Report zeigt massive Sicherheitslücken bei Unternehmens-PCs Ausfallzeiten übertreffen Sicherheits­verletzungen als IT-Risiko

Ein Gastbeitrag von Thomas Lo Coco 7 min Lesedauer

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Nicht mehr die Sicherheitsverletzung ist die schwerwiegendste Folge eines Cybervorfalls, sondern die daraus resultierenden Betriebsstörungen. Die Analyse von Telemetriedaten mehrerer Millionen Endgeräte zeigt, dass Ausfallzeiten zur größten und am wenigsten kontrollierbaren Ursache für finanzielle Risiken geworden sind. So sind Unternehmens-PCs weltweit durchschnittlich bis zu 76 Tage im Jahr anfällig.

Unkontrollierte Ausfallzeiten zerstören die Betriebskontinuität nachhaltiger als jeder Cyberangriff. Unternehmens-PCs sind dabei weltweit bis zu 76 Tage im Jahr ungeschützt.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Unkontrollierte Ausfallzeiten zerstören die Betriebskontinuität nachhaltiger als jeder Cyberangriff. Unternehmens-PCs sind dabei weltweit bis zu 76 Tage im Jahr ungeschützt.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Nicht mehr die Sicherheitsverletzung selbst ist die schwerwiegendste Folge eines Cybervorfalls, sondern die daraus resultierenden Betriebsstörungen. Das ist ein Ergebnis aus der Analyse von Telemetriedaten von Millionen von Endgeräten des aktuellen. Eine weitere bittere Erkenntnis sagt, dass Ausfallzeiten zu einer der größten und am wenigsten kontrollierbaren Ursachen für finanzielle Risiken geworden sind.

Aufgrund immer komplexerer Unternehmensumgebungen gelingt eine kontinuierliche und operative Durchsetzung kritischer Sicherheitsmaßnahmen häufig nicht. Durchschnittlich sind pro Unternehmen 83 Security-Tools im Einsatz, jedoch lässt sich jedes fünfte Gerät nach wie vor nicht zuverlässig schützen, aktualisieren und wiederherstellen.

Um zu analysieren, wie sich Sicherheitskontrollen in realen Umgebungen bewähren, haben Forscher von Absolute Security Telemetriedaten auf Geräteebene von mehreren 10 Millionen Endgeräten in Unternehmen untersucht. Dabei konzentrierte sich die Analyse auf drei wichtige Kategorien von Sicherheitskontrollen: Endpoint Vulnerability Management, EPP/EDR/XDR und Security Service Edge (SSE).

PCs sind weltweit bis zu 76 Tage im Jahr anfällig für Angriffe

Ohne die Durchsetzung von Resilienz stieg der Anteil der Endgeräte, die in einem geschützten Zustand betrieben werden, kaum merklich von 78 Prozent in 2025 auf gerade einmal 79 Prozent im Jahr 2026, so der Resilience Risk Index 2026 von Absolute Security. Mit anderen Worten: In rund 20 Prozent der Fälle kann die eingesetzte Endpoint-Sicherheitssoftware Geräte nicht ausreichend schützen. PCs sind weltweit bis zu 76 Tage im Jahr anfällig für Angriffe und Cybervorfälle. Solche Lücken tragen zu jährlichen Ausfallkosten in Höhe von weltweit 400 Milliarden US-Dollar bei.

Die deutlichste Verschlechterung zeigte sich im Bereich Endpoint Vulnerability Management: 2025 wurden 20 Prozent der Geräte in diesem Bereich nicht regelkonform betrieben, 2026 stieg der Anteil auf 24 Prozent. Endpoint Protection Plattformen, einschließlich EPP-, EDR- und XDR-Technologien, arbeiteten unverändert gegenüber dem Vorjahr in 23 Prozent der Fälle nicht regelkonform. Bei den Security Service Edge (SSE)-Kontrollen stieg der Anteil der nicht regelkonformen Geräte leicht von 13 Prozent auf 14 Prozent 2026.

2026 befanden sich durchschnittlich 24 Prozent der Geräte in der Kategorie Endpunktmanagement außerhalb eines geschützten, wiederherstellbaren Zustands, was einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr darstellt. In den meisten Fällen ist dies nicht auf das Fehlen von Management-Tools zurückzuführen. Vielmehr spiegelt es eine sukzessive Schwächung der Durchsetzung wider. So verschlechtern sich im Laufe der Zeit Agenten, Patch-Zyklen geraten in Verzug und Geräte verlieren die Verbindung zur Verwaltungsinfrastruktur. Kontrollmaßnahmen sind wohl technisch installiert, operativ jedoch beeinträchtigt. Dashboards signalisieren möglicherweise weiterhin Compliance, tatsächlich ist dem jedoch nicht so.

