Definition MaaS | Malware-as-a-Service Was ist Malware-as-a-Service (MaaS)?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 6 min Lesedauer

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Malware-as-a-Service ist ein im Cybercrime-Umfeld beliebtes Geschäftsmodell. Cyberkriminelle mieten einsatzbereite Schadsoftware und/oder die dafür notwendige Infrastruktur. Mit MaaS erhalten Cyberkriminelle Zugang zu bösartigen Tools, ohne selbst Malware entwickeln oder Infrastrukturen betreiben zu müssen. Selbst technischer Support zur Ausführung der Angriffe kann enthalten sein.

Malware-as-a-Service (MaaS) ist ein beliebtes und weit verbreitetes Geschäftsmodell im Cybercrime-Umfeld, bei dem einsatzbereite, voll funktionsfähige Schadsoftware auf Mietbasis vertrieben wird.(Bild:   / CC0)
Malware-as-a-Service (MaaS) ist ein beliebtes und weit verbreitetes Geschäftsmodell im Cybercrime-Umfeld, bei dem einsatzbereite, voll funktionsfähige Schadsoftware auf Mietbasis vertrieben wird.
(Bild: / CC0)

Malware-as-a-Service, abgekürzt MaaS, leitet sich vom Begriff Software-as-a-Service (SaaS) ab und ist eine kriminelle beziehungsweise bösartige Form des legitimen SaaS-Geschäftsmodells. Bei MaaS bieten Entwickler oder Untergrundgruppen nicht wie bei SaaS legitime Software, sondern vorgefertigte, voll einsatzfähige Schadsoftware und/oder die dafür benötigte Infrastruktur sowie technische Unterstützung als Service an und vermieten oder verkaufen sie an Cyberkriminelle oder an bösartige Hacker. So erhalten diese Zugang zu einsatzbereiter, voll funktionsfähiger Malware, ohne sie selbst entwickeln oder die Infrastruktur dafür betreiben zu müssen. Die Malware und ihre Ausführung, inklusive Infrastruktur und technischem Support, stellen quasi das Produkt des MaaS-Geschäftsmodells dar. Cyberkriminelle oder bösartige Hacker kaufen oder mieten dieses Produkt auf Abonnementbasis. MaaS ermöglicht es selbst technisch wenig versierten Angreifern mit geringen oder gar keinen Hacking- und Programmierkenntnissen, eigene hochentwickelte Angriffe zu starten und erfolgreich durchzuführen.

Malware-as-a-Service ist im Cybercrime-Umfeld sehr beliebt und äußerst erfolgreich. Ein erheblicher Anteil der sich im Umlauf befindlichen Schadprogramme und der durchgeführten Cyberangriffe basiert auf diesem Geschäftsmodell. Die Malware wird beispielsweise für Phishing-, Scamming-, Ransomware- oder DDoS-Angriffe und andere Arten von bösartigen Kampagnen verwendet. Oft wird Malware auch individuell auf Kundenanforderung angepasst oder speziell entwickelt. Typische Vertriebswege für Malware-as-a-Service sind das Darknet, Untergrundforen und verschlüsselte Messaging-Plattformen. Analysten rechnen für die kommenden Jahre mit einem weiteren Anstieg der Häufigkeit und der Komplexität von MaaS-basierten Angriffen. Das ist auch auf die zunehmenden Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz bei der Entwicklung, Programmierung, Ausführung und Automatisierung von Schadsoftware zurückzuführen.

Wie funktioniert Malware-as-a-Service und welche Services oder Leistungen umfasst das Geschäftsmodell?

Malware-as-a-Service basiert auf den beiden klar getrennten Rollen des Anbieters und des Käufers des Malware-Service. Der Anbieter kümmert sich um die Entwicklung der Schadsoftware, deren Bereitstellung als Service sowie den Betrieb und die Wartung der zur Ausführung gegebenenfalls benötigten Infrastruktur. Der Käufer des Service, manchmal auch als Affiliate bezeichnet, wählt das Malware-Service-Angebot aus, bezahlt den Anbieter, personalisiert bei Bedarf die Schadsoftware für seine Zwecke, legt die Ziele und den Umfang der Angriffe fest, bedient die Infrastruktur und führt die Angriffe durch. Gegebenenfalls erhält er vom Anbieter die für diese Tätigkeiten und die Ausführung der Angriffe benötigte technische Unterstützung.

Die Services des Anbieters umfassen meist noch weitere Leistungen, wie die Bereitstellung der Zahlungs- und Kommunikationsinfrastruktur, die Aktualisierung der Schadsoftware zur Umgehung neuer Sicherheitssoftware oder Sicherheitsfunktionen, die Bereitstellung von Botnetzen für verteilte Denial-of-Service-Angriffe (DDoS), die Bereitstellung von Exploit-Kits zur automatisierten Ausnutzung von Sicherheitslücken, die Bereitstellung von Self-Service-Bedienoberflächen oder die Bereitstellung von Dashboards mit ausführlichen Informationen zu den aktuell laufende Schadkampagnen.

