309.000 neue Malware-Varianten pro Tag, wachsende Mengen an Sicherheitslücken – auch in KI-Modellen – und raffinierter werdende Taktiken der Cyberkriminellen. Die deutsche Wirtschaft müsse laut BSI auf die vielfältigen Bedrohungen unter anderem mit nativer IT-Sicherheit reagieren.
Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen und Behörden werden vermehrt Opfer von Cyberattacken.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Durch Bedrohungen im Cyberraum entstehen immense Schäden in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Hervorgehoben wird die Brisanz von Cyberkriminalität im aktuellen Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland des BSI. In diesem zeigt das Bundesamt die wichtigsten Entwicklungen der Cybersicherheitslandschaft in Deutschland vom 1. Juli 2023 bis 30. Juni 2024 auf.
In diesem Zeitraum wurden dem Bericht zufolge täglich durchschnittlich 309.000 neue Schadprogramm-Varianten bekannt. Im Lagebericht 2023 waren es mit durchschnittlich 250.000 neuen Malware-Varianten pro Tag noch rund 26 Prozent weniger. Dieser Anstieg ist laut BSI vor allem auf eine deutliche Zunahme von Malware zurückzuführen, die Schwachstellen in 64-Bit-Varianten von Windows ausnutzen. Hier verzeichnete das BSI ein Plus von 256 Prozent. Auch Android-Varianten legten mit einem Plus von 48 Prozent stark zu.
Eine besonders beliebte Art der Malware unter Cyberkriminellen ist und bleibt Ransomware. Opfer können alle Arten von Organisationen sein: Kleinst-Unternehmen, Konzerne, Behörden, Schulen und Universitäten und KRITIS-Unternehmen. Weltweit war im Berichtszeitraum die Ransomware-Gruppe hinter der Ransomware-as-a-Service „LockBit“ am aktivsten. Strafverfolger berichteten in den vergangenen Jahren von global mehr als 2.500 Ransomware-Opfern dieser Hacker-Gruppe. Allein in Deutschland veröffentlichte sie im Berichtszeitraum 40 mutmaßliche Leak-Opfer auf ihrer Leak-Seite. Gerne wird Ransomware auch von APT-Gruppen (Advanced Persistent Threat) eingesetzt. Ein APT-Cyberangriff ist oft langfristig angelegt und mit großem Aufwand geplant. Zudem suchen sich die Akteure ihre Opfer gezielt aus und wollen sich vorrangig Informationen über ihr Ziel beschaffen und es gegebenenfalls sabotieren. Nach Kenntnis des BSI waren von Juli 2023 bis Juni 2024 insgesamt 22 verschiedene APT-Gruppen in Deutschland aktiv, die Unternehmen, Organisationen und Behörden angegriffen haben.
Auch der Einsatz von Botnetzen entwickelt sich dem BSI zufolge besorgniserregend. Aktuelle Botnetze seien modular aufgebaut, sodass die Angreifer ihre Funktionalitäten flexibel nachladen und anpassen könnten. Infizierte Systeme könnten so multifunktional eingesetzt und für verschiedene Arten böswilliger Aktionen genutzt werden, wie Identitätsdiebstahl, Datenverschlüsselung, Cryptomining, DDoS oder Spamversand. Sechs der zehn aktivsten in Deutschland bekannten Botnetze richteten sich den Ergebnissen des Lageberichts zufolge gegen Android-Geräte. Sie waren für 71,4 Prozent der Infektionen verantwortlich, wobei sie meist Unternehmens- oder Behördennetze angriffen.
Des Weiteren nehmen Schwachstellen in Software zu. Das BSI berichtet, dass im Jahr 2023 pro Tag im Durchschnitt 78 neue Schwachstellen bekannt wurden – rund 14 Prozent mehr als 2022. Betroffen waren verschiedene Software-Produkte: von spezialisierten Fachanwendungen über komplexe Server-Infrastrukturen bis hin zu Smartphone-Apps. Pro Monat erhielt das BSI im Berichtszeitraum im Schnitt 41 Meldungen von Sicherheitsforschenden über Software mit Sicherheitslücken.
Auch Schwachstellen in vernetzten Geräten, Perimeter-Systemen und kryptografischen Verfahren nehmen laut BSI zu. Allen voran hat Künstliche Intelligenz (KI) in der öffentlichen Diskussion einen hohen Stellenwert. KI-Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs), die in ChatGPT, CoPilot, Claude und Luminous verwendet werden, werden in Branchen aller Art eingesetzt. So praktisch diese auch sind, indem sie zum Beispiel Routinetätigkeiten übernehmen, beobachtete das BSI jedoch eine missbräuchliche Nutzung der Sprachmodelle: Cyberkriminelle setzten sie ein, um Texte für Phishing-Nachrichten oder Desinformation zu erzeugen. Außerdem generierten und verfeinerten die Akteure Schadcode mit KI-Sprachmodellen. Auch für die Cyberspionage waren LLMs Kriminellen von großem Nutzen. Unternehmens-Chatbot, die mit zu vielen Daten trainiert wurden, gaben durch Manipulation Interna preis. Und ein mit weitreichenden Rechten ausgestattetes Sprachmodell war nach initialer Kompromittierung bei der Exfiltration oder Manipulation von Daten nützlich.
