Mit KI schützen Security-Teams nicht mehr nur Netze und Daten, sondern auch Modelle, die selbst entscheiden und handeln. Dafür reicht bewährtes Fachwissen nicht mehr, und das Lerntempo steigt. Was Arbeitgeber jetzt in Kompetenzen investieren, entscheidet, ob KI die Abwehr stärkt oder zum Risiko wird.
KI berührt inzwischen fast jeden Arbeitsbereich der Cybersicherheit. Wer Teams dafür nicht schult, überlässt Modelle und automatisierte Aktionen sich selbst.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert den Arbeitsalltag im Bereich Cybersicherheit grundlegend. Der Einsatz von KI betrifft alle Bereiche in Unternehmen, geht über das traditionelle Tool-Set von Cybersicherheitsexperten hinaus und belastet gleichzeitig die Mittel, die ihren Gegenspielern scheinbar endlos zur Verfügung stehen.
Neben der Bewältigung neuer Bedrohungen müssen Cybersecurity-Teams auch KI-Modelle und -Integrationen berücksichtigen, beginnend mit der Bedrohungserkennung und Abwehr über das Identitäts- und Zugriffsmanagement bis hin zu Governance und Risikomanagement. Daher ist es die Aufgabe aller, die über Zertifizierungen im Bereich Cybersicherheit verfügen, proaktiv nach Möglichkeiten zu suchen, neue Fähigkeiten aufzubauen und sich über die neuesten Technologien und Praktiken auf dem Laufenden zu halten. Denn KI verlangt, das Lerntempo zu beschleunigen.
Unter den Befragten der ISC2 2025 Cybersecurity Workforce Study, die mindestens einen Qualifikationsbedarf bestätigten, war KI mit 41 Prozent an erster Stelle. Allerdings sollten der Erwerb, die Prüfung und der Nachweis von KI-Fähigkeiten niemals eine isolierte oder nachträgliche Maßnahme sein, die allein aus der Angst heraus entsteht, den Anschluss an die KI-Entwicklung zu verlieren. Vielmehr ist es sinnvoll, eine KI- und kompetenzorientierte Denkweise untrennbar mit den Cybersicherheits- und Risikomanagementstrategien eines Unternehmens zu verknüpfen. Diesbezüglich steht die Frage im Raum, ob Cybersicherheits-Teams bereit sind, diesen Wandel im Denken anzunehmen.
Notwendige KI-Fähigkeiten in der Cybersicherheit für eine bessere Verteidigung
Da Fachwissen im Bereich KI-Sicherheit für die Aufrechterhaltung wirksamer Cybersicherheitsfähigkeiten immer unverzichtbarer wird, scheinen die Cybersecurity-Fachkräfte sowohl das Potenzial als auch die Risiken der KI zu erkennen. Eine tiefere Analyse der Cybersecurity Workforce Study zeigt, dass 28 Prozent der weltweit Befragten bereits KI-Sicherheitswerkzeuge in ihre Abläufe integriert haben. Dazu gehören KI-basierte Sicherheitslösungen, generative KI und agentenbasierte KI, die Maßnahmen automatisiert durchführen können. Weitere 41 Prozent der Befragten geben an, dass sie derzeit KI-gestützte Sicherheitswerkzeuge evaluieren oder testen. Das ist ein Indiz für starkes Interesse, das mit einer gebotenen Sorgfalt einhergeht.
Diese scheinbar zurückhaltende Dynamik spiegelt das wachsende Bewusstsein wider, dass KI kein Allheilmittel oder eine Plug-and-Play-Lösung ist. Vielmehr erfordert sie eine operative Bereitschaft auf menschlicher Ebene, in Prozessen und in der Technologie. Von Cybersicherheitsexperten wird zunehmend erwartet, dass sie ihr Fachwissen im Kontext KI-gestützter Technologien anwenden, was neben bewährten Praktiken auch die kontinuierliche Entwicklung neuer Kompetenzen erfordert.
