BSI-Chef äußert sich zu Huawei

Sicherheitsabwägung bei Huawei ist technische Frage

| Autor / Redakteur: dpa / Peter Schmitz

Arne Schönbohm, Chef des BSI betont, dass es für eine Analyse der Manipulationsfähigkeit eines Bauteils vollkommen egal sei, ob das Bauteil aus China, Korea oder aus Schweden kommt.
Arne Schönbohm, Chef des BSI betont, dass es für eine Analyse der Manipulationsfähigkeit eines Bauteils vollkommen egal sei, ob das Bauteil aus China, Korea oder aus Schweden kommt. (Bild: BSI)

Ist der Einsatz von Technik des chinesischen Herstellers Huawei für Deutschland ein Sicherheitsrisiko? Arne Schönbohm, Chef des BSI betont, dass man sich bei der Frage nach Manipulations­sicherheit nicht an politischen Vorgaben orientieren dürfe.

In der Sicherheitsdebatte um den chinesischen Telekomriesen Huawei hat der Chef des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, vor einer Vermischung von technischen und politischen Fragen gewarnt. „Vielleicht ist eine Antenne von Huawei beim Ausbau von 5G-Netzen am Ende genauso unsicher oder sicher wie eine Antenne von Ericsson“, sagte Schönbohm der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). Wenn allein politisches Vertrauen die Grundlage für Entscheidungen bei Investitionen seien, könne das „die Grundlage unseres volkswirtschaftlichen Wohlstands“ zerstören.

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Auch das iPhone von Apple sei „Designed in California, Made in China“, sagte Schönbohm. Diese Arbeitsteilung sei maßgeblich verantwortlich für den volkswirtschaftlichen Wohlstand. Am Ende sei aber Apple für die Sicherheit des Produktes verantwortlich. Wenn man allerdings aus technischen Gründen etwa bei einer Antenne zu dem Schluss komme, sie lasse sich nicht überprüfen und überwachen, „dann sollte man sie verbieten, egal woher sie kommt“. Apple habe sich zum Beispiel geweigert, dem FBI beim knacken ihrer iPhones zu helfen, Huawei könne sich dagegen nicht gegenüber der chinesischen Regierung weigern.

Die USA haben Sicherheitsbedenken gegen Technik des Konzerns, der im Handelskrieg zwischen Washington und Peking zwischen die Fronten geraten ist. US-Präsident Donald Trump setzte Huawei Mitte Mai auf eine Schwarze Liste. Damit wurde Huawei der Zugang zu Technologie von US-Konzernen und dem amerikanischen Markt weitgehend versperrt. Aus Angst vor Spionage warnen die USA auch Deutschland und andere Länder davor, Telekomausrüstung von Huawei einzusetzen.

Das BSI sei dafür da, Komponenten und Produkte auf ihre Manipulationsfähigkeit und ihr Sicherheitsniveau zu überprüfen, sagte Schönbohm. Für eine Analyse der Manipulationsfähigkeit eines Bauteils sei es „vollkommen egal, ob das Bauteil aus China, aus Korea oder aus Schweden kommt“. Bisher hatten sich die Cyberwächter des Bundes aus der Debatte weitestgehend herausgehalten. „Das ist eine politische Entscheidung“, hatte Schönbohm im Februar gesagt.

In Europa und Deutschland sei der Absatz des Konzern nach der Ankündigung von US-Sanktionen deutlich eingebrochen, teilte Huawei vor gut einer Woche bei der Vorstellung seiner Halbjahreszahlen mit. Dennoch zeigt sich Huawei weiter kämpferisch. Das Unternehmen werde weiter in die Zukunft investieren, betonte Verwaltungsratschef Liang Hua. Vor allem beim Aufbau der superschnellen 5G-Netze gilt Huawei als weltweiter Technologieführer

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Der BSI-Chef betonte in dem Interview, Wirtschaftsspionage sei „kontrollierbar“. Dafür forderte er, dass Deutschland auch die Fähigkeit haben sollte, auf Hackerangriffe aus dem Ausland mit Gegenangriffen zu reagieren. Als „eines der industrialisiertesten Länder der Welt“ benötige Deutschland diese Option. „Nur so können wir uns wirksam verteidigen“, sagte Schönbohm.

Kritiker mahnen bei digitalen Gegenangriffen an, dass dafür entdeckte Schwachstellen in Systemen von Behörden bewusst geheim gehalten werden und damit dann auch kriminellen Angreifern zur Verfügung stehen. Es sei aber ein „Irrglaube“ zu sagen, dass man Schwachstellen dafür offen halten müsse. „Wir haben eher das Problem, dass es zu viele Lücken gibt als zu wenige“, sagte Schönbohm.

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