Ethische Hacker als strategische Partner für die Cybersicherheit So profitieren Unternehmen von White-Hat-Hackern

Ein Gastbeitrag von Felix Laumann 6 min Lesedauer

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Phishing, Ransomware und KI-Angriffe bedrohen Unternehmen in nie dagewesenem Tempo. White-Hat-Hacker decken Schwachstellen auf, testen Systeme realitätsnah und bringen eine externe Perspektive ein. So stärken sie nicht nur Technik und Prozesse, sondern auch die Sicherheitskultur – vom IT-Team bis zur Geschäftsführung.

White-Hat-Hacker prüfen Systeme gezielt auf Schwachstellen und werden so zu strategischen Partnern einer wirksamen Cybersicherheitsstrategie.(Bild: ©  MrPanya - stock.adobe.com)
White-Hat-Hacker prüfen Systeme gezielt auf Schwachstellen und werden so zu strategischen Partnern einer wirksamen Cybersicherheitsstrategie.
(Bild: © MrPanya - stock.adobe.com)

Ethische Hacker arbeiten im Auftrag und mit Zustimmung von Unternehmen daran, deren Systeme sicherer zu machen. Im Zeitalter von KI und multimodalen Angriffsmethoden spielen diese Spezialisten eine entscheidende Rolle in der Cybersicherheitsstrategie von Unternehmen. Ein klarer Rechtsrahmen sichert dabei beide Seiten ab. Was Unternehmen wissen sollten.

Cyberkriminalität ist ein milliardenschwerer, globaler Schattenmarkt. Ob Phishing, Ransomware oder CEO-Fraud: Bedrohungen nehmen nicht nur zu, sie verändern sich auch qualitativ. Neue Angriffsmethoden nutzen etwa maschinelles Lernen und Deepfakes. Dadurch gewinnen sie an Glaubwürdigkeit, die Ausnutzung menschlicher Eigenschaften wie Vertrauen und Hilfsbereitschaft tut ein Übriges. Der Schaden ist enorm, allein im zweiten Halbjahr 2024 wurden über fünf Milliarden Cyber-Bedrohungen registriert. Technische Hilfsmittel reichen zur Angriffsabwehr längst nicht mehr aus. Unternehmen benötigen heute eine umfassende Cybersicherheitsstrategie.

Strategischer Angriff als Verteidigung

Als Teil dieser Strategie kommen White-Hat-Hacker zum Einsatz: Sicherheitsexperten, die mit Zustimmung und im Auftrag von Unternehmen Systeme gezielt angreifen, um sie widerstandsfähiger zu machen.

White-Hat-Hacker sind keine Kriminellen, sondern Vertragspartner mit technischem und strategischem Know-how. Ihr Ziel ist es, Schwachstellen zu identifizieren, bevor es andere tun. Sie handeln auf Grundlage klar definierter Vereinbarungen, die den Umfang, die Methoden und die Ziele ihrer Arbeit regeln. Damit unterscheiden sie sich deutlich von Grey Hats, die ohne Mandat agieren und Schwachstellen offenlegen, oder Black Hats, die Schaden anrichten.

Rechtssicherheit für beide Seiten

Die rechtliche Absicherung erfolgt über Scope-of-Work-Dokumente, in denen festgelegt wird, welche Systeme geprüft werden dürfen, wie die Tests ablaufen und wie die Ergebnisse verarbeitet werden. Diese Verträge schützen beide Seiten: das Unternehmen vor ungewollten Eingriffen, die Hacker vor rechtlichen Risiken. Gleichzeitig lassen sich so auch regulatorische Vorgaben wie die DSGVO, NIS-2 oder branchenspezifische Richtlinien einhalten.

Während Grey Hats Sicherheitslücken oft ebenfalls melden, aber dabei unautorisiert handeln, riskieren sie rechtliche Konsequenzen – auch wenn ihre Absicht nicht schädlich war. White Hats hingegen bewegen sich innerhalb eines rechtlich sauberen Rahmens. Das schafft Vertrauen und erlaubt eine planbare, produktive Zusammenarbeit.

