Cybersecurity Report 2026: KI beschleunigt Angriffe und Abwehr Warum Resilienz 2026 wichtiger wird als reine Prävention

Ein Gastbeitrag von Umut Alemdar 4 min Lesedauer

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E-Mail-Malware stieg 2025 um 131 Prozent, KI-gestütztes Phishing wird von 77 Prozent der CISOs als ernste Bedrohung bewertet. Der Cybersecurity Report 2026 analysiert 72 Milliarden E-Mails und zeigt: Resilienz durch unveränderliche Backups und getestete Wiederherstellung entscheidet dieses Jahr über Handlungsfähigkeit im Angriffsfall.

Der Cybersecurity Report 2026 zeigt: E-Mail-Malware stieg um 131 Prozent, KI-gestütztes Phishing wird zur Hauptbedrohung und Resilienz entscheidet über Handlungsfähigkeit bei Angriffen.(Bild: ©  putilov_denis - stock.adobe.com)
Der Cybersecurity Report 2026 zeigt: E-Mail-Malware stieg um 131 Prozent, KI-gestütztes Phishing wird zur Hauptbedrohung und Resilienz entscheidet über Handlungsfähigkeit bei Angriffen.
(Bild: © putilov_denis - stock.adobe.com)

Cybersicherheit bleibt ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Stabilität. Die Analyse des Cybersecurity Report 2026 von Hornetsecurity by Proofpoint zeigt, wie sich Angriffe im vergangenen Jahr entwickelt haben und welche Risiken 2026 dominieren werden. Die Grundlage bilden 72 Milliarden über den Zeitraum von 12 Monaten analysierte E-Mails, Telemetriedaten aus globalen Cloud-Umgebungen und die Forschung des Hornetsecurity Security Labs. Das Ergebnis ist ein Lagebild, das deutlicher denn je zeigt: Angreifer werden schneller, KI wird zum Verstärker und Resilienz entscheidet darüber, wie gut Unternehmen Krisen bewältigen.

Angriffslandschaft 2025: Neue Dynamiken, steigende Komplexität

2025 war ein Jahr deutlicher Eskalation. E-Mail-basierte Malware stieg um 131 Prozent, Betrugsversuche um 35 Prozent und Phishing um 21 Prozent. Angreifer nutzten KI und Automatisierung, um Inhalte noch überzeugender zu gestalten und Schutzmechanismen gezielt zu umgehen.

77 Prozent der CISOs bewerten KI-generiertes Phishing inzwischen als ernsthafte Bedrohung. Gleichzeitig investieren 68 Prozent der Unternehmen in KI-gestützte Erkennung. Während die Angriffe also zwar immer komplexer werden, holen die Verteidiger stetig auf.

Auch das Risiko durch KI-gestützte Ransomware wächst: 61 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen sehen einen direkten Zusammenhang zwischen KI und neuen Erpressungsvarianten wie synthetischem Identitätsbetrug, Deepfakes oder manipulierten Dokumenten. Diese Methoden umgehen klassische Kontrollen, weil sie Vertrauen statt Technik angreifen.

Der Report zeigt aber auch Fortschritte. Viele Unternehmen stärken ihre Resilienz durch unveränderliche Backups, Wiederherstellungsstrategien und bessere Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Doch die Herausforderung bleibt bestehen: Noch immer müssen viele Organisationen veraltete Systeme schützen, während Angreifer längst das Vertrauen ihrer Zielpersonen sowie ihre digitalen Identitäten – also Benutzerkonten, Zugänge und Anmeldeinformationen - ins Zentrum ihrer Angriffe rücken. Aus diesen Analysen lässt sich ableiten, was Unternehmen 2026 erwartet.

KI etabliert sich schneller als Governance-Strukturen mithalten können

Unternehmen führen KI-Tools mit hoher Geschwindigkeit ein – oft schneller, als Sicherheits- oder Datenschutzmechanismen nachgezogen werden. Viele Abteilungen experimentieren eigenständig mit Modellen oder Integrationen, was eine unkontrollierte Schatten-IT entstehen lässt. Moderne KI-Systeme treiben diese Entwicklung weiter voran. Agentische KI kann eigenständig Aktionen ausführen und externe Systeme steuern, ohne dass notwendige Sicherungsmechanismen vorhanden sind. Schwachstellen wie Echoleak in M365 Copilot, bei der Angreifer ohne Benutzerinteraktion Daten aus dem Kontext des KI-Systems auslesen können, haben gezeigt, wie leicht sich KI-basierte Systeme manipulieren lassen.

2026 wird also die Kluft zwischen technologischem Fortschritt und Governance weiterwachsen. Ein Risiko, das Unternehmen unbedingt mit Hilfe einer intelligenten Kombination aus Cybersicherheitstechnologie der nächsten Generation und den Aufbau von Cyber-Resilienz durch kontinuierliche personalisierte Schulungen aktiv adressieren müssen.