Verzögertes Patch-Management und Legacy-OS

Die analysierten Telemetriedaten zeigen zudem eine deutliche Veränderung im Patch-Management von Unternehmen. Im Durchschnitt hinkt die Installation kritischer Betriebssystem-Patches bei Geräten mit Windows 10 und 11 127 Tage hinterher, was sie anfällig für Ausfälle durch Zero-Day-Bedrohungen, Ransomware, Kompromittierungen und Konfigurationsfehler macht. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem Patches insgesamt 56 Tage im Rückstand waren, ist dies ein deutlicher Anstieg und damit eine gefährliche Nachlässigkeit.

Besonders alarmierend ist zudem die hartnäckige Weiternutzung von Endgeräten mit Windows 10, da Microsoft den Support im Oktober 2025 eingestellt hat. Die Untersuchung zeigt, dass selbst nach Ende der routinemäßigen Patches etwa 10 Prozent der Endgeräte weiterhin unter Windows 10 laufen, wodurch ein erheblicher Teil der Unternehmensinfrastruktur dauerhaft außerhalb des Sicherheitsupdate-Zyklus bleibt und neuen Sicherheitslücken ausgesetzt ist.

Sicherheitsbedenklicher Browserzugriff auf KI-Tools

Die Telemetriedaten aus der Erhebung von 2025 zeigten, dass der Einsatz generativer KI-Tools in Unternehmen stark zugenommen hat und verdeutlicht, wie schnell sich KI bereits in alltägliche Arbeitsabläufe integrieren konnte. Die Analyse ausgewählter Unternehmens-PCs zeigt, dass die Besuche auf großen generativen KI-Plattformen sich im Jahresvergleich um das Zweieinhalbfache auf über 350 Millionen Besuche erhöht haben. Dieses Wachstum belegt einen raschen Wandel in der Art und Weise, wie Mitarbeiter mit KI interagieren. Weg vom Experimentieren hin zum routinemäßigen Einsatz bei Entwürfen, Recherchen, Programmierung und operativen Aufgaben.

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ChatGPT dominiert KI-Traffic vor Google

Die Telemetriedaten legen zudem offen, dass ChatGPT den KI-Traffic in Unternehmen nach wie vor mit großem Abstand dominiert. Allerdings mit einem nun deutlich verringerten Abstand zu den restlichen Anbietern. Ein Grund dafür könnte sein, dass Google von einer nicht nachweisbaren Nutzung auf den 2025 untersuchten Geräten auf etwas mehr als 16 Prozent der Besuche in diesem Jahr zulegte. Weitere Tools wie Claude, die Entwicklerdienste von OpenAI und DeepSeek verzeichneten 2026 ebenfalls messbare Aktivitäten im Unternehmensbereich, was darauf hindeutet, dass sich der Einsatz von KI über mehrere Plattformen und Anwendungsfälle hinweg ausweitet.

Zudem griffen nahezu alle Geräte (über 99 Prozent) browserbasiert auf die KI-Plattformen zu. Eine bedenkliche Entwicklung: Erfolgt der Zugriff auf generative KI-Tools über Webschnittstellen, können sensible Eingabeaufforderungen oder kritische Unternehmensdaten über Endgeräte übertragen werden, die möglicherweise den Richtlinien zur KI-Nutzung nicht unterliegen. Für CISOs wird die Sicherheitslage dadurch zunehmend intransparent. Denn wenn Mitarbeiter auf externe generative KI-Tools zugreifen, die außerhalb etablierter Sicherheitskontrollen betrieben werden, können gegebenenfalls sensible Prompts, Unternehmensdaten und geistiges Eigentum übertragen werden. Berücksichtigt man, dass Endpoint-Sicherheitstools in nahezu 21 Prozent der untersuchten Fälle nur unzureichend schützen, finden GenAI-Besuche möglicherweise ohne entsprechende Sicherheitskontrollen statt.

Das Endgerät wird zur KI-Plattform

Da Nutzer generative KI zunehmend in ihre alltäglichen Arbeitsabläufe integrieren, bleibt das Endgerät nicht nur der Zugriffspunkt für KI-Aktivitäten. Vielmehr entwickelt sich der Unternehmens-PC zur Plattform, auf der Künstliche Intelligenz selbst ausgeführt wird – allerdings bei unzureichender Sicherheitssoftware. Im Laufe des letzten Jahres hat die Unternehmenshardware fast unmerklich eine sicherheitsrelevante Grenze überschritten. KI-Workloads unterstützende Geräte drohen nun zum Standard innerhalb der unternehmerischen PC-Flotten zu werden. Die Zahl der KI-fähigen Geräte in den Unternehmen wächst: Mittlerweile sind zusammengenommen 96 Prozent mit ausreichend Arbeitsspeicher (75 Prozent mit 16 GB RAM/21 Prozent mit 32 GB RAM) für KI-Anwendungen ausgestattet. Im Vergleich: 2025 waren es zusammen lediglich 68 Prozent. In der Praxis bedeutet dies, dass die Mehrheit der Unternehmens-PCs nun technisch in der Lage ist, KI-gestützte Workloads lokal auszuführen, sei es über integrierte Copiloten, Entwicklertools, Analyse-Engines oder agentenbasierte Automatisierung.