Penetrationstests mit Struktur

Die eigentliche Arbeit ethischer Hacker beginnt mit einer umfassenden Analyse potenzieller Angriffsflächen. Dabei geht es nicht nur um technische Schwächen, sondern auch um Konfigurationen, Rechtevergabe und Netzwerkstrukturen. Anschließend erfolgen kontrollierte Angriffe, die reale Szenarien simulieren – von der einfachen Schwachstelle bis zum kombinierten Angriff über mehrere Ebenen hinweg.

Diese Tests liefern wertvolle Erkenntnisse über die tatsächliche Belastbarkeit von Systemen und Sicherheitsprozessen. Unternehmen, die regelmäßig Penetrationstests durchführen lassen, profitieren nicht nur von technischer Absicherung, sondern gewinnen auch strategische Erkenntnisse für ihre Sicherheitsarchitektur.

Ethische Hacker helfen, sensible Daten zu schützen

Ein wichtiger Bestandteil der Cybersicherheit ist der Schutz sensibler Daten, auch wenn diese in Datenbanken abgelegt sind. Eine moderne Methode, um Daten auch im verschlüsselten Zustand abzufragen, ist die Queryable Encryption. Diese Technologie ermöglicht es, verschlüsselte Daten zu durchsuchen, ohne sie vorher entschlüsseln zu müssen. Dadurch bleibt der Zugriff auf vertrauliche Informationen sicher, selbst wenn Dritte auf die Datenbank zugreifen können.

White-Hat-Hacker können in ihren Tests überprüfen, wie diese Verschlüsselungsmethoden effektiv in die bestehende Infrastruktur integriert werden können, ohne die Leistung zu beeinträchtigen. Auf diese Weise wird nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch die Einhaltung von Datenschutzvorgaben gewährleistet.

Externe Perspektive als Mehrwert

Viele Unternehmen kombinieren interne Sicherheitsabteilungen mit externen ethischen Hackern. Interne Teams kennen die Systeme im Detail, während externe Partner mit dem Blick von außen agieren. Das verhindert Betriebsblindheit und bringt neue Methoden und Denkweisen ein. Zudem bieten Plattformen wie Bugcrowd oder HackerOne auch die Möglichkeit, ethische Hacker weltweit einzubinden.

Einige Unternehmen betreiben zudem so genannte Responsible-Disclosure-Programme, über die Sicherheitsforscher Hinweise auf Schwachstellen melden können. Auch hier gelten klare Regeln, um Rechtssicherheit und technische Verlässlichkeit miteinander zu verbinden.

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Der Faktor Mensch: Nutzerbezogene Risiken

Technik allein schützt nicht. Viele Angriffe nutzen menschliche Eigenschaften wie Neugier, Hilfsbereitschaft oder Zeitdruck aus. Das gilt besonders für so genannte Social Engineering-Attacken. Ethische Hacker prüfen daher nicht nur Firewalls und Software, sondern auch Abläufe, Prozesse sowie Reaktionen auf gezielte Manipulationsversuche.

Simulierte Phishing-Mails, gefälschte Anfragen oder sogar Deepfake-Videos im internen Testumfeld helfen, den Reifegrad des Sicherheitsbewusstseins zu messen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können IT-Sicherheitsteams Schulungen, Zugriffsregelungen und Prozesse gezielt verbessern.

KI verändert die Spielregeln

Angriffe mit Hilfe von KI nehmen rasant zu. Automatisierte Phishing-Kampagnen, sich selbst modifizierende Schadsoftware und täuschend echte Deepfakes senken die Einstiegshürden für Angreifer und erhöhen zugleich die Wirksamkeit ihrer Methoden. Besonders gefährlich sind multimodale Attacken, bei denen verschiedene Kommunikationskanäle – etwa E-Mail, Telefon, soziale Medien – parallel genutzt werden, um Authentizität vorzutäuschen und technische wie menschliche Verteidigungsmechanismen zu unterlaufen.

