OT-Angriffe bedrohen Versorgung und Compliance der Pharmaindustrie So sichern Pharmaunternehmen ihre OT vor Ransomware und Spionage

Ein Gastbeitrag von Létita Combes 4 min Lesedauer

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Pharmaunternehmen geraten verstärkt ins Visier von Cyberkriminellen, weil OT-Systeme aus Produktion, Forschung und Versorgung zum lohnenden Ziel werden. Nur wer auf spezialisierte Partner, segmentierte Architekturen und nachvollziehbare Audit-Trails setzt, schützt Versorgung und Compliance zuverlässig.

Ransomware nutzt die Verzahnung von IT und OT bei Pharmaunternehmen gezielt für Angriffe.(Bild: ©  everythingpossible - stock.adobe.com)
Ransomware nutzt die Verzahnung von IT und OT bei Pharmaunternehmen gezielt für Angriffe.
(Bild: © everythingpossible - stock.adobe.com)

Pharmaunternehmen haben ein besonderes Risikoprofil hinsichtlich Cyberrisiken, denn Angriffe auf ihre OT-Systeme sind lohnenswert, effektiv und folgenreich. Bereits 2021 hatten in einer Umfrage 98 Prozent der befragten Pharmaunternehmen angegeben, Ziel eines Angriffs gewesen zu sein. Seitdem dürfte das Angriffsvolumen noch weiter zugenommen haben. OT-Sicherheit bedeutet in dieser Branche also mehr als nur Compliance und erfordert spezialisierte Sicherheitspartner.

Die Betriebstechnologie (Operational Technology, OT) pharmazeutischer Unternehmen rückt zunehmend in den Fokus von Cyberkriminellen. OT umfasst Hardware und Software, die für die Steuerung und Überwachung physischer Prozesse, Geräte und Infrastrukturen verantwortlich ist – dazu zählen beispielsweise Roboter in Produktionsanlagen oder Distributionssysteme in Lagerhäusern. Ein erfolgreicher Cyberangriff auf diese führt in der Regel zu Produktionsausfällen, deren Behebung kosten- und zeitintensiv ist. Da diese Systeme zentrale Produktionsprozesse steuern, kann ein Angriff jedoch nicht nur die Geschäftskontinuität gefährden, sondern auch regulatorische, finanzielle und gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. In der Gentherapie beispielsweise werden Medikamente patientenspezifisch produziert. Ein Produktionsstopp kann daher direkte Auswirkungen auf das Leben eines Patienten haben, wenn die individuell produzierten Therapeutika nicht zur Verfügung stehen.

Die pharmazeutische Produktion ist aus mehreren Gründen besonders anfällig für solche Angriffe. Zum einen müssen Pharmaunternehmen regulatorische und Compliance-Vorgaben wie GxP, FDA 21 CFR Part 11 oder EU Annex 11 einhalten; Verstöße ziehen Strafen, Produktrückrufe oder den Verlust von Zertifizierungen nach sich. Viele OT-Umgebungen sind außerdem zertifizierte Systeme, in denen Änderungen wie Updates oder Patches erneute Freigaben erfordern – ein aufwendiger Prozess, der Ausfälle verlängert.

Gleichzeitig kann ein Produktionsstopp auch Engpässe bei lebenswichtigen Arzneien oder Impfstoffen verursachen und damit die Patientenversorgung und das Gesundheitssystem belasten. Dies gilt ebenfalls, wenn durch Manipulationen von Produktionsparametern wie Druck oder Temperatur ganze Chargen unbrauchbar gemacht werden. Und nicht zuletzt ist auch das für die Produktion genutzte geistige Eigentum der Unternehmen, zum Beispiel Forschungsdaten und klinische Studien, ein attraktives Ziel für Spionage durch Kriminelle oder staatliche Akteure.

Die besonderen Anforderungen der Pharma-OT

Angreifer setzen häufig gezielt Ransomware und ähnliche Methoden wie Phishing, Malware oder DDoS-Angriffe ein, um durch langwierige Produktionsunterbrechungen Druck auf Unternehmen auszuüben, sodass diese ihre Lösegeldforderungen bezahlen. Ihre Angriffsfläche finden Angreifer durch die zunehmend enge Verzahnung von IT- und OT-Systemen: Wird etwa ein Enterprise-Resource-Planning(ERP)- oder Manufacturing-Execution-System (MES) kompromittiert, kann es für die Angreifer als Einfallstor in weniger geschützte OT-Bereiche dienen – zum Beispiel Systeme zur Datenanalyse, Produktionsüberwachung oder Fernsteuerung.

