Identitäten definieren Sicherheit 2026 Diese sieben IAM-Trends prägen die Sicherheitsarchitekturen

Ein Gastbeitrag von Stephan Schweizer 4 min Lesedauer

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Identitäten werden zum zentralen Steuerungsfaktor moderner Cyberabwehr. Sieben IAM-Trends zeigen, wie Non-Human Identities, KI, Identity Fabrics und Regulierung Sicherheitsarchitekturen 2026 neu ausrichten.

Im Jahr 2026 machen diese sieben IAM-Trends Identitäten, KI und Regulierung zum Taktgeber moderner Sicherheitsarchitekturen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Im Jahr 2026 machen diese sieben IAM-Trends Identitäten, KI und Regulierung zum Taktgeber moderner Sicherheitsarchitekturen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Auch im kommenden Jahr zeigt sich: Klassische Sicherheitsmodelle verlieren an Wirksamkeit. Firewalls, starre Berechtigungen oder isolierte Perimeter bieten keinen Schutz mehr vor ge­zielt­en Angriffen auf digitale Infrastrukturen. Stattdessen verschiebt sich die Verantwortung auf die Steuerung von Identitäten: Menschliche und maschinelle Konten bestimmen zu­neh­mend, wer Zugriff erhält, welche Risiken akzeptiert werden können und wie Vertrauen dynamisch gemanagt wird. Unternehmen müssen ihre Identity-and-Management-Ar­chi­tek­tur­en (IAM) neu denken, Prozesse automatisieren und Richtlinien kontextsensitiv gestalten, um Sicherheitskontrolle und Compliance gleichzeitig sicherzustellen.

Die folgenden sieben Entwicklungen verdeutlichen, welche Paradigmen 2026 prägen und welche strategischen Entscheidungen Unternehmen jetzt treffen müssen.

1. Non-Human Identities werden zum kritischen Risikofaktor

Mit der Zunahme von Cloud-Diensten, Containern und KI wächst die Zahl nicht-menschlicher Identitäten ra­pide. APIs, Service-Accounts und autonome Bots handeln selbstständig, au­then­ti­fi­zier­en sich über Tokens oder Zertifikate und bleiben oft außerhalb klassischer Kontrollmechanismen. Ungeklärte Zuständigkeiten, fest codierte Zugangsdaten und veraltete Skripte schaffen sogenannte Schattenidentitäten, die unbemerkt pri­vi­le­gierte Zugriffe auf kritische Systeme ermöglichen.

Für 2026 bedeutet dies: Nur ein automatisiertes Lifecycle-Management sichert Transparenz und Kontrolle. Adaptive Identity Ma­nage­ment, kon­text­ba­sier­te Authentifizierung, Echtzeit-Audits und Schlüsselrotation reduzieren Risiken signifikant. Standards wie SPIFFE (kurz für Secure Production Identity Framework For Everyone) schaffen eine einheitliche Basis für die Verwaltung maschineller Identitäten über hybride Cloud-Landschaften hinweg und verankern Identity Security als ganzheitliches Konzept.

2. Modulare Identity Fabrics konsolidieren IAM-Systeme

Der Anspruch an Organisationen wächst, da sowohl interne Belegschaftssysteme als auch Kunden- und Maschinenidentitäten integriert werden müssen. Einzelne Identity and Management-Systeme stoßen dabei an Grenzen. Silos und Redundanzen erzeugen Lücken und hohen Administrationsaufwand.

2026 setzen Unternehmen auf modulare Identity Fabrics, die über API-basierte Strukturen alle Identitätstypen verknüpfen. Authentifizierung, Autorisierung, Governance und Compliance verschmelzen zu einem konsistenten Rahmen. Automatisierte Provisionierung, At­tri­but­ver­er­bung und zentrale Richtliniensteuerung schaffen Skalierbarkeit, Auditierbarkeit und Effizienz. So wird IAM vom isolierten Werkzeug zum strategischen Rückgrat moderner Sicherheitsarchitekturen.

3. Vertrauen wird dynamisch gesteuert

Identitätsauthentifizierung wird zu einem fortlaufenden Prozess, der Vertrauen permanent neu bewertet. Ein einmal erteilter Zugriff reicht nicht mehr aus, da Risiko, Kontext oder Geräteprofil sich jederzeit verändern können.

