Kein Comeback für 9-to-5 im Büro Remote Work ist keine Übergangslösung mehr

Ein Gastbeitrag von Sven Kniest

Als Unternehmen vor über einem Jahr pandemiebedingt ins Homeoffice umgezogen sind, wurden im Namen der Geschäftskontinuität Hals über Kopf neue Technologien eingeführt. Nach über einem Jahr sind viele dieser provisorischen Lösungen noch immer im Einsatz. Und das, obwohl Cyber-Bedrohungen zunehmen. Das muss sich ändern, denn die Frage ist nicht ob, sondern wann die nächste Attacke zu erwarten ist. Was also tun?

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Ein sicheres hybrides Arbeitsmodell erfordert flexible Technologien und einen strategischen Ansatz, wie das Unternehmen den Zugriff auf Informationen verwalten will, egal ob remote oder im Büro.
Ein sicheres hybrides Arbeitsmodell erfordert flexible Technologien und einen strategischen Ansatz, wie das Unternehmen den Zugriff auf Informationen verwalten will, egal ob remote oder im Büro.
(© Mariia Korneeva - stock.adobe.com)

Büroangestellte in Deutschland wünschen sich hybride Arbeitsmodelle, bei denen sie sowohl im Büro als auch von Zuhause aus arbeiten.
Büroangestellte in Deutschland wünschen sich hybride Arbeitsmodelle, bei denen sie sowohl im Büro als auch von Zuhause aus arbeiten.
(Bild: Okta)

Eines steht außer Frage: Obwohl Social-Distancing Maßnahmen gelockert wurden und die Notwendigkeit für das Homeoffice zu schwinden scheint, wird „Arbeit“ auch in Zukunft anders aussehen. Ein Comeback des klassischen Büroarbeitsplatz ist unwahrscheinlich: Eine aktuelle Studie von Okta lässt vermuten, dass Corona das Ende des traditionelle 9-to-5 Arbeitstages eingeläutet hat. Drei Viertel (75 Prozent) der Befragten in Deutschland wären mit Gesetzesänderungen im Arbeitsrecht einverstanden, die es Unternehmen untersagt in den Angestellten-Verträgen eine persönliche Anwesenheitspflicht zu formulieren. Darüber hinaus würden sich 59 Prozent für eine asynchrone Arbeitsumgebung entscheiden, in der sie selbst wählen können, wo und wann sie arbeiten.

Unternehmen müssen sich auf diese hybriden Arbeitsmodelle einstellen und die nötige Technologie bieten, damit Teams remote nicht nur produktiv, sondern auch sicher arbeiten können. 16 Prozent der Angestellten wissen jedoch überhaupt nicht, ob und welche Sicherheitsmaßnahmen ihr Arbeitgeber getroffen hat.

Cyber-Bedrohungen auf Remote-Arbeitsplätze nehmen zu

Die Bedrohungslandschaft passt sich an die neue Remote-Arbeitswelt an und Kriminelle entwickeln immer schneller neue Angriffsstrategien. Die Folge: Phishing, Ransomware, Social Engineering und IoT-basierte Angriffe häufen sich, werden raffinierter und schwerwiegender. Zudem werden VPNs und Mitarbeitende verstärkt zur Zielscheibe. Mit Blick auf Attacken und kursierende Schadsoftware spricht das BSI in seinem Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland von einer großen Bedrohung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Laut Bitkom waren 2020 und 2021 88 Prozent der Unternehmen in Deutschland von Datendiebstahl, Spionage und Sabotage betroffen. Das Bundeskriminalamt hat insbesondere einen signifikanten Anstieg krimineller Cyber-Aktivitäten in Form von Ransomware-Attacken festgestellt. Ransomware-as-a-Service macht es Kriminellen dabei noch leichter, Angriffe ohne großen Zeit- und Entwicklungsaufwand zu starten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Pandemie das Online-Verhalten verändert hat. Die Wahrscheinlichkeit, auf einen verdächtigen Link zu klicken, ist größer, wenn man sich nicht im Büro mit seinem Team abstimmen kann. Phishing-Angriffe über Textnachrichten und persönliche Konten in sozialen Medien sind entsprechend hoch im Kurs. Das kann z. B. die „fehlgeschlagene Zustellung“ einer Textnachricht sein. Wer auf den mitgesendeten Link klickt, wird von einer betrügerischen Website zur Kasse gebeten. Auch Betrügereien im Zusammenhang mit COVID-19, Steuern und anderen emotional besetzten Themen haben Hochkonjunktur – nicht zuletzt, weil sie nach wie vor erfolgreich sind. Auch gefälschte Rufnummern werden verwendet, um die Identität der Betrüger zu verschleiern. Angerufenen wird vorgegaukelt mit einem bekannten Unternehmen, z. B. ihrer Bank, zu sprechen, um sie dann zur Weitergabe von persönlichen Daten zu bewegen.

