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Zero Trust Konzepte und Identitäten Zero Trust – Kein Vertrauen ist auch keine Lösung

| Autor / Redakteur: Dipl.-Phys. Oliver Schonschek / Peter Schmitz

Das Konzept Zero Trust, das ursprünglich von Forrester Research vorgeschlagen wurde, klingt einfach und bestechend: Traue niemanden! Ganz gleich, wer es ist, wo er ist, und ob er sich innerhalb oder außerhalb des Firmennetzwerks befindet. Das interne Netzwerk ist keine sichere Burg, die Angreifer finden Schlupflöcher und sind oft schon innerhalb der Burg.

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Zero Trust ist ein interessantes Sicherheitskonzept, das keine komplett neue Security-Landschaft im Unternehmen erfordert, sondern nur eine große Portion Mißtrauen.
Zero Trust ist ein interessantes Sicherheitskonzept, das keine komplett neue Security-Landschaft im Unternehmen erfordert, sondern nur eine große Portion Mißtrauen.
(© anyaberkut - stock.adobe.com)

Das Problem am Zero-Trust-Modell von Forrester Research ist: Wenn man niemanden vertrauen kann, darf man auch keine Daten austauschen, mit niemanden. Deshalb muss man ein Mindestmaß an Vertrauen erreichen. Dieses Vertrauen muss aber immer auf die Probe gestellt werden. Nur weil ein Nutzer einmal als vertrauenswürdig genug eingestuft wurde, muss er das nächste Mal nicht erneut so klassifiziert werden.

Zero Trust nutzt diese Leitlinien:

  • Auf alle Ressourcen muss unabhängig vom Standort auf sichere Weise zugegriffen werden.
  • Die Zugangskontrolle erfolgt auf der Basis von Need-to-know und muss strikt durchgesetzt werden.
  • Organisationen müssen den gesamten Datenverkehr überprüfen und protokollieren, um sicherzustellen, dass die Benutzer das Richtige tun.

Zero Trust bedeutet also, dass man keinem Nutzer, keinem Gerät und keiner Anwendung ein Anfangsvertrauen zubilligt. Das Vertrauen muss jeweils neu erarbeitet werden. Wie das geht, zeigen Konzepte und Lösungen, die auf der Zero Trust Idee fußen.

Beispiel CARTA von Gartner

Die Analysten von Gartner haben das ursprüngliche Zero-Trust-Konzept erweitert: Nicht nur bei der Anmeldung für einen Service muss die Vertrauenswürdigkeit geprüft werden, sondern fortlaufend. Dieses Konzept wird CARTA genannt, dies steht für Continuous Adaptive Risk And Trust Assessment.

Dabei werden die Zugänge und Zugriffe durchgehend hinsichtlich der Risiken, die dadurch entstehen, untersucht, ebenso wird das Vertrauen in Nutzer und Geräte laufend hinterfragt. Veränderungen in Risiken und Vertrauenswürdigkeit werden dynamisch beantwortet. Im Extremfall wird ein bestehender Zugang zu einem Service unterbrochen, Nutzer und Gerät ausgesperrt.

Beispiel Google BeyondCorp

Besonders bekannt ist das Konzept BeyondCorp von Google. Grundlegend sind dabei diese Überlegungen:

  • Der Zugang zu einem Service hängt nicht von dem genutzten Netzwerk ab.
  • Der Zugang zu einem Service hängt ab von dem Nutzer und dem Gerät.
  • Der Zugang zu einem Service erfolgt nur nach Zugangs- und Zugriffskontrolle und unter Verschlüsselung.

BeyondCorp wird auch Dienst angeboten aus der Google Cloud unter dem Namen Identity-Aware Proxy (IAP). IAP nutzt Identitäten, um den Zugriff auf Anwendungen zu schützen, die auf der Google Cloud Platform bereitgestellt werden. Administratoren erstellen dabei die Richtlinien, um festzulegen, welche Nutzer- oder Gruppenidentitäten wann einen Zugriff auf die gehosteten Anwendungen haben sollen.

Zero Trust eXtended

Eine weitere Ausweitung des Zero-Trust-Konzeptes ist Zero Trust eXtended. Darunter versteht man einen Security-Ansatz, der folgende Bereiche in den Blick nimmt:

  • Netzwerk (Netzwerkisolation, Segmentierung und Sicherheit)
  • Daten (Kategorisierung von Daten, Isolation, Verschlüsselung und Kontrolle)
  • Mitarbeiter (Lösungen, die die von Benutzern verursachten Bedrohungen verringern)
  • Workloads (Sicherheit für Clouds, Netzwerke, Apps)
  • Automatisierung und Orchestrierung (unterschiedliche Systeme werden automatisch erkannt, klassifiziert und kontrolliert)
  • Sichtbarkeit und Analyse (keine dunklen Ecken bei Systemen und Infrastruktur)

Lösungen für Zero Trust

Eine Reihe von Anbietern und Lösungen auf dem Markt haben sich der Umsetzung von Zero Trust angenommen. Dabei sind es nicht zwingend völlig neue Lösungen, sondern das Zusammenspiel von vorhandenen und angepassten IT-Sicherheitslösungen. Für Zero Trust können Lösungen zum Einsatz kommen, die folgende Aufgaben wahrnehmen:

  • Identifikation, Transparenz und Verwaltung bei Geräten, Apps und Diensten
  • Identifikation, Transparenz und Verwaltung bei Nutzern
  • Dabei gibt es keine Unterscheidung zwischen internen und externen Nutzern, Netzwerken, Apps und Diensten

IT-Sicherheitslösungen für Identity and Access Management, Privileged Access Management, Multi-Faktor-Authentifizierung spielen dabei eine zentrale Rolle, denn die Identität von Nutzern, Geräten, Apps, Clouds wird zum temporären Vertrauensanker. Aber auch Lösungen für Device Management, Data Loss Prevention, Verschlüsselung, Web Application Firewalls, Cloud Access Security Broker, Endpoint Protection, Security Analytics / SIEM, Security Monitoring, User and Entity Behavior Analytics gehören zu einer Umsetzung.

Zero Trust erfordert also keine komplett neue Security-Landschaft im Unternehmen, das meiste wird bereits vorhanden sein. Entscheidend ist dabei, dass die Policies grundsätzlich die aktuellen Risiken berücksichtigen, kein Vertrauensvorschuss geleistet wird und die Berechtigungen minimal gehalten und dynamisch angepasst werden.

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Über den Autor

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

IT-Fachjournalist, News Analyst, Influencer und News Analyst / Commentator bei Insider Research