Auch auf der Verteidigungsseite kommt KI inzwischen zum Einsatz. Virgin Media O2 etwa hat mit „Daisy“ eine KI-generierte Großmutter vorgestellt, die Telefonscammer automatisiert in Gespräche verwickelt, um Kunden zu schützen. Solche Maßnahmen zeigen, wie kreativ Abwehrmechanismen inzwischen sein müssen – sie bleiben jedoch reaktiv und punktuell. Wirklich wirksam wird der KI-Einsatz erst, wenn er systematisch und vorausschauend erfolgt. Genau hier kommen White-Hat-Hacker ins Spiel: Sie setzen KI gezielt ein, um Schwachstellen zu erkennen, Angriffspfade zu simulieren und Verteidigungslinien zu testen – lange bevor ein echter Vorfall eintritt. In einer Bedrohungslage, die zunehmend durch lernende Systeme geprägt ist, werden sie zu strategischen Partnern, die nicht nur technische Kompetenz mitbringen, sondern auch das Denken in Szenarien beherrschen.

Vom Einzelfall zum Sicherheitsprozess

White-Hat-Hacking ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Baustein im kontinuierlichen Sicherheitsprozess. Systeme entwickeln sich weiter, Bedrohungen verändern sich, neue Schwachstellen entstehen. Nur durch regelmäßige Tests lassen sich Sicherheitsstandards halten und verbessern. Wer White Hats systematisch einbindet, schafft eine Sicherheitskultur, die auf Transparenz, Kontrolle und Lernfähigkeit basiert.

In modernen Unternehmen arbeiten ethische Hacker eng mit Entwicklern, Systemadministratoren, Compliance-Verantwortlichen und dem Management zusammen. Ihre Erkenntnisse fließen in Produktentwicklung, Sicherheitsstrategie und Risikomanagement ein.

Automatisierung mit Augenmaß

Viele Arbeitsschritte in der Sicherheitsanalyse lassen sich automatisieren – vom Schwachstellenscan über Logfile-Auswertung bis zur Reaktion auf definierte Muster. Doch gerade kreative Angriffsszenarien, die untypische Kombinationen nutzen oder menschliche Faktoren einbeziehen, bleiben Aufgabe erfahrener Experten.

Ethische Hacker kombinieren automatisierte Tools mit Erfahrung, Intuition und analytischem Denken. So entsteht eine flexible, anpassungsfähige Sicherheitsprüfung, die weit über Checklisten hinausgeht. Die Automatisierung dient als Verstärker menschlicher Kompetenz, nicht als Ersatz.

Sicherheit als Führungsaufgabe

Spätestens die NIS-2-Richtlinie verankert Cybersecurity auf der Ebene der Geschäftsführung. Wer sicherheitsrelevante Pflichten vernachlässigt, riskiert nicht nur operative Ausfälle oder Reputationsschäden, sondern persönliche Haftung. Damit ist klar: Informationssicherheit ist nicht länger ein technisches Randthema, sondern eine strategische Führungsaufgabe. Es geht um klare Zuständigkeiten, um nachvollziehbare Prozesse – und um eine Unternehmenskultur, in der Sicherheitsbewusstsein nicht delegiert, sondern gelebt wird.

Ethische Hacker können hier eine Schlüsselfunktion einnehmen. Sie testen nicht nur Systeme auf Schwachstellen, sondern spiegeln dem Unternehmen, wie es um seine Sicherheitsarchitektur tatsächlich bestellt ist – jenseits von Hochglanzfolien und Sicherheitsversprechen. Ihr Blick von außen eröffnet eine kritische Perspektive auf interne Routinen, Entscheidungswege und blinde Flecken. Richtig eingesetzt, werden sie damit zu Sparringspartnern für eine Geschäftsleitung, die Cybersicherheit nicht als Pflichtübung begreift, sondern als integralen Bestandteil unternehmerischer Sorgfalt.

Fazit

White-Hat-Hacker sind mehr als technische Prüfer. Sie sind strategische Partner einer ganzheitlichen Cybersicherheitsstrategie. Durch gezielte Penetrationstests und die Berücksichtigung menschlicher Faktoren tragen sie entscheidend zur Identifikation und Beseitigung von Schwachstellen bei. In einer KI-getriebenen Bedrohungslandschaft können sie durch ihre Expertise und praxisorientierten Tests dazu beitragen, die Resilienz von Systemen zu erhöhen. Unternehmen, die diese Experten regelmäßig einbinden, sichern nicht nur ihre technischen Infrastrukturen, sondern etablieren eine Sicherheitskultur, die proaktive Verteidigungsmaßnahmen und kontinuierliche Verbesserungen fördert.

Über den Autor: Felix Laumann ist Director Data Science bei Mimecast.

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