Bitkom Wirtschaftsschutz-Studie 2025 Finanzieller Schaden für deutsche Wirtschaft steigt um 22,6 Milliarden

Von Melanie Staudacher 5 min Lesedauer

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Cyberangriffe richten 2025 Schäden von 202,4 Milliarden Euro an. Deutsche Firmen sehen ihre Existenz bedroht und sind laut Bitkom-Studie nach wie vor massiv abhängig von US-Sicherheitslösungen.

70 Prozent der Verluste für die deutsche Wirtschaft sind auf Cyberangriffe zurückzuführen. Davon machen wiederum Ransomware-Attacken 34 Prozent aus.(Bild:  Andrey Popov - stock.adobe.com)
70 Prozent der Verluste für die deutsche Wirtschaft sind auf Cyberangriffe zurückzuführen. Davon machen wiederum Ransomware-Attacken 34 Prozent aus.
(Bild: Andrey Popov - stock.adobe.com)

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft liegt 2025 bei 289,2 Milliarden Euro, ein Anstieg um 22,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Rund 70 Prozent davon sind auf Cyberangriffe zurückzuführen.
  • Ransomware ist die häufigste Bedrohung. 34 Prozent der Unternehmen waren betroffen, 15 Prozent haben bereits Lösegeld gezahlt. Danach folgen DDoS-Angriffe und Malware.
  • 46 Prozent der identifizierten Cyberattacken stammen aus China und Russland. Weitere Aktivitäten gehen von Osteuropa, den USA, der EU und Deutschland aus.
  • 59 Prozent der Unternehmen sehen ihre Existenz durch Cyberangriffe gefährdet. Nur 50 Prozent halten sich für ausreichend vorbereitet.
  • 67 Prozent der Firmen nutzen Sicherheitslösungen aus den USA, während 74 Prozent eine stärkere Unterstützung deutscher Anbieter fordern.

Anstieg des Schadens für die deutsche Wirtschaft

Um 22,6 Milliarden Euro stieg der finanzielle Schaden von 2024 auf 2025, der der deutschen Wirtschaft im Zusammenhang mit Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage entstanden ist. Damit liegt die Summe nicht mehr bei 266,6 Milliarden, sondern bei 289,2 Milliarden Euro. Dies ist das Ergebnis der jährlichen Studie „Wirtschaftsschutz 2025“ des Digitalverbands Bitkom. Dafür wurden 1.002 Unternehmen in Deutschland mit mindestens zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz von einer Million Euro oder mehr von Mitte April bis Mitte Juni 2025 befragt.

Mehr Unternehmen werden Opfer von Attacken

Zergliedert man diese Summe in ihre Folgen, zeigt sich, dass Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage – die häufig mithilfe von Cyberangriffen durchgeführt werden – nicht nur Störungen im Betriebsprozess, die sich auf Produktion und Umsätze auswirken, nach sich ziehen. Für deutsche Unternehmen haben diese Arten von Attacken noch weitere negative Folgen:

Schaden durch … Schadenssummen in Mrd. Euro (2025) Schadenssummen in Mrd. Euro (2024) Schadenssummen in Mrd. Euro (2023)
Ausfall, Diebstahl oder Schädigung von Informations- und Produktionssystemen oder Betriebsabläufen 73,3 54,5 35,0
Kosten für Rechtsstreitigkeiten 53,0 53,1 29,8
Kosten für Ermittlungen und Ersatzmaßnahmen 37,0 32,2 25,2
Umsatzeinbußen durch nachgemachte Produkte bzw. Plagiate 30,6 39,2 15,3
Datenschutzrechtliche Maßnahmen, z. B. durch Behörden 23,8 27,2 12,4
Umsatzeinbußen durch Verlust von Wettbewerbsvorteilen 23,1 11,2 21,5
Patentrechtsverletzungen, auch vor Anmeldung 16,0 14,8 10,4
Imageschaden bei Kunden oder Lieferanten, Negative Medienberichterstattung 15,9 20,2 35,3
Erpressung mit gestohlenen Daten 15,6 13,4 16,1
Geldabfluss durch Betrugsversuche 0,9 0,8 3,9
Sonstige Schäden 0 0 1,1
Gesamtschaden pro Jahr 289,2 266,6 205,9

Das die Schadenssumme gestiegen ist, verwundert nicht. Denn laut Bitkom wurden in den vergangenen zwölf Monaten mehr Unternehmen zum Opfer von Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage als im Vorjahr. Während es 2024 noch 81 Prozent waren, sind es in diesem Jahr 87 Prozent. 2023 waren es 72 Prozent.

Cybersicherheit gehört mit ins Zentrum der Politik für ein digital souveränes Deutschland.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst

Und auch was dedizierte Cyberangriffe angeht, sieht es 2025 nicht besonders rosig aus: 36 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die Anzahl der Cyberattacken stark zu­genommen hat. 59 Prozent der Unternehmen sind zudem davon überzeugt, dass Cyberattacken die geschäftliche Existenz bedrohen – 2024 waren es 65 Prozent. In diesem Jahr gab genau die Hälfte der Unternehmen an, auf einen derartigen Angriff zu vorbereitet zu sein. Im ver­gang­enen Jahr waren es mit 53 Prozent etwas mehr.

Ransomware sorgt für den meisten Schaden

Von 289,2 Milliarden Euro Gesamtschaden machen Cyberangriffe 202,4 Milliarden Euro aus.(Bild:  Bitkom e. V.)
Von 289,2 Milliarden Euro Gesamtschaden machen Cyberangriffe 202,4 Milliarden Euro aus.
(Bild: Bitkom e. V.)

