Deepfake-Betrug wird 2026 zur Reputationsgefahr So wappnen sich Unternehmen gegen KI-ge­stütz­te Cyberbedrohungen

Ein Gastbeitrag von Saugat Sindhu 4 min Lesedauer

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Deepfakes imitieren Führungskräfte für betrügerische Transaktionen, polymorphe Malware lernt von jeder Abwehr, und KI-gestütztes Phishing wird täuschend echt. 2026 verschmelzen etablierte Angriffsmethoden mit neuen Techniken zu einem komplexeren Bedrohungspanorama. Wer jetzt nicht auf mehrstufige Abwehr, Zero-Trust und KI-gestützte Erkennung setzt, riskiert Reputationsschäden, Finanzbetrug und Compliance-Lücken.

Hyperpersonalisiertes Phishing mit KI und Social Engineering wird 2026 zur konstanten Bedrohung – 61 Prozent europäischer Unternehmen stufen es als Top-Risiko ein.(Bild: ©  janews094 - stock.adobe.com)
Hyperpersonalisiertes Phishing mit KI und Social Engineering wird 2026 zur konstanten Bedrohung – 61 Prozent europäischer Unternehmen stufen es als Top-Risiko ein.
(Bild: © janews094 - stock.adobe.com)

Mit Blick auf die größten Cyber-Bedrohungen für das Jahr 2026 zeichnet sich ein Trend ab, etablierte Angriffsmethoden mit neuen Techniken zu kombinieren. Wer gehofft hatte, einen Haken hinter die ein oder andere bekannte Cybergefahr machen zu können, trifft stattdessen auf ein immer komplexer werdendes Panorama. Der folgende Artikel gibt einen Überblick darüber, welche Cyberbedrohungen das neue Jahr besonders prägen werden.

Ransomware 2.0

In diesem Sinne wird aller Voraussicht nach KI-gestützte Ransomware die Angriffsvektoren im Jahr 2026 dominieren. Generative KI senkt die Hürden für Cyberkriminelle und ermöglicht es Angreifenden, die Erforschung ihrer Ziele (Reconnaissance) zu automatisieren und polymorphe Malware zu erstellen, welche ihre Form auch in der Zielumgebung kontinuierlich verändern und somit deutlich schwieriger durch etablierte Abwehrmechanismen entdeckt werden kann. Außerdem wird es leichter, überzeugende Phishing-Köder in großem Umfang zu generieren; und Reinforcement Learning ermöglicht es der Malware, von erfolgreichen sowie gescheiterten Interaktionen mit ihrer Umwelt zu „lernen“ und ihr Vorgehen somit dynamisch immer weiter anzupassen. Folglich wird Ransomware, einschließlich Ransomware-as-a-Service (RaaS), auch im kommenden Jahr wieder die bedeutendste Cyber-Bedrohung darstellen.

Zu den Branchen, die in diesem Zusammenhang besonders wachsam sein sollten, gehören unter anderem der Gesundheitssektor, kritische Infrastrukturen, produzierendes Gewerbe, Technologie-Anbieter sowie Bankwesen, Finanzdienstleistungen und Versicherungen. Diese sind für Angreifende vor allem aufgrund ihres dringenden Bedarfs nach Betriebskontinuität interessant; ergänzt um die Tatsache, dass hier wertvolle persönliche Daten auf dem Spiel stehen.

Attacken übers Postfach kein „Schnee von gestern“

E-Mail-Phishing ist eine konstante Bedrohung, die von 61 Prozent der befragten Unternehmen in Europa als Top-Risiko genannt wird (Wipro State of Cybersecurity Report 2025 (SOCR)). Hyperpersonalisiertes Phishing unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Social Engineering wird Bedrohungsakteure weiter darin bestärken, Daten zu sammeln, um täuschend echte Nachrichten zu erstellen. E-Mail-Phishing wird sich daher auch 2026 in die Liste der größten Cyber-Bedrohungen einreihen.

