Angreifer folgen dem Geld, APIs sind ihr neues Ziel APIs werden zur zentralen Angriffs­fläche für Unternehmen

Ein Gastbeitrag von Richard Meeus 4 min Lesedauer

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Die Bedrohungslage für IT-Lösungen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Während Unternehmen massiv in künstliche Intelligenz und digitale Trans­for­ma­ti­on investieren, verändern sich auch die Angriffsvektoren. APIs, die lange Zeit als potenzielle Schwachstelle unterschätzt wurden, sind mitt­ler­wei­le zu einer primären Angriffsfläche geworden.

Web-Anwendungssicherheit und API-Sicherheit werden in vielen Unternehmen noch immer getrennt betrachtet. Genau diese Lücke nutzen Angreifer gezielt aus.(Bild: ©  Tomasz Zajda - stock.adobe.com)
Web-Anwendungssicherheit und API-Sicherheit werden in vielen Unternehmen noch immer getrennt betrachtet. Genau diese Lücke nutzen Angreifer gezielt aus.
(Bild: © Tomasz Zajda - stock.adobe.com)

Die wachsende Bedrohung durch API-Angriffe gefährdet ganze Transformationsinitiativen. Das zeigt der aktuelle SOTI-Bericht (State of the Internet) „Anwendungen, APIs und DDoS 2026“ von Akamai. Dem Bericht zufolge waren 87 Prozent der befragten Unternehmen im Jahr 2025 von mindestens einem API-bezogenen Sicherheitsvorfall betroffen. Die durchschnittliche Zahl täglicher API-Angriffe stieg im Jahresvergleich um 113 Prozent. Diese Zahlen deuten nicht nur auf Wachstum hin, sondern auf eine umfassende Industrialisierung dieser Angriffsform.

Die Industrialisierung von Cyberangriffen

Das prägende Merkmal moderner Cyberangriffe ist Automatisierung. Akamai-Forscher beobachten, dass sich Angriffe zunehmend zu koordinierten Kampagnen entwickeln, bei denen API-Missbrauch, Angriffe auf Webanwendungen und Layer-7-DDoS-Aktivitäten zu skalierbaren und kosteneffizienten Operationen kombiniert werden. Das Ziel ist klar: Verfügbarkeit zu stören und finanziellen Schaden zu verursachen.

Der Bericht verdeutlicht das Ausmaß dieses Trends: Layer-7-DDoS-Angriffe haben in den vergangenen zwei Jahren um 104 Prozent zugenommen, während Angriffe auf Web­an­wen­dung­en zwischen 2023 und 2025 um 73 Prozent gestiegen sind. Dieser Anstieg ist kein Zufall – er ist das Ergebnis zunehmend industrialisierter Angriffsmethoden.

Angetrieben wird dieser Trend durch die leichte Verfügbarkeit von Botnetzen über DDoS-for-Hire-Dienste sowie durch KI-gestützte Angriffsskripte, die das gezielte Angreifen von APIs und Webanwendungen vereinfachen. Werden diese Botnetze nicht erkannt, kommen sie nicht nur durch Cyberkriminelle zum Einsatz, sondern auch durch Hacktivisten, deren Aktivitäten vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen zunehmen.

Super-Botnetze sind weiterentwickelte Versionen der ursprünglichen Mirai-Architektur, die DDoS-as-a-Service-Ökosysteme befeuerten. Akamai unterstützte bei der Abschaltung von Aisuru und Kimwolf, zwei berüchtigten Botnetzen dieser Art.

Automatisierung und KI machen diese hochentwickelten Kampagnen kostengünstig, schnell und leicht replizierbar. Das traditionelle Modell hochkomplexer, eng koordinierter Angriffe, die große mediale Aufmerksamkeit erzeugen, wird zunehmend durch einen anderen Ansatz ersetzt: eine Vielzahl kleinerer, automatisierter Angriffe, die systematisch die Verfügbarkeit untergraben und Infrastrukturkosten in die Höhe treiben.

Das Abhängigkeitsproblem: APIs und KI-Transformation

Besonders besorgniserregend ist, dass Unternehmen an einem geschäftskritischen Punkt getroffen werden: APIs sind zur Grundlage der KI-Transformation geworden und damit essenziell für Innovation. Gleichzeitig bieten sie Angreifern den schnellsten Weg zu Skalierung, Störung und Profit. Wo Investitionen gebündelt werden, folgen Risiken. APIs zu schützen, bedeutet daher auch, die Innovations- und Transformationsfähigkeit eines Unternehmens zu sichern – und letztlich seine Zukunftsfähigkeit.

