Remote Work Welche gefährlichen Schwachstellen lauern bei Video-Calls?

Von Dipl. Betriebswirt Otto Geißler 4 min Lesedauer

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Videokonferenzen sind der Schlüssel zum Aufbau agiler und vernetzter Teams. Es gibt nur einen großen Nachteil: die Sicherheit. Wer nicht die richtigen Maßnahmen ergreift, riskiert ruinöse Hacker-Angriffe, Datenverluste, Compliance-Probleme und Geldstrafen.

Es reicht nicht aus, in die richtige Technologie zu investieren, Betreiber müssen auch ihre Teammitglieder darin schulen.(Bild:  Svfotoroom - stock.adobe.com)
Es reicht nicht aus, in die richtige Technologie zu investieren, Betreiber müssen auch ihre Teammitglieder darin schulen.
(Bild: Svfotoroom - stock.adobe.com)

Viele Unternehmen nutzen bereits Videokonferenzen zur Durchführung von Besprechungen. Diese sind besonders beliebt, weil sich die Teilnehmer während der Unterhaltung gegenseitig sehen und Informationen präsentieren können, genau wie bei der einer Besprechung im Büro.

Für die Abhaltung sicherer Videokonferenzen werden verschiedene Videokonferenz-Plattformen angeboten. Wobei jede unterschiedliche Vor- und Nachteile aufweist. Das Problem besteht unter anderem darin, dass die meisten Top-Plattformen zwar ein gewisses Maß an Sicherheit versprechen, aber nicht alle die gleichen Funktionen bieten.

Kriterien für die Auswahl einer Plattform im Hinblick auf die IT-Security

  • Zuverlässige Verschlüsselung: Es muss sichergestellt werden, dass eine End-to-End-Verschlüsselung für alle in einem Meeting freigegebenen Inhalte gilt, von Bildschirmen und Dateien bis hin zu Chat-, Audio- und Video-Streams.
  • Kontrolle auf Zugriffe: Idealerweise sollte standardmäßig mindestens eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verwendet und die Möglichkeit ergriffen werden, Richtlinien für verschiedene Teammitglieder zu erstellen.
  • Integrierte Verwaltungsfunktionen: Festlegung von Passwörtern für Meetings sowie Erstellung von sicheren Breakout-Räumen zählen ebenfalls zu den wichtigen Sicherheitsmaßnahmen. Betreiber der Anwendungen müssen über die Möglichkeit verfügen, auch jeden aus einem Meeting werfen zu können, der sich dort unbefugt aufhält.
  • Apps und Integrationen: Wenn die Software auch mit anderen Apps zusammenarbeiten soll, ist zu klären, ob sie die Daten sicher mit diesen Lösungen austauschen kann. Bietet der Anbieter dazu spezielle sicherheitsorientierte Apps und Add-Ons an?
  • Compliance-Vereinbarungen beachten: Je nach Branche muss eine sichere Videokonferenz-Software bestimmte Vorschriften erfüllen.

Tipps für sichere Videokonferenzen

Die Performance der Videokonferenz-Plattformen ist meist limitiert. Deshalb sind gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen, um unnötige Risiken zu vermeiden:

Schulung der Teams

Teammitglieder in IT-Security-Protokollen und –strategien schulen. Die Mitarbeiter müssen sich über die Gefahren im Klaren sein, denen sie bei Online-Konferenzen ausgesetzt sind, wie Phishing, Malware in Links und Anhängen. Ferner sollten die Teams wissen, wie sie Meetings sicher aufzeichnen und Informationen in kennwortgeschützten Ordnern speichern können. Betreiber erinnern ihre Mitarbeiter außerdem daran, bei Konferenzen keine öffentlichen Internetverbindungen zu verwenden, insbesondere wenn vertrauliche Daten ausgetauscht werden.