Die folgende Übersicht zeigt, in welchen Bereichen Cybersicherheitsexperten ihre Kompetenzen und Fähigkeiten im Zuge der Weiterentwicklung der KI ausbauen können:
Sicherheit und Risikomanagement: Das Verständnis, wie KI-Ressourcen die Risikoposition einer Organisation verändern.
Asset-Sicherheit: Die Gewährleistung der Datenintegrität über den gesamten KI-Lebenszyklus hinweg. Dazu zählt auch das Sicherstellen, dass die Informationen, die zur „Schulung“ dieser Systeme verwendet werden, nicht von böswilligen Akteuren manipuliert wurden.
Sicherheitsarchitektur und -engineering: Die Gestaltung sicherer Enklaven für Hochleistungs-KI-Berechnungen sowie die Implementierung robuster Eingabevalidierungsmechanismen zur Abwehr von Prompt-Injection- und adversarialen Angriffen.
Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM): Die Nutzung von KI zur Verbesserung des IAM durch verhaltensbasierte Biometrie und adaptive Authentifizierung.
Operationale Sicherheit: Die Integration von KI und maschinellem Lernen in Plattformen für Security Orchestration, Automation und Response (SOAR). Darüber hinaus gehören die Bewältigung der Alarmmüdigkeit durch den Einsatz von KI sowie Sicherheitsanalysten mit hochwertigen Kontextinformationen für eine schnellere Reaktion dazu.
Sicherheit in der Softwareentwicklung: Die Verwendung KI-gestützter Programmiertools unter Berücksichtigung der Risiken von „halluzinierten“ Schwachstellen oder der versehentlichen Einbindung unsicherer Code-Snippets, die von großen Sprachmodellen generiert werden.
Stärkung des organisatorischen Engagements für KI-Sicherheitsbereitschaft
Die Entwicklung von KI-bezogenen Fähigkeiten ist keinesfalls eine Nischenkompetenz, eine isolierte Fähigkeit oder schlimmer noch ein nachträglicher Gedanke. Stattdessen muss KI-Sicherheit in jede Ebene einer Cybersicherheitsstrategie und eines Risikorahmens integriert werden. Es beeinflusst, wie Securityexperten, von Sicherheitsanalysten bis hin zu CISOs, über Risiken, Verteidigung und Reaktion nachdenken. Die am besten vorbereiteten Organisationen werden diejenigen sein, die gezielt Teams für die Bewältigung einer realen Cyberabwehr in einer KI-gestützten Umgebung aufbauen.
Organisationen können in die fortschrittlichsten KI-gestützten Plattformen investieren, doch ohne Cybersicherheitsfachkräfte, die verstehen, wie diese Tools und Taktiken funktionieren und wo ihre Grenzen liegen, bleibt das Risiko bestehen. Darüber hinaus muss die Integration von KI in Unternehmensumgebungen von einer KI-Governance-Strategie begleitet werden. Diese Strategie sollte jedem KI-Einsatz vorausgehen, da sie die Verantwortlichkeiten und sich weiterentwickelnde Fähigkeiten im Bereich Cybersicherheit verändert. Eine klare Governance dient den Fachkräften als Orientierung. Denn von ihnen wird erwartet, dass sie trotz begrenzter Kontextinformationen ein großes Maß an kritischem Denken, logischem Schlussfolgern und Urteilsvermögen an den Tag legen. Genau diese Fähigkeiten gewinnen aufgrund der weitreichenden Auswirkungen der KI auf die Cybersicherheitspraktiken weiter an Bedeutung.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
KI-Projekte sollten denselben Governance-Prinzipien folgen wie andere Technologieprojekte, einschließlich Risikobewertung und Evaluierungsphasen. Unternehmen gehen bei der Einführung von KI in der Cybersicherheit behutsam vor. Dies weist darauf hin, dass sie zunehmend erkennen, wie wichtig es ist, die Risiken und Chancen von KI-Sicherheitstools vor dem Einsatz sorgfältig zu prüfen. Der transformative Erfolg der KI-Einführung hängt davon ab, wie gut die Menschen darauf vorbereitet sind, KI-Sicherheitstools zu nutzen und sich gegen den missbräuchlichen Einsatz von KI für Cyberangriffe zu schützen.