Stand: 08.12.2025
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Daher empfiehlt das BSI, alle Ausgaben eines LLM durch einen Experten oder technisch interpretieren zu lassen, um Schwachstellen des Sprachmodells oder nur schwerz zu identifizierende Fehler zu beheben. Erhöhte Aufmerksamkeit sowie eine schnelle Reaktionsfähigkeit seien beim Einsatz von LLMs gefragt, zum Beispiel durch vorbereitete Fallback-Mechanismen oder Filtermodifikationen.
Dass nur große Unternehmen und Konzerne interessante Ziele von Cyberkriminelle sind, ist ein Irrglaube. Dem Lagebericht des BSI zufolge, waren im Berichtszeitraum überwiegend kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – insbesondere IT-Dienstleister – sowie Kommunen, Universitäten und Forschungseinrichtungen Opfer von Cyberangriffen.
Cybersicherheit muss seitens der Unternehmensleitung auf die Agenda gebracht und als unternehmensweites Risiko betrachtet werden.
Besonders Kleinst-Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sowie kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten verfügen oftmals nicht über genug IT-Personal. Oftmals lohnt es sich für diese Betriebe gar nicht, eigenes IT-Personal einzustellen. Das BSI spricht hier im Rahmen des „Make or Buy“-Entscheidungsprozesses von einem „Das bekommen wir schon irgendwie selbst hin“-Ansatz, den diese Betriebe oft wählen würden. Diesem Ansatz stehe jedoch die wachsende Bedrohungslage gegenüber.
Das BSI beklagt, dass auch im Jahr 2024 viele Unternehmen keine ausreichende Kenntnis über die allgemeine Cyberbedrohungslage haben. Auch ihrem eigenen Risikoprofil seien sich viele nicht bewusst. Selbst elementare, oftmals kostenfrei umsetzbare Präventionsmaßnahmen würden häufig nicht ergriffen.
Um Kleinst-Unternehmen und KMU hinsichtlich ihrer IT-Sicherheit zu unterstützen, hat das BSI gemeinsam mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ein Konsortium gegründet. An der Erstellung einer DIN SPEC waren fast 20 Partner beteiligt, unter anderem das Deutsche Institut für Normung (DIN), Wirtschaftsförderungen, eine Tochter des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft, IT-Grundschutz-Experten sowie Fachkundige zum Thema Datenschutz und IT-Dienstleister. Die „DIN SPEC 27076 IT-Sicherheitsberatung für kleine und Kleinstunternehmen“ ermöglicht diesen Bertrieben einen „CyberRisikoCheck“. Dabei erhalten sie von IT-Dienstleistern eine standardisierte Beratung, die speziell auf ihre Bedürfnisse angepasst ist. Zudem finden sich in der DIN SPEC Handlungsempfehlungen für KMU.
„Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland war und ist besorgniserregend“ schließt das BSI seinen Lagebericht. Neben Ransomware, Phishing, Schwachstellen in Soft- und Hardware, vernetzten Geräten und kryptografischen Verfahren spielt auch die missbräuchliche Verwendung von Sprachmodellen eine zunehmende Rolle. Das Gebot der Stunde laute, Deutschlands Resilienz gegenüber Cyberbedrohungen und -vorfällen drastisch zu erhöhen. Neben der Information der Verbraucher über Cybergefahren und der Unterstützung für KMU hat das BSI im Januar 2024 die Initiative „Cybernation Deutschland“ gestartet. Diese soll der Verbesserung der Cyberresilienz dienen und mehr Bewusstsein für das Thema Cybersicherheit schaffen. Zugleich sollen IT-Sicherheit pragmatisch gestaltet und messbar gemacht, technologische Expertise gezielter genutzt und der Markt für Security-Produkte und -Dienstleistungen gestärkt werden.
Grundlage der IT-Sicherheit sei die Lagebeobachtung hinsichtlich Cyberbedrohungen, der Angriffsfläche, Gefährdungen, Schadwirkungen und der eigenen Resilienz. Um Letztere zu erhöhen, ist es dem BSI zufolge unerlässlich, dass Hersteller sichere Produkte herstellen, die nach den Grundsätzen von Security by Design und Security by Default entwickelt und gepflegt werden. Zudem sind Betreiber gefordert, die Grundsätze der Cybersicherheit umzusetzen. Seinen eigenen Beitrag dazu hat das BSI laut eigenen Angaben erhöht, indem es sein Lagezentrum ausgebaut und modernisiert hat, „um 24/7 und 365 Tage im Jahr die IT-Sicherheitslage in Deutschland beobachten und in besonders schweren Fällen zum Nationalen IT-Krisenreaktionszentrum aufwachsen zu können“.