior Vice President Asien-Pazifik/Lateinamerika/Naher Osten und Afrika beim eHealth-Konzern CompuGroup Medical tätig und leitete u. a. das Asiengeschäft beim IT-Sicherheitsexperten Utimaco Safeware (heute Sophos).

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