Identitäten werden zum zentralen Steuerungsfaktor moderner Cyberabwehr. Sieben IAM-Trends zeigen, wie Non-Human Identities, KI, Identity Fabrics und Regulierung Sicherheitsarchitekturen 2026 neu ausrichten.
Im Jahr 2026 machen diese sieben IAM-Trends Identitäten, KI und Regulierung zum Taktgeber moderner Sicherheitsarchitekturen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Auch im kommenden Jahr zeigt sich: Klassische Sicherheitsmodelle verlieren an Wirksamkeit. Firewalls, starre Berechtigungen oder isolierte Perimeter bieten keinen Schutz mehr vor gezielten Angriffen auf digitale Infrastrukturen. Stattdessen verschiebt sich die Verantwortung auf die Steuerung von Identitäten: Menschliche und maschinelle Konten bestimmen zunehmend, wer Zugriff erhält, welche Risiken akzeptiert werden können und wie Vertrauen dynamisch gemanagt wird. Unternehmen müssen ihre Identity-and-Management-Architekturen (IAM) neu denken, Prozesse automatisieren und Richtlinien kontextsensitiv gestalten, um Sicherheitskontrolle und Compliance gleichzeitig sicherzustellen.
Die folgenden sieben Entwicklungen verdeutlichen, welche Paradigmen 2026 prägen und welche strategischen Entscheidungen Unternehmen jetzt treffen müssen.
1. Non-Human Identities werden zum kritischen Risikofaktor
Mit der Zunahme von Cloud-Diensten, Containern und KI wächst die Zahl nicht-menschlicher Identitäten rapide. APIs, Service-Accounts und autonome Bots handeln selbstständig, authentifizieren sich über Tokens oder Zertifikate und bleiben oft außerhalb klassischer Kontrollmechanismen. Ungeklärte Zuständigkeiten, fest codierte Zugangsdaten und veraltete Skripte schaffen sogenannte Schattenidentitäten, die unbemerkt privilegierte Zugriffe auf kritische Systeme ermöglichen.
Für 2026 bedeutet dies: Nur ein automatisiertes Lifecycle-Management sichert Transparenz und Kontrolle. Adaptive Identity Management, kontextbasierte Authentifizierung, Echtzeit-Audits und Schlüsselrotation reduzieren Risiken signifikant. Standards wie SPIFFE (kurz für Secure Production Identity Framework For Everyone) schaffen eine einheitliche Basis für die Verwaltung maschineller Identitäten über hybride Cloud-Landschaften hinweg und verankern Identity Security als ganzheitliches Konzept.
Der Anspruch an Organisationen wächst, da sowohl interne Belegschaftssysteme als auch Kunden- und Maschinenidentitäten integriert werden müssen. Einzelne Identity and Management-Systeme stoßen dabei an Grenzen. Silos und Redundanzen erzeugen Lücken und hohen Administrationsaufwand.
2026 setzen Unternehmen auf modulare Identity Fabrics, die über API-basierte Strukturen alle Identitätstypen verknüpfen. Authentifizierung, Autorisierung, Governance und Compliance verschmelzen zu einem konsistenten Rahmen. Automatisierte Provisionierung, Attributvererbung und zentrale Richtliniensteuerung schaffen Skalierbarkeit, Auditierbarkeit und Effizienz. So wird IAM vom isolierten Werkzeug zum strategischen Rückgrat moderner Sicherheitsarchitekturen.
Identitätsauthentifizierung wird zu einem fortlaufenden Prozess, der Vertrauen permanent neu bewertet. Ein einmal erteilter Zugriff reicht nicht mehr aus, da Risiko, Kontext oder Geräteprofil sich jederzeit verändern können.
Continuous Trust Assessment prüft fortlaufend Kontextsignale, erkennt Anomalien und passt Zugriff in Echtzeit an. So wird Zero Trust operationalisiert. KI gewinnt dabei eine Schlüsselrolle. Sie erkennt Muster, segmentiert Risiken dynamisch, und ermöglicht es, Entscheidungen automatisiert zu treffen. Identitätsplattformen wandeln sich so von passiven Gatekeepern zu Risiko-Engines, die eigenständig agieren und Sicherheitskontrolle dorthin verschieben, wo sie wirkt: direkt auf die Identität.
