Cyberangriffe auf Unternehmen sind längst kein Werk von Einzeltätern mehr, sondern Teil eines milliardenschweren kriminellen Geschäftsmodells. Besonders im deutschen Mittelstand wird das Ausmaß dieser Bedrohung immer stärker spürbar.
Viele Mittelständler sind nicht ausreichend auf Cyberangriffe vorbereitet und sehen sich plötzlich mit Forderungen konfrontiert, denen sie aus Angst vor noch größeren Schäden nachgeben.
(Bild: Arthur Kattowitz - stock.adobe.com)
Das digitale Deutschland ist auf allen Ebenen angreifbar: Laut einer aktuellen Bitkom-Studie waren 2023 mehr als 84 Prozent der deutschen Unternehmen von Cyberangriffen, Datendiebstahl oder digitaler Wirtschaftsspionage betroffen. Der jährliche Schaden für die deutsche Wirtschaft wird auf über 200 Milliarden Euro geschätzt.
Die Bedrohung nimmt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu: Die Tätergruppen arbeiten immer professioneller in organisierten Banden mit klarer Arbeitsteilung – von der Entwicklung der Schadsoftware über das Eindringen in Systeme bis zur Kommunikation mit Opfern sind alle Aufgaben akribisch verteilt.
Entgegen der Annahme, dass nur die größten Player Opfer von Hackingattacken werden, geraten immer häufiger auch kleine und mittelständische Unternehmen ins Visier der Angreifer. Dafür gibt es neben der zunehmenden Professionalisierung unternehmensseitig zwei Gründe: KMUs sind häufig einerseits unerfahren im Umgang mit Sicherheitsvorfällen und verfügen andererseits oftmals nicht über hinreichende Schutzressourcen. In der Folge lassen sich fast alle Unternehmen auf Lösegeldzahlungen an die Verbrecher ein. Im Gegenzug erhielten sie häufig keine oder nur fehlerhafte Schlüssel, um die Daten aus der Geiselhaft zu befreien.
Die stille Bedrohung: Ransomware als Geschäftsmodell
Im Zentrum des kriminellen Geschäftsmodells steht Ransomware - Schadsoftware, die Computersysteme verschlüsselt in der Folge unbrauchbar macht. Die Angreifer fordern nach dem Angriff Lösegeld, meist in Kryptowährungen, um die Systeme wieder freizugeben. Dabei versuchen sie, möglichst unbemerkt vorzugehen und das Unternehmen unter Druck zu setzen, ohne dass Öffentlichkeit oder Behörden davon erfahren.
Immer wieder zeigt sich: Mit zunehmender Professionalisierung der Hacker steigt der immense Druck auf Unternehmen, die nicht nur den finanziellen Verlust fürchten, sondern auch den Reputationsschaden infolge eines öffentlich bekannten Angriffs.
Hacker als Dienstleister
Ein weiteres Element des kriminellen Geschäftsmodells ist „Ransomware-as-a-Service“. Erfahrene Hacker bieten ihre Dienste gegen Gewinnbeteiligung an und stellen Infrastruktur zur Verfügung. Weniger erfahrene Kriminelle führen dann die eigentlichen Angriffe durch. Dieses Modell senkt die Einstiegshürden und lässt die Anzahl der Angriffe weiter steigen.
Viele Mittelständler sind einfach nicht ausreichend vorbereitet und sehen sich plötzlich mit Forderungen konfrontiert, denen sie aus Angst vor noch größeren Schäden nachgeben.
Erfolgreiche Hacker vertrauen bei ihrer psychologischen Kriegsführung auf genau dieses Verhalten. Sie nutzen gezielt Angst und Unsicherheit ihrer unerfahrenen Opfer aus. Unternehmen stehen oft vor der Wahl: Entweder sie zahlen Lösegeld und hoffen auf die Einhaltung der Versprechen von Kriminellen, oder sie riskieren Datenverlust, Produktionsausfälle und Imageschäden.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind auf solche Entscheidungen häufig schlecht vorbereitet und fühlen sich gezwungen, nachzugeben. Die Täter selbst haben ihrerseits ein Interesse daran, dass die Angriffe nicht öffentlich werden, um Strafverfolgung zu vermeiden. Sie kommunizieren daher oft diskret und bieten scheinbare „Lösungen“ – gerade noch im Bereich des Verschmerzbaren – an.
Zerstörtes Vertrauen vs. transparente Kommunikation
Neben dem finanziellen Schaden fürchten Unternehmen vor allem schwerwiegende Vertrauensschäden. Studien zeigen, dass Unternehmen nach einem Cyberangriff oft Jahre brauchen, um verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen.
Macht es also Sinn, einen Hackerangriff vor der Öffentlichkeit geheim zu halten? Eher nicht, denn spätestens, wenn ein Unternehmen als “zahlungswillig bekannt ist, kommen die Angreifer zurück. Und weil es, abgesehen davon, der eigenen Reputation noch mehr schadet, wenn Details über erfolgreiche Angriffe über Dritte oder Medien aufgedeckt werden, kann sich transparente Kommunikation im Angriffsfall sogar auszahlen: Durch die Offenlegung von Attacken tragen Unternehmen zur Verbesserung der allgemeinen Cybersicherheit bei. Sie ermöglichen anderen Organisationen, aus ihren Erfahrungen zu lernen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Das fördert einen kollektiven Schutz gegen ähnliche Bedrohungen in der Zukunft.
Die Meldung von Cyberangriffen unterstützt nicht zuletzt die Strafverfolgungsbehörden bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität. Mit der Bereitstellung von Informationen über Angriffsmethoden und Täter tragen Unternehmen zur Aufklärung bei und helfen, künftige Angriffe zu verhindern.
Stand: 08.12.2025
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Was Unternehmen zum Schutz vor Angriffen tun können
Prävention ist der Schlüssel zur Abwehr von Angriffen. Unternehmen sollten proaktiv in ihre IT-Sicherheit investieren, um nicht Opfer von Cyberkriminellen zu werden.
Die Bedrohung aus dem Netz wird weiter zunehmen. Nur wer sich rechtzeitig und umfassend schützt, kann die Risiken minimieren und sein Unternehmen effektiv absichern:
1. Frühzeitige Sicherheitschecks: Als ersten Schritt empfiehlt es sich, IT-Experten mit einem umfassenden Sicherheitscheck zu beauftragen. Dazu gehören Health Checks und Vulnerability Scans, um Schwachstellen zu identifizieren.
2. Mitarbeiter schulen: Regelmäßige Sicherheitsschulungen sensibilisieren Mitarbeiter für Gefahren und stärken die „menschliche Firewall“.
3. Backups erstellen: Regelmäßige, verschlüsselte Backups, die offline aufbewahrt werden, sind im Ernstfall Gold wert.