Mehr als ein Drittel (36,9 Prozent) der im Jahr 2024 von Unternehmen empfangenen E-Mails waren unerwünscht. Dies ist ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr (2023 36,3 Prozent). Wenn man bedenkt, dass im Security Lab von Hornetsecurity für den aktuellen Report 55,6 Milliarden E-Mails verarbeitet wurden, sprechen wir hier von 20,5 Milliarden E-Mails!
Bei E-Mail-basierten Angriffen lässt sich ein Trend hin zu Social-Engineering-Taktiken erkennen.
(Bild: Hornetsecurity)
Von allen unerwünschten E-Mails enthielten 2,3 Prozent bösartige Inhalte in Form von Threat (1,6 Prozent) und Advanced Threat (0,7 Prozent). Dies entspricht 427,8 Millionen E-Mails. Weitere 11,2 Prozent wurden als Spam deklariert, 86,6 Prozent vom E-Mails-Server aufgrund von externen Merkmalen wie Identität oder IP-Adresse abgelehnt.
Phishing bleibt die größte Gefahr für die E-Mail
Die häufigste Angriffsart bei E-Mail-basierten Angriffen stellt 2024 nach wie vor das Phishing dar – mit 33,3 Prozent der Fälle. Bezüglich der verwendeten bösartigen Dateitypen belegen noch immer HTML-Dateien (20,4 Prozent), PDFs (19,2 Prozent) und Archivdateien (17,6 Prozent) die ersten drei Plätze. Bemerkenswert ist allerdings, dass bei fast jedem dieser Anhänge im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang festzustellen ist, da die Angreifer auf andere Angriffsarten umschwenken.
Trotz einer gewissen Beständigkeit der Angriffsmethoden in den letzten Jahren zeigt sich ein Trend hin zu Social-Engineering-Taktiken. Der Rückgang bösartiger Anhänge lässt sich somit auf den Anstieg von Reverse-Proxy-Angriffen zurückführen. Diese nutzen Social-Engineering-Techniken und bösartige Links anstelle von Anhängen, um Benutzer zu täuschen und Anmeldedaten oder Sicherheitstoken abzugreifen. Die Opfer werden auf gefälschte Login-Seiten umgeleitet, die die Daten in Echtzeit erfassen und sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen können. Mit einem Anteil von 22,7 Prozent sind bösartige URLs das zweithäufigste Einfallstor. Ihre Nutzung nahm seit 2022 (12,5 Prozent) stark zu und zeigt weiterhin eine steigende Tendenz. Dabei setzen sie auf Tools wie Evilginx. Weitere 6,4 Prozent der Fälle gehen auf das Konto von Vorkassebetrug, gefolgt von Erpressung (2,8 Prozent).
Bergbau, Unterhaltungsbranche und Fertigungsindustrie stehen im Fokus
Das Security Lab nimmt immer auch die Bedrohungslage für unterschiedliche Industriezweige in den Blick. Nachdem der Anteil der bösartigen E-Mails von 2023 (3,6 Prozent) auf 2024 leicht zurückgegangen ist (2,6 Prozent), hat sich auch der Bedrohungsgrad für fast alle Branchen im Vergleich zu 2023 leicht verringert. Die Daten zeigen jedoch auch, dass weiterhin alle Branchen betroffen sind. Die häufigsten Ziele von Ransomware-Angriffen und Doppelerpressungen sind der Bergbau, die Unterhaltungsbranche und die Fertigungsindustrie.
Der Identitätsdiebstahl bleibt auch 2024 eine der am häufigsten genutzten E-Mail-Angriffstechniken. Er zielt auf Endbenutzer sowie Unternehmen ab. Die im Internet am meisten imitierten Marken sind Versandunternehmen wie DHL und FedEx. Cyberkriminelle nutzen dafür Phishing-Mails, die echten E-Mails dieser Unternehmen stark ähneln. Bei Firmen wie DocuSign und Facebook hat sich die Zahl der Betrugsversuche durch Imitation im Vergleich zu 2023 mehr als verdoppelt, ebenso gibt es bei Mastercard und Netflix einen bemerkenswerten Anstieg.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Der Cybersecurity Report bestätigt Fortschritte im Kampf gegen Cyberkriminalität. Er zeigt aber auch, dass wir uns 2025 vermehrt auf Social-Engineering-Taktiken einstellen müssen. Die E-Mail-Kommunikation wird nach wie vor im Visier der Bedrohungsakteure stehen. Mehr als 427 Millionen bösartige E-Mails in den Posteingängen sprechen eine deutliche Sprache! Aber auch die Chat-Kommunikation beispielsweise in Microsoft Teams wird gefährlicher werden.
Unternehmen müssen ihre Cybersicherheitsverfahren weiterentwickeln und dürfen nicht müde werden, die Sicherheitsmaßnahmen für ihre Kommunikationskanäle zu verbessern. Ein zentraler Erfolgsfaktor wird es sein, die Mitarbeiter und Nutzer zu sensibilisieren. Nur durch die Kombination aus technischen Maßnahmen und erhöhter Awareness können sie den immer raffinierter werdenden Bedrohungen einen Schritt voraus sein.
Über den Report: Der Cybersecurity Report 2025 wurde vom hauseigenen Security Lab von Hornetsecurity durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden im Berichtszeitraum vom 01. November 2023 bis zum 31. Oktober 2024 55,6 Milliarden E-Mails untersucht, die über die Sicherheitsdienste von Hornetsecurity verarbeitet wurden.
Über den Autor: Umut Alemdar verantwortet seit 2020 als Head of Security Lab das Security Labor von Hornetsecurity. Er arbeitet dabei mit Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größe zusammen und unterstützt sie dabei, die gewünschten Maßnahmen zu implementieren, um die gesteckten Security-Ziele zu erreichen. Mit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung in den Bereichen E-Mail-Sicherheit, Sicherheitsforschung und Softwareentwicklung verfügt Alemdar über ein weitreichendes Verständnis der aktuellen Cybersecurity-Landschaft. Seine Mission ist es, einen sicheren Arbeitsplatz für alle zu schaffen.
Stand: 08.12.2025
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