Reputation steht auf dem Spiel

Ein Neuzugang auf der Liste der größten Cyber-Bedrohungen ist Deepfake-gestützter Betrug. Neue Technologien erleichtern es, Führungskräfte und IT-Mitarbeiter zu imitieren, um betrügerische Transaktionen zu autorisieren oder Fehlinformationen zu verbreiten. Deepfakes können Störungen in Betriebsabläufen oder Finanzbetrug ermöglichen. Laut dem Wipro SOCR 2025 werden Reputationsschäden als schwerwiegendste Auswirkung dieser Angriffsmethode eingestuft.

Die Prävention von Deepfakes und weiterer ausgeklügelter Angriffsmethoden erfordert einen mehrstufigen Ansatz, der die drei Säulen Prozesse, Technologie und Nutzer vereint. Auf der Prozessebene gehört dazu unter anderem das Aufsetzen von Verifizierungs- und Validierungsverfahren unter Involvierung verschiedener Kanäle (wie E-Mails, Apps oder Stimme) für Transaktionen mit hohem Risikopotenzial. Für sensible Freigabeprozesse sollte eine Out-of-Band Authentifizierung in Erwägung gezogen werden. Das Zugangsmanagement sollte gleichzeitig auf einer Zero-Trust-Architektur beruhen, die kontinuierliche Abfragen durchführt anstatt nur beim initialen Log-in.

Des Weiteren existieren spezifische Technologien zum Aufspüren von Deepfake-Verdachtsfällen. Diese KI-basierten Lösungen erkennen Mikrobewegungen sowie Inkonsistenzen bei Audio und Metadaten. Außerdem erlauben sie eine ununterbrochene Beobachtung kritischer Stellen im Unternehmen.

Nicht zuletzt haben die Menschen, die die Technologien einsetzen, einen entscheidenden Einfluss auf die gelebte Sicherheitskultur des Unternehmens. Neben soliden Schulungen zu realitätsnahen Deepfake-Szenarien sowie entsprechenden Richtlinien und Notfallplänen über alle Betriebsebenen hinweg ist ein erprobter Umgang mit rechtlichen und Compliance-Leitplanken wichtiger denn je. Unternehmen sollten Compliance-Lücken zuvorkommen, indem sie Entwicklungen zu neuen Vorschriften kontinuierlich im Blick behalten und deren Relevanz für den eigenen Betrieb analysieren.

Vorschriften und Regulatorik

In diesem Bereich ist ein verstärkter Fokus auf die Governance und Regulierung von KI zu erwarten. Insbesondere der Umgang mit persönlichen Daten (unter anderem solche von Minderjährigen), KI-gestützte Alterskontrollen und KI-generierter Content werden Teil der öffentlichen Debatte sein.

Ein weiterer Bereich, in dem sich strengere Vorschriften abzeichnen, sind Identitäten nicht-menschlicher Natur. Diese sind in jüngster Vergangenheit ein Angriffsvektor für eine überproportional hohe Anzahl an Sicherheitspannen gewesen. Authentifizierungen und Autorisierungen werden daher vorausschlich in Zukunft eine verstärkte Rechenschaftspflicht mit sich ziehen.

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Angreifende mit eigenen Waffen schlagen

Der Schutz vor diesen Top-Cyberbedrohungen erfordert im Jahr 2026 einen mehrschichtigen Ansatz, der Zero-Trust-Frameworks und starke Authentifizierungsmethoden kombiniert. Um Angreifende mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, ist eine KI-gestützte Bedrohungserkennung essenziell. All dies sollte von ausgereiften Schulungen zur Mitarbeitenden-Sensibilisierung begleitet werden, die realistische Deepfake-Szenarien einbeziehen, sowie von robusten Mechanismen zur Notfallwiederherstellung und Datensicherung (Backup).

Über den Autor: Saugat Sindhu ist Global Head – Advisory Services, Cybersecurity & Risk Services bei Wipro Limited. Er führt ein internationales Team im Bereich Management- und Unternehmensberatung, mit Fokus auf Cybersicherheit und Risiko, sowie die damit zusammenhängende Technologie-Integration und Transformation.

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