Im Berufsalltag läuft Cybersicherheit oft nebenbei mit, auf Reisen fehlt dagegen die gewohnte Kontrolle über Netzwerke und Geräte. Fremde WLANs, unbeaufsichtigte Laptops und gefälschte Buchungsnachrichten schaffen neue Angriffsflächen, die viele Reisende unterschätzen. Wer die eigene Sicherheitsroutine nicht anpasst, riskiert Datenverlust oder finanziellen Schaden noch vor der Rückkehr.
Ein Laptop am Strand ersetzt nicht die gewohnte Absicherung aus dem Büro. Wer vor der Abreise Passwörter, Updates und Backups prüft, schließt die größten Einfallstore von vornherein.
(Bild: Gemini / KI-generiert)
Cyberangriffe nehmen bekanntlich weltweit zu. Das gilt sowohl für die reine Anzahl der dokumentierten Vorfälle als auch für die Komplexität und Professionalität, mit der Cyberkriminelle vorgehen. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden allein in Deutschland zuletztrund 333.900 Cybercrime-Fälle registriert. Wirtschaftlich, so die Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2025“, erleiden deutsche Unternehmen durch Diebstahl, Spionage und Sabotage jährlich einen Gesamtschaden von 289,2 Milliarden Euro, rund 202,4 Milliarden Euro davon gehen allein auf Cyberangriffe zurück
Hinzu kommt: Angriffsvektoren und -methoden werden immer komplexer und vielfältiger. Dazu trägt nicht zuletzt das Aufkommen von KI-Tools bei, die selbst mäßig befähigte Cyberkriminelle deutlich aufwerten können.
Für Profis ist das alles nichts neues. Dementsprechend bewegen die meisten sich in ihrem beruflich-privaten Alltag mit der entsprechenden Vor- und Umsicht. Bloß: Naht die Urlaubszeit oder kommen andere Reisegründe auf, greift vieles nicht mehr wie gewohnt. Dann muss man vielleicht den Laptop an unübersehbaren öffentlichen Orten zum Arbeiten nutzen; muss WLAN-Netze verwenden, die nicht durch einen selbst sicher konfiguriert wurden.
Wie bei vielem anderen, so bedeutet Reisen auch in Sachen Cybersecurity Umdenken, andere Risiken, weniger Sicherheit und ein Bewusstsein für die Tatsache, dass man sich nicht in seinem gewohnten Sicherheits- und Risikoumfeld bewegt.
Die gute Nachricht: Auch wenn es Weitsicht und Eigeninitiative erfordert, ist es dennoch möglich, unterwegs ein ähnliches Schutzniveau zu erreichen wie zuhause und im Unternehmen.
Tipp 1: Starke Passwörter für Reisebuchungen, Apps und Online-Konten nutzen
Passwörter gehören weiterhin zu den wichtigsten Schutzmechanismen im Netz. Gerade auf Reisen werden jedoch häufig schwache oder mehrfach verwendete Kennwörter genutzt. Sicherheitsbehörden empfehlen:
lange Passwörter mit mindestens 12 Zeichen
Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen
keine Wiederverwendung desselben Passworts für mehrere Dienste
sicher generierte Passwörter nutzen
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät außerdem zum Einsatz von Passwortmanagern, um komplexe Kennwörter sicher zu verwalten. Das gilt besonders für Konten, die unterwegs wichtig werden, etwa E-Mail, Reiseportale, Banking-Apps, Cloudspeicher oder Kundenkonten von Flug- und Bahnanbietern. Etablierte Tools speichern die Kombination aus Benutzernamen und Passwort mithilfe einer sicheren Verschlüsselung. Gleichzeitig können sie je nach Produkt dabei unterstützen, sichere Passwörter zu generieren.
Die Experten raten dazu, ein eigenes Passwortmanager-Programm zu nutzen und nicht nur auf den integrierten Passwortmanager des Browsers zurückzugreifen, da ersterer meist deutlich umfassender abgesichert ist.
Tipp 2: Zwei-Faktor-Authentifizierung vor Reisebeginn einrichten
Selbst ein starkes Passwort kann kompromittiert werden. Eine zusätzliche Sicherheitsstufe bietet die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), gerade wenn unterwegs auf wichtige Konten zugegriffen wird. Dabei wird neben dem Passwort ein zweiter Legitimationsfaktor abgefragt, zum Beispiel:
ein Einmalcode aus einer Authenticator-App
eine SMS-Bestätigung
ein Hardware-Token
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt in diesem Zusammenhang, „dass die Faktoren dabei aus verschiedenen Kategorien stammen, d.h. eine Kombination aus Wissen (z.B. Passwort, PIN), Besitz (z.B. Chipkarte, TAN-Generator) oder Biometrie (z.B. Fingerabdruck) verwendet wird“.
Tipp 3: Software und Betriebssysteme vor der Abreise aktualisieren
Veraltete Software ist ein häufiges Einfallstor für Cyberangriffe. Sicherheitslücken werden regelmäßig entdeckt und von Herstellern über Updates geschlossen. Das BSI empfiehlt daher:
automatische Updates zu aktivieren
Betriebssysteme regelmäßig zu aktualisieren
Apps nur aus vertrauenswürdigen Quellen zu installieren
Gerade vor Reisen sollte die mitgenommene IT nochmals gründlich überprüft werden. Besonders kritisch sind laut den Experten von it-nerd24.de nicht durch ein Update geschlossene Sicherheitslücken in Browsern, E-Mail-Programmen oder Office-Software.
