Cyberangriffe stellen eine erhebliche und allgegenwärtige Bedrohung für Unternehmen dar. Sie können den Betrieb stören, sensible Daten gefährden und erhebliche finanzielle Verluste verursachen. Das Risiko nimmt zu und betrifft jeden Aspekt des Geschäftsbetriebs, einschließlich der Lieferketten, da die Angreifer immer raffinierter werden und vernetzte Systeme die Anfälligkeit erhöhen.
Security-Experten von Sphera ermittelten im Jahr 2023 einen Anstieg von 62 Prozent gegenüber 2022 bei cyberbedingten Lieferkettenproblemen.
(Bild: Aidas - stock.adobe.com)
Hacker nutzen immer häufiger die Vernetzung von Unternehmen und ihren Zulieferern aus, um sich über schwächer gesicherte Endpoints Zugang zu den IT-Systemen von Unternehmen zu verschaffen. Um sich zu schützen, gilt es, für eine robuste und effektive Cybersicherheit im gesamten Liefernetzwerk zu sorgen.
Dominoeffekt: Wie sich Cybervorfälle auf Unternehmen auswirken
Laut dem Global Cybersecurity Outlook 2024 des Weltwirtschaftsforums (WEF) verstehen 54 Prozent der Unternehmen die Cyberschwachstellen in ihrer Lieferkette nicht ausreichend. Weniger als die Hälfte der Teilnehmer an der WEF-Umfrage gaben an, dass ihre Partner in der Lieferkette einen Nachweis der Cybersicherheit verlangt haben. Unternehmen, die Cyberrisiken nicht ernst nehmen, zahlen am Ende oft einen hohen Preis. Laut einer IBM-Umfrage aus dem Jahr 2024 betrugen die durchschnittlichen Kosten eines Cybervorfalls in Unternehmen 4,88 Millionen US-Dollar.
Bei einem Cybervorfall entstehen Unternehmen nicht nur erhebliche finanzielle Verluste durch kompromittierte Daten und Betriebsunterbrechungen, sondern auch indirekte Kosten und der Verlust des Vertrauens von Partnern und Kunden. Die direkten Kosten umfassen die Entdeckung, die Wiederherstellung von Daten und in einigen Fällen die Zahlung von Lösegeld. Es entstehen aber auch indirekte Kosten wie die Auswirkungen auf das Business oder höhere Versicherungsprämien. Auch haben Cyberangriffe langfristige Auswirkungen. Diese betreffen die Einnahmen, die Rentabilität und die Wettbewerbsfähigkeit. Zudem kann die Wiederherstellung des Betriebs viel Zeit und Kosten in Anspruch nehmen.
Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen können verheerende Folgen nach sich ziehen. So können beispielsweise sensible Informationen innerhalb von Lieferketten offengelegt oder gestohlen werden oder Bedrohungsakteure könnten Daten oder Passwörter der Kunden eines Unternehmens stehlen. Verstöße gegen den Datenschutz und die Privatsphäre werden unter Umständen auch strafrechtlich verfolgt. Nach der Allgemeinen Datenschutzverordnung der EU (GDPR/DSGVO) können Geldstrafen von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens verhängt werden.
Nicht zu vernachlässigen ist eine beschädigte Reputation eines Unternehmens bei einem bekanntgewordenen Cybervorfall. Cybervorfälle untergraben das Vertrauen und den Markenwert. Die Kunden könnten das Gefühl haben, dass das Unternehmen keinen Wert auf ihre Sicherheit legt, und Geschäftspartner können an der Kompetenz und der Governance ihrer Partner zweifeln.
Die Bewältigung von Cyberrisiken in der Lieferkette beginnt mit der Ermittlung der Risiken. Dazu gehört die Feststellung, ob Lieferanten über ausreichende Sicherheitstechnologien und -richtlinien verfügen.
Weitere Schritte umfassen proaktive Maßnahmen zur Risikominderung. Dazu gehört die Sicherung der eigenen Infrastruktur durch Security-Technologien. Viele IT-Spezialisten stützen sich auf die Norm ISO/IEC 27001, in der die Anforderungen an Managementsysteme für die Informationssicherheit aufgeführt sind. Zudem sollten Unternehmen spezifische Sicherheitsmaßnahmen in Lieferantenverträgen verlangen und die Cybersicherheitssysteme und -zertifikate der Lieferanten durch Bewertungen oder Audits überprüfen.
Auch sollten Unternehmen den Lieferantenstamm auf Datenschutzverletzungen oder Cybervorfälle kontinuierlich überwachen und Schwachstellen aufdecken, indem sie sich einen Überblick über die Zulieferebenen verschaffen. Datenverletzungen können durch eine veraltete Softwareversion, unzureichende Ressourcen oder mangelndes Bewusstsein der Mitarbeiter ermöglicht werden. In jedem Fall ist eine kontinuierliche Überwachung wichtig, die Unternehmen so schnell wie möglich über Vorfälle in ihrer Lieferkette informiert.