Identität bleibt das schwächste Glied

Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt Identität das primäre Ziel der Angreifer. 2026 dürfte geprägt sein von Angriffen auf Single-Sign-On-Verfahren, OAuth-basierte Zugriffsdelegationen, Browser-basierte Sitzungs-Token und Plug-ins. Besonders kritisch: die Zahl nicht-menschlicher Identitäten, wie beispielsweise Service-Accounts, API-Schlüssel und automatisierte Prozesse wird rasch ansteigen, während ihr Schutz jedoch häufig hinterherhinkt.

Mit zunehmender Automatisierung wächst die Abhängigkeit von Identitäts- und Berechtigungsstrukturen weiter: KI-gestützte Agenten agieren bereits heute mit eigenen Berechtigungen und vergrößern die Angriffsflächen weiter. Für Unternehmen bedeutet dies: Sie müssen ihre Identitätslandschaften neu ordnen und lückenlos überwachen.

Legacy-Systeme werden zum strukturellen Risiko

Viele Organisationen haben Modernisierungsprojekte zwar angestoßen, aber längst nicht abgeschlossen. Altlasten wie veraltete VPN-Gateways, On-Premises-Anwendungen oder chaotisch gewachsene Integrationslandschaften bleiben ein Risiko, insbesondere für ganze Lieferketten. Die Angriffe des Jahres 2025 haben gezeigt, wie verheerend bereits eine einzige ungepatchte Komponente sein kann.

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2026 wird deshalb zum Jahr, in dem Unternehmen konsequent entscheiden müssen: Was bleibt? Was wird ersetzt? Und was muss isoliert werden?

Software-Lieferketten geraten zunehmend unter Druck

Der Report zeigt deutlich, dass bösartige Pakete in Open-Source-Ökosystemen weiter zunehmen. In Repositories wie npm, PyPI oder NuGet tauchen jeden Monat zehntausende schadhafte Uploads auf. Damit steigt das Risiko, dass manipulierte Bibliotheken unbemerkt in geschäftskritische Anwendungen gelangen.

Unternehmen, die eigene Software entwickeln oder Integrationen nutzen, stehen in der Verantwortung, ihre Supply-Chain-Sicherheit 2026 deutlich auszubauen und sich nicht länger auf die Sorgfalt von Open-Source-Communities oder Plattformbetreibern zu verlassen.

Resilienz wird zum entscheidenden Maßstab

Die wichtigste Erkenntnis des Hornetsecurity Security Labs lautet: Prävention bleibt zentral, aber Resilienz entscheidet über die tatsächliche Handlungsfähigkeit. Zero Trust, unveränderliche Backups, getestete Wiederherstellungsprozesse und robuste MFA-Verfahren sind längst keine Kür mehr, sondern Grundvoraussetzungen moderner Sicherheitsarchitekturen.

Unternehmen, die Cybersicherheit als Teil der Business Continuity verstehen, werden 2026 deutlich besser aufgestellt sein als jene, die weiterhin auf punktuelle Maßnahmen oder reine Prävention setzen.

Sicherheit ist die Voraussetzung für digitale Kontinuität

Der Cybersecurity Report 2026 zeigt: Die Bedrohungslage ist ernster, dynamischer und technischer ist als je zuvor. KI beschleunigt Innovation, aber auch Angriffe. Identitäten gewinnen weiter an Bedeutung, und Altlasten werden zur Achillesferse vernetzter Systeme. Gleichzeitig wird sichtbar, dass Unternehmen, die auf Modernisierung, Governance und Resilienz setzen, besser durch Angriffe navigieren – nicht, weil sie diese verhindern, sondern weil sie vorbereitet sind.

Sicherheit wird damit endgültig zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Organisationen, die 2026 bestehen wollen, brauchen eine Sicherheitsstrategie, die nicht nur Verteidigung denkt, sondern auch Wiederherstellung, Lernfähigkeit und Stabilität. Genau dieser Fokus wird in den kommenden Monaten darüber entscheiden, wie widerstandsfähig Unternehmen den Herausforderungen der digitalen Welt begegnen.

Über den Cybersecurity Report

Die Studie für den Cybersecurity Report 2026 wurde vom Hornetsecurity Security Lab durchgeführt. Dabei wurden mehr als 72 Milliarden E-Mails untersucht, die während des Berichtszeitraums (15. Oktober 2024 – 15. Oktober 2025) über die Sicherheitsdienste von Hornetsecurity verarbeitet wurden.

Über den Autor:Umut Alemdar ist Senior Vice President Cybersecurity von Hornetsecurity by Proofpoint. In dieser Funktion hält er die strategische Gesamtverantwortung für die globale Cybersicherheitsforschung, Threat Intelligence sowie die Entwicklung fortschrittlicher Threat-Detection-Lösungen. Seit 2020 leitet er zudem das globale Security Lab von Hornetsecurity.

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