Eine Anleitung zur Aktivierung automatischer Updates hat das BSI im Ratgeber zu Softwareupdates als Sicherheitsmaßnahme bereitgestellt: Schritt für Schritt zu automatischen Updates.
Tipp 4: Gefälschte Buchungs-, Ticket- und Zahlungsnachrichten erkennen
Phishing-Angriffe zählen laut Verizon-Report weiterhin zu den am häufigsten verwendeten Angriffsmethoden. Dabei versuchen Täter, Nutzer zur Preisgabe von Zugangsdaten zu verleiten. Typische Anzeichen für Phishing-Mails:
unerwartete Aufforderungen zur Eingabe von Passwörtern
Links zu gefälschten Webseiten
Zeitdruck oder Drohungen
ungewöhnliche Absenderadressen
Hinweis: Gerade auf Reisen wirken solche Nachrichten oft besonders glaubwürdig. Gefälschte E-Mails oder SMS beziehen sich zum Beispiel auf Hotelbuchungen, Flugtickets, Gepäckgebühren, Mietwagen, angebliche Zahlungsprobleme oder kurzfristige Änderungen. Sicherer ist es, Anbieter-Webseiten und Apps direkt aufzurufen, statt Links aus Nachrichten anzuklicken.
Stand: 08.12.2025
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Öffentliche WLAN-Hotspots, zum Beispiel in Cafés, Hotels oder Flughäfen, sind auf Reisen oft praktisch und manchmal (Stichwort Roaming) sogar unumgänglich, können aber Sicherheitsrisiken bergen. Angreifer können unter Umständen:
Datenverkehr mitlesen
gefälschte Hotspots betreiben
Nutzer auf manipulierte Webseiten umleiten
IT-Sicherheitsexperten empfehlen daher:
keine sensiblen Transaktionen über offene WLANs durchzuführen
Ransomware gehört nach Angaben der European Union Agency for Cybersecurity (ENISA) zu den größten Cyberbedrohungen der vergangenen Jahre. Dabei verschlüsseln Angreifer Daten und verlangen Lösegeld. Auch auf Reisen sind deshalb regelmäßige Backups sinnvoll, um Verlust, Diebstahl oder Schäden an den mitgenommenen Geräten abfedern zu können.
Bewährt hat sich die sogenannte 3-2-1-Regel:
drei Kopien der Daten
auf zwei unterschiedlichen Speichermedien
eine Kopie extern oder offline gespeichert
So lassen sich Daten auch nach einem Angriff wiederherstellen.
Ein moderner Virenschutz erkennt viele Bedrohungen bereits beim Download oder beim Öffnen einer Datei. Gerade auf Reisen, wenn Geräte in fremden Netzen genutzt und Dokumente unterwegs heruntergeladen und geöffnet werden müssen, bleibt dieser Schutz wichtig. Dabei arbeiten aktuelle Sicherheitslösungen längst nicht mehr ausschließlich mit klassischen Signaturdatenbanken, sondern kombinieren mehrere Analyseverfahren. Dazu gehören unter anderem:
Verhaltensbasierte Analyse, die verdächtige Aktivitäten von Programmen erkennt
Cloudbasierte Bedrohungsdatenbanken, die neue Schadsoftware schneller identifizieren
Web- und Phishing-Filter, die gefährliche Webseiten bereits vor dem Laden blockieren
Ransomware-Schutz, der ungewöhnliche Verschlüsselungsprozesse erkennt und stoppt
Viele Sicherheitslösungen integrieren zusätzlich Funktionen wie Firewall-Kontrollen, E-Mail-Schutz oder Identitätsschutz gegen Datendiebstahl. Ergänzend sollten Reisende auch den Geräteschutz prüfen, etwa Bildschirmsperre, Geräteverschlüsselung, Ortungsfunktion und Fernlöschung. Entscheidend ist dabei, dass Software und Schutzfunktionen regelmäßig aktualisiert werden. Nur so können sie neue Bedrohungen zuverlässig erkennen.
Cyberkriminalität wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln. Gleichzeitig zeigen Studien und Sicherheitsberichte, dass viele Angriffe auf vermeidbare Schwachstellen zurückzuführen sind, die sich durch einen bewussten Umgang mit digitalen Risiken sinnvoll schließen lassen.
Wer vor und während einer Reise grundlegende Sicherheitsregeln beachtet, reduziert das persönliche Risiko bereits erheblich. Starke Passwörter, aktuelle Software, Datensicherungen und ein aufmerksamer Blick auf verdächtige Nachrichten oder unsichere Netzwerke bilden die Basis für ein deutlich sichereres digitales Reiseumfeld.
Cybersecurity ist damit längst keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern eine zentrale Kompetenz für alle, die auch unterwegs ähnlich sicher online bleiben wollen wie zuhause.
Über den Autor: Markus Weber ist Technologiejournalist mit Schwerpunkt IT-Sicherheit, digitale Infrastruktur und Datenschutz. Seit mehr als zehn Jahren analysiert er Entwicklungen rund um Cybercrime, IT-Strategien und Sicherheitslösungen für Unternehmen und Privatanwender.