Eskalierende Bedrohungslandschaft für Lieferketten
Cyberrisiken entwickeln sich in rasantem Tempo weiter. Deshalb sollten Unternehmen nicht nur ihre Infrastruktur sichern, sondern auch ihre Cybersicherheitsprozesse durch Sensibilisierung und Schulung verstärken. Die modernsten Firewalls oder Antivirensoftware reichen nicht aus, wenn die Mitarbeiter die Datenschutzrichtlinien nicht befolgen. Ebenso könnte ein Lieferant, der Daten im Auftrag des einkaufenden Unternehmens verarbeitet, einen Fehler machen, der zu einem Cyberproblem mit nachgelagerten Kundendaten führt. Nach den Datenschutzgesetzen könnte das Unternehmen haftbar gemacht werden, wenn es nicht dafür gesorgt hat, dass der Lieferant über angemessene Sicherheitsvorkehrungen verfügt.
Stand: 08.12.2025
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Grundsätzlich müssen Fachleute für Beschaffung und Lieferkettenmanagement einen Einblick in die potenziellen Auswirkungen von Cybervorfällen haben. Auf diese Weise können sie Cyberrisiken frühzeitig erkennen und sich der damit verbundenen finanziellen oder rufschädigenden Folgen bewusst sein und schneller reagieren, um Störungen zu minimieren.
Werkzeuge und Ansätze für das Cyber-Risikomanagement in der Lieferkette
Ein wirksames Cyber-Risikomanagement in der Lieferkette erfordert nicht nur eine solide Strategie, sondern auch die richtigen Werkzeuge für deren Umsetzung. Für Unternehmen, die bereits über eine ausgereifte Strategie für das Cyber-Risikomanagement verfügen, sind die richtigen Tools unerlässlich, um Schwachstellen in der Lieferkette wirksam anzugehen und Risiken zu mindern. Unternehmen können fortschrittliche Lösungen nutzen, um tiefere Einblicke in Lieferantenrisiken zu gewinnen und die Geschäftskontinuität angesichts von Cyberbedrohungen aufrechtzuerhalten. Zu den wichtigsten Tools gehören:
Risk Intelligence führt eine Echtzeit-Medienbeobachtung von monatlich Milliarden von Artikeln durch. Dieses Tool bietet unmittelbare Einblicke in die Risikoexposition in der gesamten Lieferkette. Die Erkenntnisse werden in dynamischen Risiko-Scorecards angezeigt, die es Unternehmen ermöglichen, schnell auf neue Bedrohungen zu reagieren,
Risikobewertung der Lieferkette: Diese Lösung identifiziert versteckte Schwachstellen und Risiken im Liefernetzwerk. Automatisierte Lieferantenbefragungen ergänzen die Bewertung und liefern Daten aus erster Hand über die Cybersicherheitslage der Lieferanten.
Bewertungs-Analyse: Durch die Bewertung der Kritikalität der Zuliefererbasis auf Ebene der einzelnen Kategorien zeigt dieses Tool die potenziellen Auswirkungen von Cyberangriffen auf wichtige Zulieferer auf und informiert über die Prioritäten bei der Schadensbegrenzung.
Zusätzlich zu diesen Instrumenten spielt die Governance im Bereich der Cybersicherheit eine entscheidende Rolle beim Risikomanagement. Effektive Governance-Frameworks bieten klare und konsistente Berichts- und Kommunikationsvorteile für Unternehmen. So können sie Risiken sowohl intern als auch extern klar kommunizieren, was eine schnelle Entscheidungsfindung, eine rasche Risikominderung und eine Minimierung der finanziellen Auswirkungen ermöglichen.
Auch die Bewältigung finanzieller Schwachstellen hat für Unternehmen wachsende Priorität. Das Verständnis der potenziellen finanziellen Auswirkungen von Unterbrechungen in der Lieferkette stellt sicher, dass die Maßnahmen zur Risikominderung mit den Zielen der Organisation in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit übereinstimmen und die langfristige Rentabilität schützen.
Die zunehmenden Cyberrisiken innerhalb der Lieferkette verlangen von den Unternehmen proaktive Maßnahmen zur Stärkung ihrer Infrastruktur und zum Schutz ihres Liefernetzes. Nur durch eine kontinuierliche Überwachung, eine umfassende Risiko- und Folgenabschätzung und eine klare Governance im Bereich der Cybersicherheit können Unternehmen langfristige Schäden begrenzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Über den Autor: Heiko Schwarz ist Global Supply Chain Risk Advisor bei Sphera.