Viele dieser Produktionsumgebungen bestehen aus Altsystemen, die nicht für moderne Sicherheitsstandards entwickelt wurden. Ihre Absicherung verlangt daher oft aufwendige, kreative Lösungen, die idealerweise zudem nicht bestehende Zertifizierungen – einschließlich Sicherheits-Patches oder -Upgrades – invalidieren oder Produktionsprozesse beeinträchtigen. Außerdem müssen Pharmaunternehmen sicherstellen, dass auch ihre Audit- und Prüfprotokolle vollständig, manipulationssicher und jederzeit verfügbar sind.

Was ein kompetenter OT-Sicherheitspartner mitbringen sollte

Wie beim Schutz von IT-Systemen, sollte auch beim Absichern von OT-Umgebungen idealerweise ein erfahrener Partner an Bord geholt werden, der sowohl technologische Lösungen als auch Branchenexpertise in stark regulierten Sektoren wie der pharmazeutischen Produktion mitbringt. Besonders wichtig sind in diesem Kontext ein tiefes Verständnis für regulatorische Rahmenbedingungen, Kompetenz in der Beratung und Implementierung, und die Fähigkeit, zuverlässige Audit- und Prüfpfade sowie die Rückverfolgbarkeit von automatisierten Produktionsprozessen sicherzustellen.

Nicht zuletzt benötigt ein solcher Partner Kompetenz in der IT und OT, da sich die Anforderungen in diesen Bereich oftmals stark unterscheiden – im Idealfall verfügt er über ein multidisziplinäres Team, das sicherstellen kann, dass getroffene Sicherheitsmaßnahmen mit den Unternehmensrichtlinien übereinstimmen und gleichzeitig die Produktion nicht beeinträchtigen. Insbesondere der Schutz von SCADA-Umgebungen (Supervisory Control and Data Acquisition) und industriellen Steuerungssystemen (ICS) sollten einen Fokus der Maßnahmen darstellen.

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Wie ein Programm für die Verbesserung der OT-Sicherheit aussehen kann

Konkret sollte ein Sicherheitspartner für Pharmaunternehmen in der Lage sein, den aktuellen Reifegrad der Cybersicherheit im Unternehmen auf Grundlage relevanter Branchenstandards und -anforderungen zu analysieren und zu bewerten. Auf Basis dieser Analyse sollten Unternehmen und Sicherheitspartner eine konkrete Strategie zur Verbesserung der Cybersicherheit erstellen, inklusive eines Plans und Zeitrahmens für ihre technische Implementierung. Ein kompetenter Sicherheitspartner ist dann in der Lage, die Implementierung entsprechend zu koordinieren.

Gleichzeitig sollte eine Überprüfung der Architektur wichtiger Dienste, beispielsweise der Netzwerk- oder Domain-Segmentierung, erfolgen, um sicherzustellen, dass diese mit der neuen Sicherheitsarchitektur kompatibel sind. Und nicht zuletzt sollte ein Sicherheitspartner das Unternehmen im laufenden Betrieb der Sicherheitsmaßnahmen unterstützen, von PKI-Umgebungen bis hin zu Überwachungslösungen, und kontinuierliche Updates für die implementierten Lösungen bereitstellen.

Fazit

Die Absicherung von OT-Systemen in der pharmazeutischen Produktion ist mehr als ein IT-Thema, sondern eine Priorität, für die ein Unternehmen es nicht scheuen sollte, einen Experten hinzuzuziehen. Denn die Absicherung von OT-Systemen schützt nicht nur das Unternehmen vor finanziellen und regulatorischen Risiken, sondern auch die Gesellschaft vor Versorgungsengpässen bei essenziellen Medikamenten. Damit ist OT-Sicherheit in dieser Branche sowohl ein Garant für Geschäftskontinuität wie auch Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung.

Über die Autorin: Létita Combes ist Co-Gründerin und Managing Director von BxC Security, einem führenden Cybersicherheits­unternhemen für den Bereich Operational Technology (OT) und Industrial Internet of Things (IIoT). Zuvor hatte sie Positionen bei IBM, Deloitte und EY mit Fokus auf IT- und OT-Security-Consulting inne.

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