Continuous Trust Assessment prüft fortlaufend Kontextsignale, erkennt Anomalien und passt Zugriff in Echtzeit an. So wird Zero Trust operationalisiert. KI gewinnt dabei eine Schlüsselrolle. Sie erkennt Muster, segmentiert Risiken dynamisch, und ermöglicht es, Entscheidungen au­to­ma­ti­siert zu treffen. Identitätsplattformen wandeln sich so von passiven Gatekeepern zu Risiko-Engines, die eigenständig agieren und Sicherheitskontrolle dorthin verschieben, wo sie wirkt: direkt auf die Identität.

4. Generative KI und Deepfakes verändern Authentizität

Täuschend echte Audio- und Video-Deepfakes untergraben die klassische Authentifizierung. Synthetische Identitäten ermöglichen Cyberangreifern, Menschen oder Systeme zu imitieren. Visuelle oder biometrische Merkmale allein reichen nicht mehr aus.

Zukünftig entsteht Vertrauen aus Verhaltens- und Kontextanalysen, nicht aus sichtbaren Merkmalen. Behavioral Biometrics, Device Fingerprinting und Kontextsignale identifizieren Muster, die schwerer fälschbar sind. KI erkennt manipulierte Inhalte, analysiert Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren und unterstützt Systeme bei der Früherkennung. Ver­trau­ens­mo­delle lösen sich von einzelnen Merkmalen und verschieben sich hin zu dynamischen, kontextualisierten Profilen.

5. Ransomware greift zunehmend Identitäten an

Ransomware verändert ihre Angriffsmuster: Statt klassische Infrastrukturen anzugreifen, verschaffen sich Angreifer über kompromittierte Konten oder un­au­to­ri­siert eingesetzte Service-Accounts legitimen Zugang zu Systemen. Gestohlene Zugangsdaten oder unautorisierte Tokens öffnen ihnen Türen, ohne dass herkömmliche Schutzmechanismen unmittelbar greifen.

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Die Verteidigung verlagert sich daher direkt auf die Ebene der Identität. Identity Threat Detection and Response (ITDR) überwacht Authentifizierungsprozesse in Echtzeit, erkennt auffällige Anmeldeaktivitäten, untypische Berechtigungsänderungen oder verdächtige Token-Aktivitäten und isoliert betroffene Konten automatisch. So lassen sich Angriffe frühzeitig unterbinden, bevor sie die Systemintegrität gefährden.

6. Nutzerzentrierte Sicherheit etabliert sich

Fehlverhalten und Passwortmüdigkeit sind weiterhin kritische Auslöser erfolgreicher Angriffe. Doch statt Komplexität zu erhöhen, verlagert sich der Fokus: Sicherheit muss sich am Menschen orientieren und intuitive Nutzbarkeit bieten.

Passwordless Authentication, adaptive Policies und kontextbasierte Zugriffskontrollen ent­las­ten Anwender und vermeiden Fehler durch Überforderung. IAM-Plattformen or­ches­trie­ren Identität, Berechtigung und Authentifizierung nahtlos zu einem konsistenten Erlebnis, sodass Sicherheit Teil der Nutzererfahrung wird. Technologie folgt dem Nutzer, nicht umgekehrt, und schafft damit Akzeptanz, Resilienz und Schutz.

7. Regulierungen treiben IAM-Modernisierung voran

NIS2, DORA und eIDAS 2.0 verschärfen Anforderungen an Governance, Datenintegrität und Auditierbarkeit. Unternehmen müssen regulatorische Anforderungen architektonisch ver­an­kern. Identity Fabrics, automatisierte Policy-Durchsetzung sowie revisionssichere Protokollierung werden zum notwendigen Fundament. Regulatorische Vorgaben werden so vom Compliance-Aufwand zur Triebfeder technischer Modernisierung.

Identity-First Security wird Standard

2026 markiert einen Wendepunkt: Sicherheit entsteht durch konsequente Kontrolle von Identitäten. Das gilt für Menschen ebenso wie für Maschinen. IAM-Systeme schaffen die Grundlage für dynamisches Vertrauen, adaptive Zugriffskontrolle und nachweisbare Compliance. Identity-First Security ist nicht länger optional, sondern zwingender Standard moderner Cyberresilienz. Unternehmen, die hier die Führung übernehmen, gestalten Si­cher­heit proaktiv sowie zukunftsfähig und bestimmen, wie Cyberabwehr in der vernetzten Welt von morgen funktioniert.

Über den Autor: Stephan Schweizer ist CEO bei Nevis Security.

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