IBM X-Force Threat Intelligence Index 2019

Rückzug der Ransomware

| Redakteur: Peter Schmitz

Cyberkriminelle setzten 2018 vermehrt auf Kryptojacking. Mehr als die Hälfte der Cyberangriffe waren keine Malware-basierten Angriffe mehr, dafür ist die Zahl der Attacken auf geschäftliche E-Mail-Adressen gestiegen.
Cyberkriminelle setzten 2018 vermehrt auf Kryptojacking. Mehr als die Hälfte der Cyberangriffe waren keine Malware-basierten Angriffe mehr, dafür ist die Zahl der Attacken auf geschäftliche E-Mail-Adressen gestiegen. (Bild: gemeinfrei)

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und ein gestiegenes Bewusstsein gegenüber Cyberangriffen zwingen Cyberkriminelle dazu, ihre Angriffstechniken auf der Suche nach Profit zu ändern. Das belegen Daten aus dem IBM X-Force Threat Intelligence Index 2019. Der Bericht beschreibt insbesondere zwei wesentliche Veränderungen: Ein geringerer Einsatz von Malware und eine überraschende Abkehr von Ransomware.

Im IBM X-Force Threat Intelligence Index 2019 verzeichnen die Experten von IBM Security einen deutlichen Rückgang der Angriffe mit Ransomware. So verfolgten die IBM Spam-Forscher im letzten Jahr nur eine Ransomware-Kampagne aus dem weltweit größten Botnetz zur Verteilung von Malware-Spam, Necurs. Auffällig ist auch, dass die Anzahl der Kryptojacking-Angriffe fast doppelt so hoch war wie die der Ransomware-Angriffe im Jahr 2018. Grund dafür ist die höhere Profitabilität: Indem heimlich die Rechenleistung der Opfer genutzt wird, sind Kryptojacking-Angriffe weniger risikoreich und mit geringerem Aufwand verbunden. Zudem erreichten Kryptowährungen wie Bitcoin 2018 einen Preis von fast 20.000 US-Dollar.

Generell ändern sich die Tarnmethoden der Datendiebe, anstelle von Malware, missbrauchen Cyberkriminelle zunehmend Betriebssystem-Tools. Mehr als die Hälfte aller Cyberattacken (57 Prozent) nutzten gängige Administrationsanwendungen wie PowerShell oder PsExec, um unentdeckt zu bleiben. Gezielte Phishing-Angriffe machen hingegen fast ein Drittel (29 Prozent) aller Cyberangriffe aus.

Der IBM X-Force Threat Intelligence Index umfasst Erkenntnisse und Beobachtungen aus der Überwachung von 70 Milliarden Sicherheitsereignissen pro Tag in mehr als 130 Ländern. Darüber hinaus werden Daten aus verschiedenen Quellen gesammelt und analysiert, darunter X-Force IRIS, X-Force Red, IBM Managed Security Services und öffentlich zugängliche Informationen über Datenschutzverletzungen. Außerdem legt die IBM X-Force Einheit Tausende von Spam-Fallen weltweit aus und beobachtet täglich Millionen von Spam- und Phishing-Angriffen. Milliarden von Webseiten und Bildern werden analysiert, um betrügerische Handlungen und Markenmissbrauch aufzudecken.

Der Report verzeichnet außerdem einen starken Anstieg von Schwachstellen. Beinahe ein Drittel (42.000) der insgesamt 140.000 von IBM X-Force erfassten Schwachstellen wurden allein in den vergangenen drei Jahren gemeldet. IBM X-Force fand durchschnittlich 1.440 einmalige Schwachstellen pro Unternehmen. Auch Fehlkonfigurationen machen Unternehmen immer noch zu schaffen. Im Jahresvergleich stiegen die öffentlich bekannt gegebenen Fehlkonfigurationen um 20 Prozent an. Interessant ist, dass im Gegensatz dazu die Anzahl kompromittierter Datensätze um 52 Prozent sank.

Für Cyberkriminelle ist BEC-Betrug ist weiterhin die beliebteste Angriffsmethode. Phishing-Kampagnen zielten besonders oft auf Business Email Compromise (BEC)-Betrügereien ab. Sie machten 45 Prozent der von X-Force verfolgten Phishing-Angriffe aus. Als Ziel rückte 2018 die Transportbranche ins Visier von Cyberangriffen. Sie entwickelte sich 2018 zum zweithäufigsten angegriffenen Sektor und stieg damit von Platz 10 (2017) auf Platz 2 (2018).

