Wer beim Zugriff auf Unternehmensdaten keine Kompromisse eingehen will, braucht mehr als SMS-Codes und Passwortregeln. Eine zertifikatsbasierte Authentifizierung – etwa mittels Public Key Infrastructure (PKI) – bietet eine sichere, passwortfreie Alternative. PKI verbindet höchste Sicherheit bei zugleich effizientem Handling und das ganz ohne Passwortstress.
Mittels eines privaten Schlüssels auf einem sicheren Token kann die Authentifizierung eines Benutzers passwortfei erfolgen.
(Bild: Pointsharp)
Der aktuelle Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeichnet ein klares Bild: Die Bedrohungslage für Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz spitzt sich zu. Cyberkriminelle nutzen gezielt Schwachstellen, um Systeme lahmzulegen oder Daten zu stehlen. Sicherheitsvorkehrungen auf hohem Niveau sind deshalb unverzichtbar. Gesetzliche Regularien wie NIS2 oder DORA fordern ebenfalls die Einhaltung höchster Sicherheitsstandards. Die Erfüllung von Mindestanforderungen wie Passwortregelungen oder einfache Zwei-Faktor-Verfahren reichen längst nicht mehr aus. Die Richtung ist klar: weg vom Passwort, hin zur zertifikatsbasierten Authentifizierung.
Passwörter sind angreifbar – selbst dann, wenn sie komplex sind. Phishing, Brute-Force-Attacken oder Credential Stuffing hebeln viele Sicherheitsvorkehrungen aus. Sogar bei Multifaktor-Authentifizierungsverfahren bestehen Risiken, etwa bei der Nutzung von SMS-TANs oder statischen Einmalpasswörtern. Die Lösung: eine Public-Key-Infrastruktur (PKI). Sie ermöglicht es, Nutzer eindeutig zu identifizieren, Daten zu verschlüsseln und digitale Signaturen zu erstellen.
Das funktioniert ähnlich wie mit einem Reisepass: Eine vertrauenswürdige Instanz (Zertifizierungsstelle) stellt ein digitales Zertifikat aus, das der Nutzer bei jeder Anmeldung vorzeigt. Das System überprüft es automatisch auf Gültigkeit und Echtheit. Statt ein Passwort einzugeben, kann ein Nutzer seine Identität über dieses zertifikatsbasierte Verfahren bestätigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kein Vergessen oder Zurücksetzen von Passwörtern mehr, keine Angriffsfläche für den Diebstahl digitaler Zugangsdaten.
Zentrales Element der Public-Key-Infrastruktur ist ein kryptografisches Schlüsselpaar. Der Nutzer generiert es einmalig: Während eine Certificate Authority (CA) den öffentlichen Teil zertifiziert, verbleibt der private ausschließlich im Besitz des Nutzers, zum Beispiel auf einem physischen Token. Nur wer über den privaten Schlüssel verfügt, kann sich erfolgreich authentifizieren. Allein mit dem öffentlichen Schlüssel ist kein Zugriff auf das Gerät oder System möglich. Und der private Schlüssel lässt sich selbst mit einem Brute-Force-Angriff, also dem Ausprobieren aller Möglichkeiten, nicht ermitteln. Selbst Quantencomputer dürften hier kein Risiko darstellen, da sich bereits neue kryptografische Verfahren, die gegen deren Rechenleistung gewappnet sind, in der Standardisierung befinden.
Die zertifikatsbasierte Authentifizierung und ihre Vorteile
Zertifikatsbasierte Authentifizierung bringt nicht nur Sicherheit, sondern vereinfacht auch den IT-Alltag auf mehreren Ebenen. Zu den Vorteilen gehören:
Eine einheitliche, zentral gesteuerte Benutzerverwaltung, einfach skalierbar
Kein Risiko durch gestohlene oder schwache Passwörter
Geringere Support-Last durch Wegfall von Passwort-Resets
Höhere Produktivität durch reibungslosen Zugang
Langfristige Kostenreduktion durch effizientere Prozesse
Der Nutzen der zertifikatsbasierten Authentifizierung ist groß, das PKI-Management allerdings komplex. Vor allem in großen Organisationen erfordert die Pflege von Zertifikaten und Tokens klare Prozesse.
Auch eine starke Sicherheitslösung wie PKI bringt operative Herausforderungen mit sich, die durch passende Strategien jedoch gut beherrschbar sind. Folgende Aspekte gilt es zu berücksichtigen:
1. Identitäten und Zertifikate im Griff behalten Fehlt ein geregeltes Lifecycle-Management, droht Chaos: Ehemalige Mitarbeitende könnten weiterhin über aktive Zertifikate verfügen, neue Nutzer bleiben blockiert. Automatisierte Verwaltungsprozesse sorgen hier für Klarheit. Sie kümmern sich um Ausstellung, Verlängerung und Sperrung von Zertifikaten und entlasten gleichzeitig die IT-Abteilungen.
2. Managed PKI-Leistungen sparen Zeit und Geld Nicht jedes Unternehmen hat die Ressourcen, um eine eigene PKI-Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben. Hardware, Fachpersonal, Zertifizierungsstellen – all das kostet Zeit und Geld. Angebote wie PKI-as-a-Service stellen diese Funktionen als Cloud-Angebot bereit. Für Organisationen mit Cloud-Strategie ein pragmatischer und sicherer Weg.
3. Effiziente Abläufe durch Self-Services Trotz des hohen Sicherheitsstandards kann es dazu kommen, dass Token verloren, PINs vergessen oder Smartcards beschädigt werden. Moderne Self-Service-Optionen erlauben Nutzenden, Zertifikate selbst zu erneuern oder PINs zurückzusetzen – ganz ohne Eingriff der IT. Das spart Aufwand und erhöht die Zufriedenheit.
4. Kryptoagilität = die Stabilität von morgen Cyberangriffe entwickeln sich rasant weiter. Daher müssen PKI-Lösungen in der Lage sein, schnell auf neue kryptografische Standards zu reagieren. Diese sogenannte Kryptoagilität sorgt dafür, dass sich Zertifikate bei Bedarf automatisch an neue Verfahren anpassen lassen – ohne manuelle Migrationsprojekte.
Ein gut organisiertes PKI-Management stärkt nicht nur die Sicherheitsstruktur, sondern entlastet zugleich die IT-Abteilungen spürbar. Es schafft die nötige Flexibilität, damit Unternehmen und Behörden auf neue technologische Entwicklungen zügig und kontrolliert reagieren können.
Fazit: Mit PKI auf Nummer sicher gehen
Die zertifikatsbasierte Authentifizierung bietet nicht nur ein Höchstmaß an Sicherheit, sondern reduziert auch den Verwaltungsaufwand und macht Organisationen zukunftsfähig. Wer sich für einen erfahrenen Anbieter mit Lifecycle-Management, Kryptoagilität und EU-basierter Infrastruktur entscheidet, kann Sicherheitsanforderungen effizient umsetzen und regulatorische Vorgaben souverän erfüllen.
Über den Autor: Matthias Kess ist Head of Product Management bei Pointsharp und verantwortet die Produktstrategie des Unternehmens. Er ist seit über 25 Jahren in der IT unterwegs, kennt das Thema IT-Sicherheit aus technischer und strategischer Perspektive und verantwortet die Weiterentwicklung kundenzentrierter Lösungen im Bereich Authentifizierung und Zugriffsmanagement.
Stand: 08.12.2025
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