Um solche Szenarien zu verhindern, haben Unternehmen in kürzester Zeit Sicherheitstools zum Schutz ihrer Remote-Teams bereitgestellt. Auch wenn der erste Brand so gelöscht wurde, sind diese kurzfristigen Ansätze weder nachhaltig noch zukunftssicher.

Welche Technologie braucht es?

Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Büroangestellten in Deutschland geben an, Passwörter als einzige Sicherheitsmaßnahme zu nutzen, um sich vor Cyber-Bedrohungen zu schützen. Hinzu kommt, dass viele Angestellte ihre Passwörter mehrfach für unterschiedliche Online-Konten verwenden. Ein leichtes Spiel für Hacker: Mit einem einzigen Passwort können gleich mehrere Angriffe gefahren werden.

Um die digitalen Identitäten ihrer Mitarbeitenden optimal zu schützen, sollten Unternehmen auf Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) setzen. Diese kombiniert Passwörter mit weiteren Faktoren, wie physischen Token, kontextbezogenen Informationen oder biometrischen Merkmalen. Der Einsatz von MFA erschwert böswilligen Akteuren den Zugang zu Netzwerken erheblich und erleichtert die Erkennung unbefugter Zugriffsversuche. Für Anwendungen und Websites, die keine zusätzlichen Authentifizierungsfaktoren unterstützen, können zudem vertrauenswürdige Passwort-Manager eingesetzt werden. Diese generieren eindeutige, komplexe Passwörter, die einen besseren Schutz bieten.

Angesichts der steigenden Zahl an Anwendungen und Zugriffspunkten für Kriminelle, steigt auch die Gefahr einer Überforderung der IT-Teams. Als Reaktion kommen immer mehr Tools zur Sicherheitsautomatisierung und -orchestrierung zum Einsatz, die Prozesse wie die Erkennung potenzieller Bedrohungen und die Durchführung von Gegenmaßnahmen automatisieren. Auch Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei unterstützen, verdächtige Verhaltensmuster zu erkennen und eine zusätzliche Sicherheitsebene zu schaffen.

Das müssen Unternehmen tun, um sich langfristig zu schützen

Unternehmen in Deutschland haben noch Aufholbedarf in Sachen Sicherheit für hybride Arbeitsmodelle.
Unternehmen in Deutschland haben noch Aufholbedarf in Sachen Sicherheit für hybride Arbeitsmodelle.
(Bild: Okta)

Die Pandemie hat verdeutlicht, dass Unternehmen in puncto Sicherheit dringend umdenken müssen, wenn Angestellte auch weiterhin von zu Hause aus arbeiten möchten.

Weil der klassische Unternehmensperimeter erodiert und die Mitarbeitenden die neue Frontlinie in Sachen Sicherheit sind, gilt es, unternehmensweit ein Security-Mindset zu etablieren. Dazu gehört auch der Einsatz eines Zero-Trust-Frameworks, bei dem jeder Zugriff auf Unternehmenssysteme analysiert und kontrolliert wird. In Europa geben 76 Prozent der IT- und Sicherheitsverantwortlichen an, dass durch COVID-19 und Remote Work ihre Priorisierung von Zero Trust gestiegen ist. In Abkehr von der Vorstellung eines vertrauenswürdigen „Innen“ und einem nicht vertrauenswürdigen „Außen“ des Netzwerks, besteht das Kernprinzip von Zero-Trust-Architekturen darin, dass der gesamte Netzwerkverkehr als nicht vertrauenswürdig gilt und überprüft werden muss.

Last but not least geht es darum, Mitarbeitende ins Boot zu holen: Sie sollten zu Wachsamkeit gegenüber potenziellen Bedrohungen motiviert werden und verdächtige Aktivitäten wie Phishing-Versuche, Malware-Angriffe oder Hacks aktiv melden. Unternehmen müssen über bewährte IT-Praktiken aufklären, z. B. nicht auf Links oder Anhänge in unaufgeforderten E-Mails zu klicken oder Daten auf unsicherem Weg an ungeprüfte Kontakte weiterzugeben. Nur wenn Sicherheit für alle zur Priorität wird, sind Mitarbeitende effektiv geschützt.

Fazit

Ein erfolgreiches, sicheres hybrides Arbeitsmodell erfordert die Konsolidierung aller Aspekte der IT. Unternehmen brauchen flexible Technologien und einen strategischen Ansatz, wie sie den Zugriff auf Informationen verwalten – ganz egal, ob remote oder im Büro. Je länger Unternehmen an unsicheren, provisorischen Lösungen festhalten, desto größer das Risiko, Opfer der nächsten Attacke zu werden.

Über den Autor: Sven Kniest ist Regional Vice President Central & Eastern Europe bei Okta.

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