Domain-basierten Angriffen begegnen Checkliste für mehr Domain-Sicherheit

Ein Gastbeitrag von Maximilian Burianek 6 min Lesedauer

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Mehr als 350 Millionen registrierte Domains gibt es laut DNIB.com weltweit. Der Schutz der eigenen Domain ist für global operierende Konzerne ebenso wichtig wie für klein- und mittelständische Unternehmen – vor allem in Anbetracht steigender Cyberangriffe. So führen Phishing-Angriffe inzwischen zu durchschnittlichen Kosten in Höhe von 4,91 Millionen US-Dollar. Mit Twitter (heute X), Verizon und Airbnb gab es schon prominente Beispiele für Domain-basierte Angriffe. Diese Checkliste gibt Tipps für mehr Domain-Sicherheit.

Die Sicherheit von Domains stellt einen essentiellen Eckpfeiler einer robusten IT-Sicherheitsstrategie dar.(Bild:  Sashkin - stock.adobe.com)
Die Sicherheit von Domains stellt einen essentiellen Eckpfeiler einer robusten IT-Sicherheitsstrategie dar.
(Bild: Sashkin - stock.adobe.com)

Die Domain ist nicht nur für die digitale Markenführung und Kommunikation wichtig, sie ist auch der digitale Dreh- und Angelpunkt für Mitarbeiter, Kunden, Partner und Stakeholder. Allerdings ist die Domain gleichzeitig ein Angriffsvektor für Cyberkriminelle. Diese registrieren beispielsweise selbst neue Domains, die der eigentlichen Marke ähneln, um Phishing-Angriffe einzuleiten oder täuschend echte Fakeshops aufzusetzen. Oder sie versuchen, Domainnamen der betroffenen Unternehmen für sich zu nutzen – dafür reicht es manchmal schon, abgelaufene Domains unter ihre Kontrolle zu bringen. Die nachfolgenden Tipps für Domain-Sicherheit beschreiben grundlegende personelle Prozesse, technische und präventive Maßnahmen sowie sicherheitsrelevante Konfigurationen.

1. Menschen und Prozesse

Unternehmen sollten zu Beginn eine „Domain-Inventur“ vornehmen. So nennt sich der Prozess der Identifizierung, Organisation und Dokumentation aller Domain-Namen, die einer Person, einem Unternehmen oder einer Organisation gehören oder von ihnen verwaltet werden. Die Domain-Inventur umfasst normalerweise eine umfassende Liste aller Domains, die im Besitz der Entität sind, sowie Informationen über deren Registrierungsstatus, Ablaufdaten, Hosting-Anbieter und möglicherweise auch Angaben zur Abrechnung und Auto-Renewals. Es ist wichtig zu wissen, welche und wie viele Domains von dem jeweiligen Unternehmen registriert sind – hierunter fallen auch alle Produkt- und Marketing-Domains. Zusätzlich müssen Domains, die von Lizenzpartnern oder anderen Dritten im Namen des Unternehmens registriert wurden, ebenfalls erfasst werden.

Neben der notwendigen Identifizierung der eigenen Domains sollten Unternehmen zusätzliche Zugangsbeschränkungen etablieren. Domain-Rechte und -Zugänge sollten dabei individuell festgelegt werden. Dies lässt sich durch Rechtevergaben regeln, sodass nur ausgewählte und geschulte Mitarbeiter Domains verlängern oder kündigen können. Dies verringert das Risiko, dass Domains unbeabsichtigt gekündigt werden oder Domain-Zugangsdaten in die falschen Hände geraten. Für die grundlegende Verbesserung der Domain-Sicherheit empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  • 1. Domain-Inventur und Erfassung der Rechtevergabe und -verwaltung für diejenigen Mitarbeiter, die Zugang zum Domain-Account haben, einschließlich etwaiger externer IT-Dienstleister.
  • 2. Regelmäßige Schulungen und unangekündigte, interne Phishing-Tests zur Sensibilisierung der Mitarbeiter in puncto Datenschutz und Domain-Sicherheit.
  • 3. Kritische Änderungen an Domains, wie die Änderung von Inhaberdaten oder zuständigen Nameservern, sollten zusätzlich gesichert werden (z. B. mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung).
  • 4. Regelmäßige Penetrationstests (Pen-Tests), bei denen erfahrene und beauftragte IT-Sicherheitsforscher (White-Hat-Hacker) versuchen, Sicherheitsbarrieren zu umgehen, um potenzielle Schwachstellen aufzudecken.
  • 5. Ein Bug-Bounty-Programm, bei dem Unternehmen Prämien für die Entdeckung von Sicherheitslücken ausloben.

Zudem trägt ein Defense-in-Depth-Ansatz, also ein koordinierter Einsatz mehrerer Sicherheitsmaßnahmen, sowie eine effektive Domain-Verwaltung dazu bei, Schäden durch menschliche Fehler oder mangelhafte Prozesse vorzubeugen. Das umfasst vor allem diese Sicherheitsmaßnahmen:

  • 2. Der Domain-Inhaber sollte die Zugriffsrechte für angelegte Benutzer beschränken und Richtlinien für Domain-Übertragungen festlegen, um unabsichtliche Kündigungen oder ungewollte Änderungen zu verhindern.
  • 3. Automatische Anmeldebenachrichtigungen können dabei helfen, eine mögliche Kompromittierung frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Der Domain-Inhaber erhält dann Benachrichtigungen, wenn sich jemand von einem neuen Gerät aus anmeldet.
  • 4. Beim Austritt von Mitarbeitern sollten außerdem entsprechende Zugänge umgehend gesperrt und Berechtigungen in Bezug auf die Domain entfernt werden.
  • 5. Domains bei einem vertrauenswürdigen Registrar konsolidieren, um Schutz- und Absicherungsmaßnahmen leichter umsetzen zu können.

