Definition EC3 | European Cybercrime Centre Was ist das European Cybercrime Centre?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 5 min Lesedauer

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Das European Cybercrime Centre ist eine Fachabteilung von Europol zur Bekämpfung von Cyberkriminalität in der Europäischen Union. Es wurde gegründet, um die Strafverfolgung von Computer- und Internetkriminalität in der EU zu bündeln und zu stärken. Das EC3 koordiniert die grenz­über­grei­fen­de Strafverfolgung von Computerkriminalität und arbeitet mit anderen Institutionen und Nicht-EU-Ländern zusammen.

Das European Cybercrime Centre (EC3) ist eine Fachabteilung von Europol zur grenzübergreifenden Strafverfolgung von Internet- und Computerkriminalität in der EU.(Bild:   / CC0)
Das European Cybercrime Centre (EC3) ist eine Fachabteilung von Europol zur grenzübergreifenden Strafverfolgung von Internet- und Computerkriminalität in der EU.
(Bild: / CC0)

Das European Cybercrime Centre, kurz EC3, wurde 2013 gegründet. Es ist eine Einrichtung der EU und als spezialisierte Abteilung bei Europol in Den Haag, Niederlande, angesiedelt. Gegründet wurde das EC3, um die Strafverfolgung bei Internet- und Computerkriminalität in der Europäischen Union zu bündeln und zu stärken. Erster Leiter des EC3 war der dänische Polizist und frühere Chef des dänischen Nachrichtendienstes Troels Oerting. Er wechselte 2015 in die Privatwirtschaft.

Das European Cybercrime Centre dient den Strafverfolgungsbehörden als zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle im Kampf gegen Cyberkriminalität wie Online-Betrug, online begangenen sexuellen Missbrauch von Kindern oder Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Es unterstützt die nationalen Polizeibehörden der EU-Mitgliedstaaten bei ihren Ermittlungen gegen organisierte Cyberkriminalität und koordiniert grenzüberschreitende Ermittlungen zur effektiven Bekämpfung organisierter digitaler Kriminalität. Darüber hinaus bietet das EC3 forensische Expertise, leistet technische Unterstützung und trägt zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden bei. Das EC3 arbeitet auch mit anderen internationalen Institutionen und Nicht-EU-Ländern zusammen.

Seit seinem Bestehen konnte das European Cybercrime Centre bereits einige Erfolge bei der Bekämpfung von Internetkriminalität und internationalen Botnet- und Ransomware-Plattformen verbuchen.

Wie ist das European Cybercrime Centre organisiert und mit welchen Stellen arbeitet es zusammen?

Innerhalb von Europol ist das European Cybercrime Centre eines von mehreren Kompetenzzentren. Weitere Kompetenzzentren sind beispielsweise das European Counter Terrorism Centre (ECTC) (Terrorbekämpfung), das European Migrant Smuggling Centre (EMSC) (Schleppereibekämpfung), das European Serious Organised Crime Centre (ESOCC) (Bekämpfung organisierter Kriminalität) oder das European Financial and Economic Crime Centre (EFECC) (Bekämpfung organisierter Finanz- und Wirtschaftskriminalität).

Der Leiter des European Cybercrime Centre ist dem Leiter von Europol direkt unterstellt. Das sogenannte Programme Board ist als zentrale Plattform maßgeblich für die Richtung verantwortlich, wie das EC3 seine Ziele erreichen und seine Aufgaben erfüllen kann. Mitglieder des Boards sind Vertreter von Institutionen wie INTERPOL, CEPOL (European Police College), CERT-EU (Computer Emergency Response Team), ECTEG (European Cybercrime Training and Education Group), EDA (European Defence Agency), EEAS (European External Action Service), ENISA (European Network and Information Security Agency), EUROJUST (European Union's Judicial Cooperation Unit), EUCTF (European Union Cybercrime Task Force), der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat.

In Schlüsselbereichen wie Internetsicherheit, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen wird das EC3 von verschiedenen Gruppen (Advisory Groups) wie der Advisory Group on Internet Security (AGIS), der Advisory Group on Financial Services (AGFS), der Advisory Group on Service Providers (AGSP) oder der Advisory Group on Research and Development (AGRD) beraten. Es handelt sich dabei um Expertengruppen, die als Schnittstelle zwischen den Strafverfolgungsbehörden und dem Privatsektor dienen.

Neben den EU-Mitgliedstaaten arbeitet das European Cybercrime Centre auch mit Nicht-EU-Ländern zusammen. Dazu gehören Länder wie Australien, Kanada, die Schweiz, Kolumbien, die Türkei, Serbien, die Ukraine, die USA und einige mehr. Darüber hinaus kooperiert das EC3 im Rahmen seiner Tätigkeiten mit anderen internationalen Stellen wie dem EU Intelligence Analysis Centre (EU INTCEN), dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), Frontex, dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNOCP), der Weltzollorganisation (WCO) und anderen.

Schwerpunkte und Aufgaben des European Cybercrime Centre

Ziel der Arbeit des EC3 ist es, Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Regierungen der EU zu schützen und das Vertrauen in den digitalen Binnenmarkt zu stärken, indem es die nationalen Strafverfolgungsbehörden bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität unterstützt.