In der Praxis wird das Problem dadurch verschärft, dass viele Unternehmen Web-Application-Sicherheit und API-Sicherheit weiterhin als zwei getrennte Herausforderungen behandeln. Diese fragmentierte Sichtweise schafft Transparenzlücken, die Angreifer ausnutzen können. Eine weitere wachsende Herausforderung ist „Vibe Coding“, der Einsatz von KI-Tools, um Code schnell und häufig ohne ausreichende Tests zu schreiben. Dies kann erhebliche Produktivitätsgewinne ermöglichen, birgt aber zugleich zusätzliche Risiken, etwa neue Schwachstellen und Fehlkonfigurationen, die oft ungesichert in Produktionsumgebungen gelangen.

Lieferketten als existenzielles Risiko

Die Auswirkungen von API-Angriffen reichen weit über einzelne Systeme hinaus. Sie können ganze Lieferketten gefährden. Laut dem Global Cybersecurity Outlook 2025 des Welt­wirt­schafts­fo­rums nannten 54 Prozent der befragten großen Unternehmen Herausforderungen in der Lieferkette als größtes Hindernis für Cyberresilienz.

Regulierungsbehörden sind sich dessen bewusst und reagieren entsprechend. Die EU-Richt­linie zur Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS2) sowie der Digital Operational Resilience Act (DORA) für den Finanzsektor spiegeln diese Priorität wider, indem sie den Fokus auf operative Resilienz legen und damit über reine Prävention hinausgehen. Für Unternehmen in der gesamten EMEA-Region bedeutet das: Resilienz ist keine Option, sondern eine Compliance-Anforderung.

Von reaktiver zu proaktiver Resilienz

Drei zentrale Säulen können Unternehmen dabei helfen, wirksam auf diese Bedrohungen zu reagieren und ihre Abwehr zu stärken:

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  • 1. Transparenz: Unternehmen benötigen vollständige Transparenz über ihre Umgebungen. Das klingt einfach, ist aber oft schwierig, wenn APIs dezentral eingeführt werden.
  • 2. Integrierte Sicherheitskontrollen: Lösungen wie DDoS-Abwehr, Web Application Firewalls (WAFs) und API-Sicherheit dürfen nicht isoliert betrieben werden; sie müssen in einen einheitlichen Sicherheitsansatz integriert sein.
  • 3. Menschen und Prozesse: Cybersicherheit ist Teamarbeit. Entwickler, IT, Compliance, Datenschutz und Rechtsabteilungen müssen sich auf dieselben Best Practices und regulatorischen Anforderungen ausrichten und ihr Wissen kontinuierlich aktuell halten.

Kontrollen nicht nur aufrechterhalten – sondern neu bewerten und erneuern

Viele Sicherheitsteams verwalten ihre Kontrollen noch immer auf Basis gestriger Annahmen. In einer sich schnell entwickelnden Bedrohungslandschaft ist das nicht mehr ausreichend. Unternehmen sollten ihre Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig anhand aktueller Bedrohungs­in­for­ma­ti­o­nen validieren und prüfen, ob diese Maßnahmen die heutige Realität noch abbilden. Die OWASP Top 10 API Security oder Erkenntnisse von MITRE bieten einen guten Ausgangspunkt, um Relevanz und Wirksamkeit bestehender Schutzmaßnahmen zu überprüfen.

Wenn Unternehmen konsequent fokussiert bleiben, können sie sich von veralteten Playbooks hin zu proaktiven, datenbasierten Sicherheitsstrategien entwickeln. Auf diese Weise wird Resilienz zu einer stabilisierenden Kraft für das Kerngeschäft, schafft eine sichere Grundlage für Innovation und bewahrt das Vertrauen aller Stakeholder.

Über den Autor: Richard Meeus ist Senior Director of Security Technology and Strategy für EMEA bei Akamai. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Cloud Computing, Unternehmenssoftware und Netzwerksicherheit. Bei Akamai, Mirapoint und Prolexic war er in verschiedenen strategischen Funktionen tätig, unter anderem im Zu­sam­men­hang mit der Implementierung von DDoS-Schutzlösungen für multinationale Unternehmen sowie dem Schutz kritischer Infrastrukturen und sensibler Daten. Darüber hinaus ist Richard Chartered Member des BCS sowie CISSP-zertifiziert.

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