Investitionen in KI-Sicherheitsfähigkeiten sind die Grundlage für Vertrauen
Durch die Integration von KI in Unternehmenssysteme müssen Cybersicherheitsfachkräfte nicht nur Infrastruktur und Daten, sondern auch Modelle, Entscheidungslogik und automatisierte Aktionen schützen, die mit Maschinengeschwindigkeit laufen. Diese Anpassung verändert grundlegend, was eine wirksame Cybersicherheitspraxis ausmacht und erhöht nicht nur die Anforderungen an die berufliche Kompetenz, sondern auch an die operationelle Bereitschaft insgesamt. Daher liegt die Verantwortung für die Weiterbildung nicht allein bei den Cybersicherheitsfachkräften. Auch die Arbeitgeber müssen in ihre Teams investieren.
Laut der ISC2 Cybersecurity Workforce Study 2025 betrachten die Befragten KI eher als Katalysator für Karrierechancen, denn als Bedrohung. Zwei Drittel (66 Prozent) sagten, dass KI einen Bedarf an breiteren Fähigkeiten im Bereich Cybersicherheit schaffen wird. Glücklicherweise berichteten die meisten Teilnehmenden (94 Prozent), dass ihre Organisationen nicht einfach nur neue Mitarbeiter einstellen, sondern Maßnahmen ergreifen, um den Auswirkungen von Qualifikationsdefiziten in Sicherheits-Teams entgegenzuwirken.
Viele der von den Studienteilnehmern geschätzten Maßnahmen konzentrieren sich auf Weiterbildung. Die häufigsten Ansätze umfassen die Bereitstellung von Zeit für die berufliche Weiterentwicklung während der Arbeitszeit (28 Prozent), die Bereitstellung von Budgets für interne Schulungen (24 Prozent) und die Bereitstellung von Budgets für externe Schulungen (19 Prozent). Es ist entscheidend, die berufliche Weiterentwicklung auf den Erwerb von KI-Fähigkeiten auszurichten. Strukturierte Kompetenzentwicklung und kontinuierliche berufliche Weiterbildung (z. B. durch Kurse, Workshops, Zertifikate und Peer-to-Peer-Austausch) stellen sicher, dass Fachkräfte im Bereich Cybersicherheit relevante und praxisnahe Fähigkeiten nachweisen können.
Nahezu jeder Kernbereich der Cybersicherheit wird in irgendeiner Weise von KI berührt. Folglich können Cybersicherheitsprofis nur dann gegen den missbräuchlichen Einsatz von KI und die damit einhergehenden schwerwiegenden Cyber-Schäden vorgehen, wenn KI-Kompetenzen in allen Kernbereichen der Cybersicherheit verankert werden. Organisationen, die in Personal, Prozesse und Technologie investieren und sicherzustellen, dass KI in ihre Kernbereiche der Cybersicherheit integriert wird, schaffen das Vertrauen, das für Innovationen innerhalb der Parameter fortschrittlicher KI-Sicherheitsvorkehrungen, Leitlinien und Governance erforderlich ist.
Über den Autor: Casey Marks, Ph.D. ist Chief Operating Officer (COO) bei ISC2. Er ist für die Vision, Strategie, das Design, die Entwicklung und die Umsetzung der Produkte von ISC2 verantwortlich. Als leitender Manager entwickelt er psychometrisch fundierte und rechtlich abgesicherte Zertifizierungen für die Informationssicherheit, die auf die Mission und Vision von ISC2 einzahlen. Casye Marks blickt auf 20 Jahre Erfahrung im Bereich groß angelegter Bewertungen zurück und hat in dieser Zeit zahlreiche Veröffentlichungen verfasst und Vorträge gehalten. Er gilt als Experte für Themen im Zusammenhang mit der Einführung und dem Anbieterwechsel beim computergestützten Testing (Computer Based Testing) für wichtige, groß angelegte Prüfungsprogramme, der internationalen Ausweitung von Programmen sowie der Prüfungssicherheit.