4. Generative KI und Deepfakes verändern Authentizität
Täuschend echte Audio- und Video-Deepfakes untergraben die klassische Authentifizierung. Synthetische Identitäten ermöglichen Cyberangreifern, Menschen oder Systeme zu imitieren. Visuelle oder biometrische Merkmale allein reichen nicht mehr aus.
Zukünftig entsteht Vertrauen aus Verhaltens- und Kontextanalysen, nicht aus sichtbaren Merkmalen. Behavioral Biometrics, Device Fingerprinting und Kontextsignale identifizieren Muster, die schwerer fälschbar sind. KI erkennt manipulierte Inhalte, analysiert Kommunikationsstrukturen und unterstützt Systeme bei der Früherkennung. Vertrauensmodelle lösen sich von einzelnen Merkmalen und verschieben sich hin zu dynamischen, kontextualisierten Profilen.
Ransomware verändert ihre Angriffsmuster: Statt klassische Infrastrukturen anzugreifen, verschaffen sich Angreifer über kompromittierte Konten oder unautorisiert eingesetzte Service-Accounts legitimen Zugang zu Systemen. Gestohlene Zugangsdaten oder unautorisierte Tokens öffnen ihnen Türen, ohne dass herkömmliche Schutzmechanismen unmittelbar greifen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Die Verteidigung verlagert sich daher direkt auf die Ebene der Identität. Identity Threat Detection and Response (ITDR) überwacht Authentifizierungsprozesse in Echtzeit, erkennt auffällige Anmeldeaktivitäten, untypische Berechtigungsänderungen oder verdächtige Token-Aktivitäten und isoliert betroffene Konten automatisch. So lassen sich Angriffe frühzeitig unterbinden, bevor sie die Systemintegrität gefährden.
Fehlverhalten und Passwortmüdigkeit sind weiterhin kritische Auslöser erfolgreicher Angriffe. Doch statt Komplexität zu erhöhen, verlagert sich der Fokus: Sicherheit muss sich am Menschen orientieren und intuitive Nutzbarkeit bieten.
Passwordless Authentication, adaptive Policies und kontextbasierte Zugriffskontrollen entlasten Anwender und vermeiden Fehler durch Überforderung. IAM-Plattformen orchestrieren Identität, Berechtigung und Authentifizierung nahtlos zu einem konsistenten Erlebnis, sodass Sicherheit Teil der Nutzererfahrung wird. Technologie folgt dem Nutzer, nicht umgekehrt, und schafft damit Akzeptanz, Resilienz und Schutz.
NIS2, DORA und eIDAS 2.0 verschärfen Anforderungen an Governance, Datenintegrität und Auditierbarkeit. Unternehmen müssen regulatorische Anforderungen architektonisch verankern. Identity Fabrics, automatisierte Policy-Durchsetzung sowie revisionssichere Protokollierung werden zum notwendigen Fundament. Regulatorische Vorgaben werden so vom Compliance-Aufwand zur Triebfeder technischer Modernisierung.
Identity-First Security wird Standard
2026 markiert einen Wendepunkt: Sicherheit entsteht durch konsequente Kontrolle von Identitäten. Das gilt für Menschen ebenso wie für Maschinen. IAM-Systeme schaffen die Grundlage für dynamisches Vertrauen, adaptive Zugriffskontrolle und nachweisbare Compliance. Identity-First Security ist nicht länger optional, sondern zwingender Standard moderner Cyberresilienz. Unternehmen, die hier die Führung übernehmen, gestalten Sicherheit proaktiv sowie zukunftsfähig und bestimmen, wie Cyberabwehr in der vernetzten Welt von morgen funktioniert.
Über den Autor: Stephan Schweizer ist CEO bei Nevis Security.