InfoGuard Threat Intelligence Insights 2025 Bei 68 Prozent der unsicheren VPN-Zugänge dringt Ransomware ein

Ein Gastbeitrag von Daniel Heinzig 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Cybercrime-as-a-Service ist 2025 zum dominierenden Geschäftsmodell der Cyberkriminalität geworden, unsichere VPN- und RDP-Zugänge sind dabei der häufigste Ransomware-Hebel. Der InfoGuard Threat Intelligence Insights 2025 zeigt, wo Verteidiger jetzt nachziehen müssen.

Cyberkriminelle professionalisieren sich zunehmend, komplexe Angriffe nehmen 2025 drastisch zu. Besonders ungesicherte VPN-Zugänge werden Unternehmen dabei häufig zum Verhängnis.(Bild: ©  InfiniteFlow - stock.adobe.com)
Cyberkriminelle professionalisieren sich zunehmend, komplexe Angriffe nehmen 2025 drastisch zu. Besonders ungesicherte VPN-Zugänge werden Unternehmen dabei häufig zum Verhängnis.
(Bild: © InfiniteFlow - stock.adobe.com)

CInitial-Access-Broker handeln mit kompromittierten Zugängen, KI-gestützte Werkzeuge und ausgereifte Ransomware-Ökosysteme erlauben es Angreifern zudem, arbeitsteilig und mit minimalem technischem Vorwissen zu agieren.

Wie sich das auswirkt, zeigt eine Auswertung von InfoGuard, deren Computer Security Incident Response Team (CSIRT) über 350 Vorfälle bearbeitete – ein Anstieg um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Komplexe Angriffe legten im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 115 Prozent zu. Phishing bleibt dabei mit 43 Prozent der wichtigste Erstzugang. Der Wert hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt.

KI-generierte Texte und Deepfake-Sprachnachrichten heben die Angriffsqualität dabei auf ein neues Niveau. 25 Prozent der Angriffe beginnen über exponierte Login-Prompts, die Angreifer systematisch mit Brute Force oder Password Spraying testen. Besonders gravierend: In 68 Prozent der Vorfälle mit schlecht abgesicherten VPN-, RDP- und Remote-Management-Zugängen führte der Zugriff direkt zu einer Ransomware-Kompromittierung.

Hinzu kommen schrumpfende Patchfenster: Angreifer nutzen neue Schwachstellen heute innerhalb von Tagen oder Stunden. Perspektivisch wird dazu in absehbarer Zeit der Einsatz von KI-Agenten klassische Patchprozesse strukturell überfordern.

Lautlose Angreifer und blinde Flecken – Empfehlungen für höhere Cyberresilienz

Moderne Angreifer vermeiden auffällige Spuren. Sie operieren mit Living-off-the-Land-Techniken, nutzen legitime Administrationswerkzeuge und verharren oft lange unentdeckt im Netzwerk. Klassische Detektionsmethoden erkennen diese Kompromittierungen häufig zu spät.

Verschärfend kommt hinzu, dass sich Angriffe zunehmend in Bereiche außerhalb der direkten Unternehmenskontrolle verlagern – in Lieferketten, Cloud-Dienste und private Endgeräte. Vor diesem Hintergrund empfehlen sich folgende Schritte, um die Cyberabwehr zu härten:

  • 1. Identity First: Konsequenter Einsatz von Multifaktor-Authentifizierung für alle externen und sensiblen internen Dienste. Phishingresistente Methoden wie Passkeys oder FIDO2, strenge Conditional Access Policies sowie das Monitoring von Zugriffstokens verhindern Accountübernahmen wirksam.
  • 2. Patchzyklen verkürzen: Sicherheitskritische Updates am Perimeter unverzüglich implementieren. Systeme nach jedem Patch gezielt auf bereits erfolgte Kompromittierungen prüfen, um trügerische Sicherheit zu vermeiden.
  • 3. Zero Trust forcieren: Konsequente Netzwerksegmentierung, überwachte Zonenübergänge und regelmäßige Re-Authentifizierungen von Benutzeridentitäten dämmen laterale Bewegungen im Falle einer Kompromittierung ein.
  • 4. Monitoring erweitern: Über Endpoint Detection and Response (EDR) und Network Detection and Response (NDR) hinaus gilt es heute, auch Identitäten, Cloud-Ressourcen und exponierte APIs zu überwachen. Nur eine ganzheitliche Sicht verkürzt die Zeit bis zur Detektion signifikant.
  • 5. Incident Response testen: Regelmäßige Tabletop Exercises trainieren den Ernstfall unter realistischen Bedingungen und decken technische wie organisatorische Schwachstellen auf.
  • 6. Backup-Strategie validieren: Backups müssen einem Ransomware-Angriff standhalten. Immutable oder physisch getrennte Offline-Backups sowie regelmäßig getestete Disaster-Recovery-Prozesse sind zwingend erforderlich.
  • 7. Supply-Chain-Risiko minimieren: Software-Updates, Wartungs- und Lieferantenzugänge konsequent überwachen und einschränken sowie den Einsatz unternehmensfremder Software technisch kontrollieren.

Angesichts des sinkenden Aufwands von Cyberangriffen ist jedes Unternehmen ein potenzielles Ziel, gerade als Teil einer Lieferkette. Sicherheitsverantwortliche sollten daher ihre Cyberresilienz regelmäßig unter realistischen Bedingungen prüfen, um bestmöglich auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Über den Autor: Daniel Heinzig ist CEO der InfoGuard Deutschland GmbH und Experte für Cyber Defence, Incident Response und Managed Security. Er unterstützt Unternehmen dabei, ihre Cyberresilienz nachhaltig zu stärken – von der Entwicklung belastbarer Sicherheitsstrategien über den Aufbau moderner Security-Architekturen bis hin zur operativen Reaktion auf Cyberangriffe. Sein Fokus liegt auf der Verbindung strategischer Sicherheitsplanung mit praxisnaher Cyberabwehr.

(ID:50903262)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung