Anbieter Filigran zeigt eine Lücke zwischen Threat Intelligence in der Theorie und ihrer Umsetzung auf. Viele Unternehmen erkennen Risiken, können sie aber nicht priorisieren. Automatisierung und CTEM sollen Abhilfe schaffen.
Threat Intelligence bleibt häufig unwirksam, wenn Unternehmen zwar Bedrohungen erkennen, diese aber ohne Priorisierung und kontinuierliche Validierung nicht in effektive Maßnahmen umsetzen können.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Eine Studie des französischen Security-Unternehmens Filigran unter 550 Entscheidungsträgern und Fachleuten im IT-Sicherheitsbereich hat ihren Ergebnisse nach eine auffällige Diskrepanz aufgedeckt: Während sich den Studienautoren nach das Continuous Threat Exposure Management (CTEM) als Branchenstandard zunehmend durchsetze, lasse die operative Reife für dessen Umsetzung weiterhin auf sich warten. Diese Kluft zwischen dem Wissen, wo Bedrohungen bestehen, und der Fähigkeit, diese fortlaufend richtig zu bewerten und zu beheben, bezeichnet Filigran in seinem „State of Threat Management Report“ als „Exposure Gap“.
Trotz des Einsatzes von durchschnittlich 14 verschiedenen Threat-Intelligence-Feeds hätten 61 Prozent der Unternehmen angegeben, nicht bestimmen zu können, welche Schwachstellen bei realen Angriffen am ehesten ausgenutzt werden. Nur 38 Prozent würden Threat Intelligence im Rahmen eines kontinuierlichen, vollautomatisierten Validierungsprozesses nutzen. Stattdessen würden Sicherheitsteams durchschnittlich 42 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, Risiken zu untersuchen, die sich später als weniger wichtig oder nicht ausnutzbar erweisen.
„Das Problem ist nicht die Transparenz. Das Problem ist, dass es den Teams schwerfällt, diese Transparenz schnell genug in Maßnahmen umzusetzen“, erklärt Julien Richard, Mitgründer von Filigran. „Unternehmen versinken in Threat Intelligence aus Dutzenden von Feeds und Tools. Ohne kontinuierliche Validierung und intelligente Priorisierung sorgen diese Daten eher für Unübersichtlichkeit als für Klarheit. Um die Lücke bei der Erfassung von Sicherheitsrisiken zu schließen, muss die Threat Intelligence in einem kontinuierlichen Arbeitsablauf direkt mit der Validierung von Sicherheitsrisiken und der Risikominderung verknüpft werden.“
Deutschland führt bei der Implementierung von CTEM
Laut Studie steche Deutschland als positive Ausnahme heraus: 58 Prozent der deutschen Befragten würden Threat Intelligence bereits in einem kontinuierlichen, vollständig automatisierten Validierungsprozess nutzen. Das sei der höchste Wert aller untersuchten Länder und deutlich über dem globalen Durchschnitt von 38 Prozent. Demnach würden deutsche Sicherheitsteams laut der Studie nur 27 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Untersuchung risikoarmer oder nicht ausnutzbarer Schwachstellen verbringen, verglichen mit 42 Prozent weltweit. Auch bei der konsolidierten Risikosicht führe Deutschland das globale Ranking an (54 Prozent, vor den USA mit 53 Prozent), und jeder einzelne der 50 deutschen Befragten arbeite aktiv an einem CTEM-Programm. Kein anderes Land habe diesen Wert erreicht.
Doch diese Reife erzeuge auch neue Herausforderungen. Denn Trotz ihrer Spitzenposition hätten deutsche Teams Alert Fatigue, manuelle Korrelation fragmentierter Daten und den Fachkräftemangel als größte Hemmnisse genannt. Das sei den Studienautoren nach ein klares Zeichen dafür, dass fortgeschrittene Programme mehr Daten, mehr Alarme und damit eine neue Klasse operativer Engpässe produzieren würden, die nur durch stärkere Automatisierung zu lösen seien.
Die gesamte EMEA-Region liege im globalen Vergleich im Mittelfeld. 37 Prozent hätten angegeben, über einen vollständig konsolidierten Überblick über die Risiken zu verfügen, und 35 Prozent würden eine kontinuierliche, automatisierte Validierung nutzen. Die APAC-Region weise die größte Lücke auf: Nur 31 Prozent würden über einen vollständig konsolidierten Überblick, und nur 27 Prozent nutzen eine kontinuierliche, automatisierte Validierung verfügen. Das sei etwa die Hälfte des nordamerikanischen Wertes.
88 Prozent der Befragten hätten anerkannt, dass regelmäßige Bewertungen mit dem Tempo der Veränderungen in ihren Umgebungen nicht Schritt halten könnten. Gleichzeitig hätten sich fast die Hälfte immer noch vollständig oder größtenteils auf manuelle Prozesse zur Identifizierung von Schwachstellen und zur Bedrohungsanalyse verlassen. Dieser Engpass habe konkrete Folgen gehabt. 84 Prozent hätten zugestimmt, dass Cyberangriffe bekannte Risiken ausnutzen würden, denen keine Priorität eingeräumt werde. Zu den größten Hindernissen bei der Überprüfung, ob Bedrohungen ausnutzbar sind, zähle die Sorge vor Systemausfällen (49 Prozent), übermäßiger manueller Aufwand (46 Prozent) und eine schlechte Integration in bestehende Sicherheitsprozesse (42 Prozent). Das Problem werde durch Alarmflut noch verschärft. 89 hätten dementsprechend angegeben, dass eine Reduzierung dieser Alarmflut dabei helfen würde, zu erkennen, welche Alarme ein echtes Geschäftsrisiko darstellen.
Stand: 08.12.2025
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„Diese Studie quantifiziert eine Herausforderung, mit der Sicherheitsexperten seit Jahren zu kämpfen haben“, kommentiert Neena Sharma, Head of Customer and Product Marketing bei Filigran. „Die Branche hat massiv in Erkennung und Intelligence investiert, doch ohne kontinuierliche Validierung und Priorisierung bleiben Unternehmen reaktiv. Die Ergebnisse untermauern, warum wir die XTM-Plattform entwickeln, um Sicherheitsteams die operative Brücke vom Bewusstsein zum Handeln zu bieten.“
KI und Automatisierung als Weg zum operativen CTEM
88 Prozent der Sicherheitsteams seien sich einig, dass sie ohne stärkere Automatisierung mit der Menge der zu bewertenden Risiken nicht Schritt halten könnten. Glücklichereweise nehme der Einsatz von KI im CTEM zu. Derzeit seien 37 Prozent der CTEM-Prozesse KI-gestützt, und die Befragten würden davon ausgehen, dass dieser Anteil innerhalb von zwei Jahren auf 59 Prozent steigen werde.
Während 95 Prozent der Unternehmen der Meinung seien, dass eine stärkere Automatisierung ihr Vertrauen darin stärken würde, dass sich die Teams auf die wichtigsten Risiken konzentrieren, hätten nur 38 Prozent eine kontinuierliche, automatisierte Validierung implementiert. Die Bereiche, die laut den Befragten am meisten von KI und Automatisierung profitieren würden, sind die Erkennung von Schwachstellen, Fehlkonfigurationen und Sicherheitslücken (59 Prozent), das Verständnis, welche Bedrohungen für ihre spezifische Umgebung relevant sind (56 Prozent) sowie die Überprüfung, ob Sicherheitslücken realistisch ausnutzbar sind (54 Prozent).
In den nächsten zwölf bis 24 Monaten würden drei Viertel der Unternehmen planen, sowohl in Tools zur Quantifizierung von Cyberrisiken als auch in Funktionen zur Bewertung von Sicherheitslücken zu investieren. Die Dringlichkeit ist den Analysten zufolge offensichtlich: 93 Prozent hätten zugestimmt, dass eine Verzögerung bei der Verbesserung ihres Cyberrisikomanagements die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Vorfälle erhöhe. 94 Prozent hätten angegeben, dass eine proaktive Cybersicherheitsstrategie im Jahr 2026 von der Integration von Bedrohungsinformationen in das Schwachstellenmanagement abhängen werde.