Richtlinien für Videokonferenzen erstellen

Idealerweise sollten diese Richtlinien den Vorgaben von Konzepten wie beispielsweise der „Digital Communications Governance (DGC)“ von Gartner entsprechen. Dabei handelt es sich um einen Ansatz zur Nutzung von Lösungen, die Methoden zur Überwachung und Durchsetzung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und der Corporate Governance in einem wachsenden Ökosystem beschreiben.

DGC ist daher ein ganzheitliches Konzept zur Steuerung der Kommunikation und zum Schutz von Daten über alle Kanäle hinweg. Darin muss zudem genau darlegt werden, wie Informationen per Video weitergegeben werden dürfen, welche Daten geschützt und wie sie gespeichert werden sollen.

Optimierung der Verschlüsselung

Möglicherweise benötigt der Plattform-Betreiber eine umfassendere End-to-End-Verschlüsselung. Das heißt, sowohl für Hardware als auch Software. Dafür empfiehlt sich auf der Basisebene ein 128-Bit-Advanced-Encryption-Standard-Schutz. Der Advanced Encryption Standard (AES) gilt als sehr sicher. Obwohl er theoretisch gebrochen werden kann, erfordert dies noch immer eine recht hohe Rechenleistung.

Mit dieser Sicherheitsmaßnahme lassen sich Videokonferenzsysteme, alle Videoanrufe und die Inhalte, die in Meetings geteilt werden, mithilfe eines Schlüssels verschlüsseln als auch entschlüsseln. Die Schlüssel werden zu Beginn jeder Videositzung nach dem Zufallsprinzip generiert, sodass es für Außenstehende sehr schwierig ist, darauf zuzugreifen.

Eine Transport Layer Security (TLS) ist für die meisten Unternehmen ebenfalls unverzichtbar. Möglicherweise sollte der Betreiber sogar den Einsatz einer Plattform in Betracht ziehen, mit der er seine eigenen Schlüssel erstellen und verwenden kann.

Erweiterung der Authentifizierung

Die meisten sicheren Videokonferenz-Plattformen geben dem Betreiber gute Kontrollfunktionen darüber, wer tatsächlich auf seine Meetings zugreifen kann. Mithilfe optionaler Kennwortschutz-Maßnahmen sowie Warteräumen, lassen sich gleich alle Teilnehmer aus einer Konferenz entfernen, die nicht anwesend sein dürfen. Eine Möglichkeit ist Single Sign-On (SSO). Dies ist ein Authentifizierungsschema, das es Usern gestattet, sich einmal mit einem einzigen Satz von Anmeldedaten anzumelden und während derselben Sitzung auf mehrere Anwendungen zuzugreifen.

Eine SSO-Technologie vereinfacht die User-Authentifizierung, verbessert die User Experience und kann auch die Sicherheit erhöhen, sofern sie richtig implementiert wird. Die Technologie ersetzt mehrere Anmeldeprozesse mit verschiedenen Anmeldedaten durch eine zentrale Identität des Users, die von einem Identity Provider verwaltet wird. Das bedeutet, dadurch reduziert sich das Risiko, dass Anmeldeinformationen gestohlen, verloren oder kompromittiert werden.

Eine weitere Maßnahme, sofern nicht schon auf der Plattform vorhanden, ist die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), die den Konten der User eine zusätzliche Schutzebene einräumt. Des Weiteren sollten Betreiber im Falle eines Verstoßes in der Lage sein, jedem User den Zugriff auf die Meeting-Software und -Lösungen aus der Ferne zu entziehen.

Fazit

Videokonferenzen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Unabhängig davon, ob ein hybrides Team zu leiten ist oder mit Kunden auf neue, immersive Weise mit Technologien wie Virtual Reality kommuniziert wird, das Unternehmen braucht eine sichere Videofunktion.

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Dafür muss das Unternehmen sicherstellen, dass es über eine geeignete IT-Security-Technologie verfügt. Darüber hinaus lohnt es sich auch, Tools zu nutzen, mit denen Sicherheitsrisiken, Complianceprobleme und Datenschutzbedrohungen in Echtzeit verfolgt werden können.

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