Dieser Wandel hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf Sicherheit und Ausfallsicherheit. Da KI-Workloads immer näher an den Endpunkt rücken, wird die Aufrechterhaltung der Betriebsintegrität des Geräts noch wichtiger. Systeme, die nicht mehr den Compliance-Anforderungen entsprechen, der Verwaltungskontrolle entgleiten oder den geschützten Zustand verlassen, sind nicht mehr nur Sicherheitsprobleme; sie werden zu potenziellen Schwachstellen für die automatisierten Workflows, die den Unternehmensbetrieb zunehmend unterstützen. Im Zeitalter der KI schafft eine anfällige Infrastruktur nicht nur Risiken. Sie verstärkt diese sogar, und da künstliche Intelligenz immer tiefer in Unternehmensabläufe eingebettet wird, erweitert sich ihre Rolle von Hilfswerkzeugen hin zu Systemen, die zunehmend im Namen des Benutzers handeln können.

Risikoverlagerung in den verschiedenen Branchen

In einigen Industriezweigen verbessern sich die Schutzmaßnahmen durchaus, indem punktuell die Verschlüsselungsabdeckung verstärkt oder die Sichtbarkeit auf nicht verwaltete Geräte verbessert wird. Die Verteilung sensibler Daten auf Endgeräte und damit die Risikoverlagerung bleibt allerdings ein Trend mit weitreichenderen Folgen. Branchenübergreifend speichern 20 Prozent der vernetzten Geräte sensible Daten, wobei 30 Prozent nicht verschlüsselt sind und 25 Prozent nicht erfasst wurden. Der Vorjahresbericht meldete noch, dass 18 Prozent der vernetzten Geräte sensible Daten speicherten, wobei 35 Prozent nicht verschlüsselt waren und 26 Prozent nicht erfasst wurden.

Für den Finanzdienstleistungssektor beispielsweise zeigten die Telemetriedaten Verbesserungen bei der Verschlüsselung sowie einen Rückgang nicht erfasster Geräte. Dem steht jedoch ein starker Anstieg von 23 Prozent im Vorjahr auf 40 Prozent 2026 hinsichtlich der Gefährdung sensibler Daten entgegen. Zwar verbesserte sich die Transparenz, allerdings stieg die Konzentration wertvoller Daten pro Endgerät und damit möglicher Störungen spürbar an.

Im Gesundheitswesen ging die verbesserte Transparenz ebenfalls mit einer höheren Gefährdung einher. Die Zahl der „Dark Devices“ ging leicht zurück, doch die Verschlüsselungslücken vergrößerten sich. Zudem nahm die Menge an regulierten Daten pro Gerät weiter zu. Eine besorgniserregende Entwicklung speziell im Gesundheitswesen.

Einige Industrien weisen eine strengere Betriebsdisziplin auf. Im Einzelhandel etwa sind messbare Rückgänge bei Verschlüsselungslücken, nicht erfassten Geräten und der Offenlegung sensibler Daten zu verzeichnen. Dies deutet darauf hin, dass eine konsequente Umsetzung von Kontrollmaßnahmen die Risiken wirksam verringern kann. In der Fertigungsindustrie bleibt die Datendichte stabil, während die Abdeckung durch Kontrollmaßnahmen schrittweise verbessert wird, auch wenn das Risiko durch nicht erfasste Geräte in dezentralen Betriebsumgebungen weiterhin besteht.

Insgesamt zeigen diese Muster einen branchenübergreifenden Trend: Die Verbesserungen bei den Sicherheitskontrollen verlaufen uneinheitlich, während die Datendichte pro Endgerät weiter zunimmt. Das Risiko verschwindet nicht, es verlagert sich lediglich. Trifft eine anfällige Infrastruktur auf hochwertige Daten, wird eine Störung wahrscheinlicher.

Kleine Schwachstellen verstärken sich gegenseitig

Die Ergebnisse dieser Resilienz-Analyse zeigen, dass Sicherheitslücken nicht mehr auf einige wenige falsch konfigurierte Geräte oder verspätete Patches beschränkt sind. Sie häufen sich auf der Endgeräte-Ebene, während künstliche Intelligenz gleichzeitig die Automatisierung, Software-Abhängigkeiten und die Betriebsgeschwindigkeit erhöht. In diesem Kontext bleiben kleinere Schwachstellen selten auf sich beschränkt. Sie verstärken sich gegenseitig, verbreiten sich über miteinander verbundene Systeme und machen eine Behebung zunehmend schwieriger.

Für Führungsteams stellt sich nicht mehr die Frage, ob es zu Störungen kommen kann. Vielmehr geht es darum, wie stark die Auswirkungen auf den Betrieb und die Finanzen des Unternehmens sein werden, wenn es zu Störungen kommt und ob diese Auswirkungen durch eine höhere Ausfallsicherheit der Endgeräte gemindert und Downtime vermieden werden können.

Über den Autor: Von Thomas Lo Coco, Regional Sales Director Central Europe bei Absolute Security.

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