Gefahr für Spionage und zielgerichtete Angriffe

Massive Schwachstellen in IoT-Protokollen

| Redakteur: Peter Schmitz

Hunderttausende ungesicherte Verbindungen zwischen Maschinen über die Protokolle MQTT und CoAP gefährden Unternehmen weltweit.
Hunderttausende ungesicherte Verbindungen zwischen Maschinen über die Protokolle MQTT und CoAP gefährden Unternehmen weltweit. (Bild: Pixabay / CC0)

Trend Micro warnt Unternehmen vor möglichen Sicherheitslücken in ihrer Betriebstechnologie (Operational Technology, OT). Forscher entdeckten massive Schwachstellen und gefährdete Anwendungen von zwei weit verbreiteten Protokollen für die M2M-Kommunikation. Betroffen sind die Protokolle Message Queuing Telemetry Transport (MQTT) und Constrained Application Protocol (CoAP).

Forscher des japanischen IT-Sicherheitsanbieters Trend Micro haben die Schwachstellen in dem Forschungsbericht „The Fragility of Industrial IoT’s Data Backbone“ näher beschrieben. Der Bericht entstand in Zusammenarbeit mit der Polytechnischen Universität Mailand. Darin weisen die Forscher auch auf die wachsende Bedrohung durch den Missbrauch der beiden Protokolle Message Queuing Telemetry Transport (MQTT) und Constrained Application Protocol (CoAP) für Zwecke der Industriespionage, Denial-of-Service-Attacken und zielgerichtete Angriffe hin.

Innerhalb eines Zeitraums von nur vier Monaten identifizierten die Trend-Micro-Forscher über 200 Millionen MQTT-Nachrichten und mehr als 19 Millionen CoAP-Nachrichten, die an auffindbaren Brokern und Servern mitgelesen wurden. Mithilfe einfacher Schlagwortsuchen könnten Angreifer diese geleakten Produktionsdaten identifizieren und wertvolle Informationen zu Anlagen, Mitarbeitern und Technologien gewinnen, die für zielgerichtete Angriffe genutzt werden können.

„Die Sicherheitsprobleme, die wir in zwei der meistverbreiteten Nachrichtenprotokolle für IoT-Geräte entdeckt haben, sollten Unternehmen veranlassen, einen ernsthaften und ganzheitlichen Blick auf die Sicherheit ihrer OT-Umgebungen zu werfen“, sagt Udo Schneider, Security Evangelist bei Trend Micro. „Diese Protokolle wurden ohne Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten entwickelt, finden sich jedoch zunehmend in sicherheitskritischen Umgebungen und Anwendungen. Das stellt ein bedeutendes Cyber-Risiko dar, da selbst Hacker mit geringen Ressourcen diese Entwicklungsfehler und Schwachstellen ausnutzen können. Diese ermöglichen es ihnen, Systeme auszukundschaften, sich lateral innerhalb des Netzwerks zu bewegen, verdeckt Daten zu stehlen und Denial-of-Service-Angriffe durchzuführen.“

Angriffsszenarien und Schwachstellen

Der Forschungsbericht zeigt, wie Angreifer IoT-Systeme aus der Ferne kontrollieren oder lahmlegen könnten, indem sie Schwachstellen ausnutzen, die bei der Entwicklung, Implementierung oder Bereitstellung von Geräten, die die betroffenen Protokolle nutzen, entstanden sind. Durch den Missbrauch spezifischer Funktionen in den Protokollen könnten Hacker zudem dauerhaften Zugang zu einem System erhalten und sich lateral innerhalb des Netzwerks fortbewegen.

Im Rahmen der Forschung wurden einige Sicherheitslücken entdeckt, die durch Trend Micros Zero Day Initiative (ZDI) offengelegt wurden: CVE-2017-7653, CVE-2018-11615 und CVE-2018-17614. Beispielsweise könnte ein Angreifer unter Ausnutzung der Schwachstelle CVE-2018-17614 durch einen „Out-of-Bounds-Write“ beliebigen Code auf einem Gerät ausführen, auf dem ein MQTT-Client läuft. Zwar wurden keine neuen Schwachstellen in CoAP entdeckt – die Forschungsergebnisse bekräftigen jedoch, dass CoAP anfällig für Verstärkungsangriffe (Denial-of-Service-Angriffe) ist, da es auf dem User Datagram Protocol basiert und dem Request/Response-Schema folgt.

Im folgenden Video demonstrieren die Forscher wie ein möglicher Angriff ablaufen kann:

Empfohlene Sicherheitsmaßnahmen

Um die gefundenen Risiken zu mindern, empfiehlt Trend Micro eine Reihe von Maßnahmen:

  • Nicht benötigte M2M-Dienste durch die Implementierung geeigneter Policies abschalten.
  • Mittels regelmäßiger, Internet-weiter Scans sicherstellen, dass keine vertraulichen Daten durch öffentliche IoT-Dienste geleakt werden.
  • Implementierung eines Workflows zum Schwachstellenmanagement oder anderer Maßnahmen zur Absicherung der Lieferkette.
  • Regelmäßige Aktualisierung der eigenen Systeme entsprechend aktueller Branchenstandards angesichts des stetigen technologischen Fortschritts.

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