Der Bitkom hat auch gefragt, wie hoch der prozentuale Anteil des entstandenen Gesamt­scha­dens ist, der auf Cyberattacken zurückgeführt werden kann. 70 Prozent der Schäden des Jahres 2025 sind auf Cyberangriffe zurückgeführt worden. Damit machen diese von den 289,2 Mil­li­ar­den Euro Gesamtschaden 202,4 Milliarden aus.

Jahr Anteil Cyberattacken an Gesamtschäden
2025 70 %
2024 67 %
2023 72 %
2022 63 %
2021 59 %

Innerhalb der Cyberangriffe waren Ransomware-Attacken für die befragten Unternehmen in diesem Jahr am gefährlichsten. In 34 Prozent der Unternehmen hat Ransomware innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen Schaden verursacht. Es folgen Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) mit 25 Prozent und Malware mit 24 Prozent.

  • Ransomware-Angriffe: 34 Prozent
  • DDoS-Angriffe: 25 Prozent
  • Infizierung mit Malware: 24 Prozent
  • Phishing-Angriffe: 22 Prozent
  • Angriffe auf Passwörter: 21 Prozent
  • SQL-Injection oder Cross-Site-Scripting: 15 Prozent
  • Spoofing: 15 Prozent
  • Deepfakes: 4 Prozent
  • Robo Calls: 3 Prozent

Darüber hinaus haben 15 Prozent der Unternehmen schon einmal Lösegeld an Ransomware-Erpresser bezahlt. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst äußerte sich zu diesem Ergebnis bei der Vorstellung der Wirtschaftsschutz-Studie eindeutig: „Wer bei Ransomware Lösegeld bezahlt, finanziert Cyberkriminelle und legt den Grundstein für den nächsten erfolgreichen Angriff – häufig sogar erneut auf das eigene Unternehmen.“

Größte Bedrohung aus China und Russland

Oftmals konnten die betroffenen Unternehmen feststellen, wer hinter den Cyberangriffen steckte:

  • Organisierte Kriminalität/Banden: 68 Prozent
  • Privatpersonen: 42 Prozent
  • Ausländischer Nachrichtendienst: 28 Prozent
  • Unabsichtlich handelnde (ehemalige) Beschäftigte: 25 Prozent
  • Vorsätzlich handelnde (ehemalige) Beschäftigte: 23 Prozent
  • Konkurrierende Unternehmen: 22 Prozent
  • Kunden: 6 Prozent
  • Lieferanten: 4 Prozent

Die meisten illegalen, digitalen Aktivitäten ließen sich Akteuren aus Russland und China zuordnen.(Bild:  Bitkom e.V.)
Die meisten illegalen, digitalen Aktivitäten ließen sich Akteuren aus Russland und China zuordnen.
(Bild: Bitkom e.V.)

Dabei konnten jeweils 46 Prozent der Aktivitäten nach China und nach Russland zurückverfolgt werden. Mit 31 Prozent folgten Handlungen aus Osteuropa (ohne EU-Länder und Russlan), 24 Prozent aus den USA, 22 Prozent aus anderen EU-Ländern (ohne Deutschland) sowie 21 Prozent aus Deutschland.

Bei den digitalen Angriffen waren für die Täter allen voran folgende Informationen relevant:

  • Kommunikationsdaten, wie E-Mails: 69 Prozent
  • Kundendaten: 57 Prozent
  • Finanzdaten: 39 Prozent
  • Geistiges Eigentum, wie Patente, Informationen aus Forschung und Entwicklung: 29 Prozent
  • Zugangsdaten oder Passwörter: 27 Prozent
  • Mitarbeiterdaten: 24 Prozent

Investitionsbereitschaft steigt – Lösungen kommen aus den USA

Und auch die Aussichten auf das nächste Jahr sind düster: 35 Prozent der Unternehmen erwarten, dass in den nächsten zwölf Monaten die Anzahl der Cyberattacken zunehmen wird. Ein Lichtblick ist jedoch, dass die Investitionsbereitschaft in die Cyber- und Informations­sicherheit in deutschen Unternehmen zunimmt. Im Schnitt beträgt der Anteil des Budgets für IT-Sicherheit am IT-Gesamtbudget der Unternehmen derzeit 18 Prozent. 2024 waren dies noch 17 Prozent, 2023 waren es 14 Prozent und 2022 waren es neun Prozent. „Die Investitionen in IT-Sicherheit befinden sich auf dem richtigen Weg. Allerdings wendet mehr als die Hälfte der Unternehmen immer noch weniger als die von BSI und Bitkom empfohlenen 20 Prozent ihres IT-Budgets für Sicherheit auf. Bei den Sicherheitsbudgets müssen wir angesichts der Be­dro­hungslage noch eine Schippe drauflegen“, ergänzte Wintergerst.

Was die Verwendung von entsprechenden Sicherheitslösungen angeht, gaben 67 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen abhängig von Angeboten aus den USA ist. 74 Prozent sehen die Politik in der Pflicht, deutsche Anbieter von Cybersicherheitslösungen stärker zu unterstützen.

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„Ein umfassender Schutz muss essenzieller Bestandteil der Digitalisierung von Unternehmen sein. Die Frage ist nicht, ob Unternehmen angegriffen werden, sondern wann – und ob sie diese Angriffe erfolgreich abwehren können“, sagte Wintergerst. „Unsere Verteidigungsfähigkeit muss zudem in den Fokus der Politik rücken – auch im Cyberraum. Hybride Kriegsführung durch fremde Staaten ist keine theoretische Gefahr, sie findet heute jeden Tag hundertfach in Deutschland statt.“

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