Die Schwerpunkte liegen auf der Bekämpfung von Straftaten in den Bereichen Cyberstraftaten von organisierten kriminellen Vereinigungen, mithilfe des Internets begangener sexueller Missbrauch von Kindern, Finanzbetrug, Cyberstraftaten gegen kritische Infrastrukturen und Informationssysteme der EU und Verbrechen im Darknet oder auf alternativen Plattformen.

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Für den Kampf gegen die Cyberkriminalität verfolgt das EC3 einen dreigleisigen Ansatz:

  • Expertise und Stakeholder-Management
  • Digitalforensik
  • operative Einsätze

Die Aufgaben des European Cybercrime Centre sind vielfältig. So fungiert das EC3 als zentrale Anlaufstelle und bietet Expertise sowie technische und operative Hilfe bei grenzüberschreitenden Fällen. Es stellt digitalforensische Analysen bereit, hilft bei der Beweissicherung und unterstützt die Ermittlungen und Operationen der Mitgliedstaaten.

Zu den weiteren Aufgaben des European Cybercrime Centre zählen:

  • Förderung der operativen, technischen und strategischen Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, EU-Institutionen, -Gremien und -Agenturen und anderen relevanten Cyber-Communities
  • Rund-und-um-die-Uhr-Unterstützung für die sofortige Reaktion auf dringende Cybervorfälle und auf Cyberkrisen
  • Koordination internationaler Operationen zur Zerschlagung von Cybercrime-Netzwerken
  • Beherbergung und Unterstützung der Arbeit der Joint Cybercrime Action Taskforce (J-CAT)
  • Unterstützung von Schulungen und Kapazitätsaufbau in den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten
  • Vorbereitung und Durchführung von Präventions- und Sensibilisierungskampagnen und -aktivitäten
  • Threat Intelligence und Datenaustausch mit internationalen Partnern
  • Kooperation mit IT-Sicherheitsfirmen, Banken und Internetdienstleistern

Aktivitäten und Erfolge des European Cybercrime Centre

Seit seiner Gründung im Jahr 2013 hat das European Cybercrime Centre in der Bekämpfung von Cyberkriminalität bereits einige Erfolge zu verbuchen. So konnten beispielsweise einige große internationale Botnet- und Ransomware-Plattformen zerschlagen und Betreiber solcher Plattformen sowie zahlreiche weitere Cyberkriminelle festgenommen werden. Darüber hinaus ist das EC3 auch in der Unterstützung der Opfer von Cyberstraftaten erfolgreich. Laut eigenen Angaben hat das EC3 maßgeblich dazu beigetragen, dass die finanziellen Verluste von über 100.000 Opfern von Online-Betrug teilweise ausgeglichen werden konnten.

Das EC3 ist zudem einer der Mitinitiatoren des 2016 gegründeten "No More Ransom"-Projekts (nomoreransom.org). Es handelt sich dabei um eine internationale, nicht kommerzielle Initiative von Strafverfolgungsbehörden und IT-Sicherheitsunternehmen, mit deren Hilfe Ransomware-Opfer ihre verschlüsselten Daten kostenlos wiederherstellen können, ohne Lösegeld zahlen zu müssen. Das Projekt hat mittlerweile über 200 Partner. Über das in 38 Sprachen verfügbare Portal werden kostenlose Entschlüsselungstools für hunderte verschiedene Ransomware-Varianten bereitgestellt.

Weitere Beispiele für bekannte Aktivitäten und Erfolge, an denen das European Cybercrime Centre beteiligt war, sind:

  • 2013 Botnet-Takedown ZeroAccess: Zerschlagung der Infrastruktur eines weltweiten Botnetzes mit über zwei Millionen infizierten Computern, das hauptsächlich für Klickbetrug (Click Fraud) und Bitcoin-Mining genutzt wurde
  • 2014 Operation gegen illegale Marktplätze im Tor-Netzwerk: Beschlagnahmung von über 400 .onion-Domains, 17 Festnahmen weltweit und Sicherstellung von Drogen und Bitcoins im Wert von Millionen
  • 2015 Operation Shrouded Horizon: Stilllegung von Darkode, einer der größten englischsprachigen Kommunikations- und Handelsplattformen für Cyberkriminelle
  • 2015 Botnet-Takedown Ramnit: Zerschlagung des Banking-Trojaners und Computerwurms Ramnit durch Übernahme der Command-and-Control-Server und Unterbrechung der Kommunikation mit weltweit über 3,2 Millionen infizierten PCs
  • 2021 Übernahme der Kontrolle und Zerschlagung des Emotet-Botnet: Zerschlagung der Infrastruktur des als Malware-as-a-Service fungierenden Botnet und Deinstallation der Schadsoftware auf den infizierten Rechnern
  • 2022 gestartete Operation Endgame: Zerschlagung führender Dropper- und Loader-Malware-Infrastrukturen und Beschlagnahmung von Hunderten Servern und Einfrieren von vielen Millionen Euro an Vermögenswerten.
  • 2025 Operation Eastwood: konzertierte Aktion gegen die prorussische Hackergruppe NoName057(16) mit Abschaltung von über 100 Servern der Gruppe
  • 2025 Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch: weltweite Razzia gegen Kidflix, eine der größten Plattformen für sexuellen Kindesmissbrauch, Festnahme von 79 Personen und Identifizierung von 1400 Personen
  • 2026 Abschaltung von Tycoon 2FA, einer der größten Phishing-Operatoren weltweit: Beschlagnahmung von 330 aktiven Domains der Phishing-as-a-Service-Plattform

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