„Wenn wir uns den geringen Einsatz von Malware, die Abkehr von Ransomware und den Anstieg von gezielten Angriffen anschauen, ist zu erkennen, dass der Return-on-Investment (ROI) eine große Motivation für Cyberkriminelle ist. Wir sehen aber auch, dass die Bemühungen, Systeme besser vor Angriffen zu schützen, funktionieren. Durch den Diebstahl von 11,7 Milliarden Datensätzen in den letzten drei Jahren, haben personenbezogene Daten an Wert verloren. Stattdessen werden neue illegale Profit-Modelle erforscht“, sagt Wendi Whitmore, Director, IBM X-Force Threat Intelligence. „Rechenleistung zählt zu den begehrtesten Waren, die mit der Entstehung von Kryptowährungen zusammenhängt. Das führt dazu, dass Unternehmensnetzwerke und Verbrauchergeräte heimlich gehackt werden, um diese digitalen Währungen zu schürfen.“

Der Aufstieg krimineller Power-User von PowerShell

Die Studie zeigt, dass Cyberkriminelle viel häufiger bestehende Betriebssystem-Tools angreifen, um damit ihre Ziele zu erreichen. Der Fokus liegt bei dieser Technik auf PowerShell. Hierbei handelt es sich um ein integriertes Betriebssystems-Tool, das in der Lage ist, Codes auf dem Speicher auszuführen und direkten administrativen Zugriff auf das Gerät zu gewähren. Ebenso beobachtete IBM X-Force Incident Response and Intelligence Services (IRIS) Cyberangreifer, die Windows Management Interface Command (WMIC)-Abfragen ausführen. Ziel ist es, ferngesteuerte PowerShell-Befehle und -Skripte zu automatisieren und somit unter Anderem, Zugriff auf bestimmte Systeme, Benutzerverzeichnisse oder Datenbanken zu erhalten.

Geschäfte machen mit Cyberangriffen auf Kosten von Unternehmen

Cyberkriminelle geben nicht viel Geld für teure Hardware oder Kryptowährungen aus. Stattdessen haben sie verschiedene Werkzeuge und Taktiken entwickelt, um sowohl Unternehmensserver als auch einzelne Nutzer mit Coin-Mining-Malware zu infizieren und sie damit zu kapern. Unerkanntes Mining erhöht die CPU-Auslastung und setzt die Leistungsfähigkeit der Systeme für ihre regulären Aufgaben massiv herab. Dieser Trend des Kryptojackings boomt geradezu.

Während illegale Kryptojacking-Angriffe auf dem Vormarsch sind, nimmt die Bedeutung von Ransomware für Cyberkriminelle ab. Im Laufe des Jahres 2018 sanken die Versuche, Ransomware auf X-Force-überwachten Geräten in Q4 (Oktober bis Dezember) zu installieren, auf weniger als die Hälfte (45 Prozent) der Versuche in Q1. Stattdessen haben sich die Kryptojacking-Angriffe im gleichen Zeitraum um 450 Prozent mehr als vervierfacht.

Transportbranche gerät ins Visier der Hacker

Cyberkriminelle ändern nicht nur ihre Vorgehensweise, sondern auch ihre Zielgruppe. Zwar war die Finanzindustrie mit 19 Prozent aller Angriffe erneut Spitzenreiter unter den Angriffszielen, die Transportindustrie holte jedoch deutlich auf. Gegenüber dem Vorjahr verdreifachten sich hier die Angriffsversuche: Während sie 2017 nicht einmal unter den Top 5 war, steht diese Industrie 2018 an Platz zwei.

Dabei geht es nicht nur um die Anzahl der Cyberangriffe, sondern auch um die Auswahl der Opfer. X-Force beobachtete, dass 2018 wesentlich mehr Angriffe im Transportsektor öffentlich bekannt gemacht wurden als in den Vorjahren. Dadurch fühlten sich Hacker wahrscheinlich ermutigt, denn diese Offenlegung zeigt ihnen: Diese Unternehmen sind anfällig für Cyberangriffe und verfügen über wertvolle Kundendaten wie Zahlungskarteninformationen, personenbezogene Daten und Treuepunkte.

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