2. Angriffsvektor Domain minimieren

Die Domain stellt die digitale Identität eines Unternehmens dar und ist der erste Berührungspunkt für Kunden, Partner und Mitarbeiter. Nicht ohne Grund ist die Domain ein inzwischen bekannter Angriffsvektor für Hacker und Kriminelle. Ähnlich klingende Domains werden für Phishing-Attacken, C-Level Impersonation oder Cybersquatting genutzt, um Malware zu injizieren, Systeme zu hacken und im schlimmsten Fall ein saftiges Lösegeld zu fordern. Es ist daher unerlässlich, relevante Haupt- und Zusatzdomains zu definieren und zu registrieren. Diese sollten sorgfältig ausgewählt werden und sich an der Zielgruppe, den Zielmärkten und der Struktur der eigenen Website orientieren. Diese defensive Domain-Strategie deckt allerdings nicht alle Risiken ab. Denn die Registrierung aller infrage kommender Domains ist unmöglich, da Kriminelle häufig Subdomains, Vertipper-Domains oder Endungen nutzen, die nicht registriert wurden. Daher ist ein (automatisches) Domain-Monitoring ein weiterer Schutzwall gegen Cyberangriffe.

  • 1. Durch das systematische Beobachten von neuen Domainregistrierungen, etwa durch einen spezialisierten Anbieter, hinsichtlich der Verwendung von Schlüsselbegriffen und verdächtigen Aktivitäten können IT-Verantwortliche schnell auf potenzielle Bedrohungen reagieren. Solche Schlüsselbegriffe können der Name des Unternehmens, Produktnamen, Abkürzungen, Marken oder spezifische Angebote sein. Sobald das Monitoring aktiv ist, werden IT-Verantwortliche sofort informiert, wenn die erfassten Begriffe für die Registrierung einer Domain verwendet werden. Wird eine potenziell schädliche Domain erkannt, sollte unverzüglich Kontakt zum Registrar aufgenommen und rechtliche Schritte eingeleitet werden. Zudem ist eine sofortige, transparente Kommunikation mit den Kunden über eine mögliche Phishing-Attacke entscheidend.
  • 2. Domain-Inhaber können die (zeitweise) Sperrung einer Domain anfordern. Die Webseite ist dann nicht mehr erreichbar. Die notwendigen Schritte für eine Sperrung sollten in einem internen Prozess festgehalten werden.
  • 3. Die Rechtsabteilung eines Unternehmens sollte sich zudem über Wege informieren, um im Ernstfall einen weltweiten Takedown einer Domain durchsetzen zu können. Hier können Anbieter wie united-domains unterstützen.

3. DNS-Konfiguration und Zertifikate

Das Domain Name System (DNS), das 1983 von Paul Mockapetris entworfen wurde, ist bis heute ein zentrales Element des Internets. Es übersetzt Domainnamen in IP-Adressen, damit Websites und E-Mail-Server erreicht werden können. Angreifer können das DNS für Angriffe nutzen, um Websites umzuleiten oder E-Mails abzufangen. Digitale Zertifikate helfen dabei, die Sicherheit bei der Übertragung von Daten zu gewährleisten. Allerdings sind sie nicht vollständig sicher. Betrüger könnten gefälschte Zertifikate nutzen, um HTTPS-Datenverkehr mitzulesen.

Um das DNS zu schützen, können folgende Maßnahmen getroffen werden:

  • 1. Der Einsatz von DNS Security Extension (DNSSEC) schützt DNS-Einträge vor Cache-Poisoning und Man-in-the-Middle-Angriffen.
  • 2. Die richtige Konfiguration der CAA-Einträge (Certificate Authority Authorization) steuert die Ausstellung von Zertifikaten und stellt sicher, dass nur autorisierte Zertifikate ausgestellt werden (CAA-Records).
  • 3. Anycast, also die Verteilung mehrerer gleichartiger Server auf räumlich getrennte IP-Netze, und DDoS-Schutz verbessern die Verfügbarkeit des DNS und schützen vor Angriffen auf die Domain.
  • 4. Eine sichere Domain erkennt man im Browser an einem kleinen Schloss-Symbol, das auf die Absicherung durch ein SSL- oder SSL-EV-Zertifikat hinweist (Secure Sockets Layer bzw. Secure Sockets Layer Extended Validation).

4. Sicherheitsstrategien & Domains: Ein Fazit

Die Sicherheit von Domains stellt einen essenziellen Eckpfeiler einer robusten IT-Sicherheitsstrategie dar. Für Unternehmen ist es unabdingbar, ein umfassendes, ganzheitliches Sicherheitskonzept für Domains zu entwickeln. Dieses sollte bei der Domain-Inventur beginnen. Im Anschluss sollten Unternehmen die Gewährleistung sicherer Logins und Zugriffsbeschränkungen aufsetzen und ebenso technische Aspekte wie die Verwaltung von DNS-Records einschließen. Ergänzend dazu können automatisierte Überwachungsdienste, wie das Domain-Monitoring, dazu beitragen, Probleme in einem frühen Stadium zu erkennen und potenziell größerem Schaden vorzubeugen.

Über den Autor: Maximilian Burianek ist seit 2020 CEO der united-domains AG und hat 15 Jahre Erfahrung als Strategieberater und Manager in Technologieunternehmen, bei The Boston Consulting Group und bei Munich Re. Vor seinem Eintritt bei united-domains leitete er als Senior Category Leader die Bereiche Movies sowie Books & Kindle bei Amazon Deutschland. Er hat seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur an der Technischen Universität München und ETH Zürich erworben und hält einen Master of Arts in Marketing der Universität St. Gallen.

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