Zur Vergütung der Leistungen des Anbieters stehen verschiedene Bezahlmodelle zur Verfügung. Weit verbreitet ist die Bezahlung in Form eines Abonnementmodells mit zum Beispiel monatlichen oder jährlichen Gebühren. Ebenfalls möglich ist der Kauf eines dauerhaften Zugangs zur Schadsoftware über die Entrichtung einer einmaligen Gebühr. Darüber hinaus gibt es erfolgs- oder umsatzabhängige Abrechnungsarten. So kann der Preis beispielsweise von der Anzahl der erfolgreichen Installationen von Schadsoftware auf den Endgeräten abhängen. Teilweise fordern die Anbieter von MaaS auch eine Gewinnbeteiligung in Form eines bestimmten Prozentsatzes der erbeuteten Gewinne, zum Beispiel des Lösegelds bei Ransomware-Angriffen.

Die Käufer bezahlen die Anbieter von MaaS in der Regel mit Kryptowährungen. Dadurch bleibt die Anonymität der Geschäftspartner gewahrt und die Transaktionen lassen sich nur mit großem Aufwand oder gar nicht nachverfolgen.

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Welche Arten von Schadsoftware werden über MaaS angeboten?

Inzwischen werden alle erdenklichen Arten von Schadsoftware in Form von Malware-as-a-Service angeboten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ransomware zum Verschlüsseln, Manipulieren, Entwenden oder Zerstören von Daten und zur Erpressung der Opfer
  • Backdoors und Trojaner zum Öffnen von Hintertüren auf fremden Systemen und Gewährung von Remote-Access für Angreifer
  • Infostealer, Spyware und Keylogger zum Ausspionieren der User und Sammeln von persönlichen oder sensiblen Daten wie Anmeldeinformationen
  • Loader zum Nachladen anderer bösartiger Schadsoftware
  • Kryptojacking-Malware zur unbefugten Nutzung der Rechenleistung fremder Systeme für Krypto-Mining
  • Adware zur automatischen Anzeige von Werbung auf den Endgeräten, zum Beispiel in Form von Pop-ups oder Bannern, und zur Generierung von Werbeeinnahmen für die Angreifer

Im Rahmen von MaaS werden auch Botnetze angeboten, die den Anweisungen der Cyberkriminellen folgen und sich beispielsweise für die Durchführung von DDoS-Angriffen (Distributed-Denial-of-Service-Angriffen), das massenhafte Versenden von Spam-E-Mails oder andere kriminelle Aktivitäten verwenden lassen.

Warum ist Malware-as-a-Service so gefährlich?

Malware-as-a-Service ist ein Geschäftsmodell, das die Einstiegshürden für Cyberkriminelle senkt. Durch die Auslagerung des technischen Know-hows erlaubt es technisch wenig versierten Tätern, ohne spezielle Programmier- oder Hacking-Kenntnisse, komplexe, hochentwickelte Angriffe mit guten Erfolgsaussichten auszuführen. Die Malware wird quasi schlüsselfertig, voll funktionsfähig bereitgestellt und steht ohne lange Entwicklungszeit direkt zur Nutzung zur Verfügung. Der hohe Spezialisierungsgrad der MaaS-Anbieter und -Entwickler sorgt für effektivere Cyberangriffe mit fortgeschritteneren und spezialisierteren Angriffsmethoden, als sie einzelne Cyberkriminelle entwickeln könnten.

Über die ebenfalls als Service bereitgestellte Infrastruktur können Angriffe massenhaft durchgeführt werden. Viele Täter können parallel aktiv werden und ihre Angriffe nach Belieben skalieren. Da nahezu alle Arten von Malware im MaaS-Geschäftsmodell bereitgestellt werden, können Cyberangriffe für die verschiedensten Zwecke durchgeführt werden. Zudem lässt sich die Schadsoftware bei Bedarf individualisieren und den speziellen Wünschen der Angreifer anpassen. Zielgruppen und Umfang der Angriffe lassen sich einfach einstellen und Angriffstechniken oder Verbreitungsmethoden auf die jeweiligen Zielgruppen zuschneiden.

MaaS erhöht nicht nur die Komplexität der Angriffe, sondern erschwert auch deren Rückverfolgung. Selbst, wenn es gelingt, einzelne Angreifer zu identifizieren und deren Angriffe abzuwehren, verhindert das noch nicht ähnliche Angriffe in der Zukunft mit veränderten Angriffsvektoren, da die Anbieter des Malware-Service unter Umständen weiterhin im Hintergrund aktiv bleiben und ihre Malware kontinuierlich optimieren.

Malware-as-a-Service ist schon zu niedrigen Einstiegspreisen erhältlich und eignet sich auch für Cyberkriminelle mit relativ geringem Budget. Eine gewinn- oder umsatzabhängige Bezahlung der Anbieter senkt das finanzielle Risiko für die Angreifer zusätzlich und macht MaaS für diese Angreifergruppe besonders attraktiv.

Wie schützt man Endgeräte, Systeme und Anwender vor den Cyberbedrohungen durch MaaS?

MaaS kann grundsätzlich alle Arten von Schadsoftware oder Angriffsmethoden umfassen und auf unterschiedlichste Endgeräte, Systeme, Anwendungen und Personen abzielen. Da die Angriffe in der Regel hochentwickelt und komplex sind, sollten auch umfangreiche und fortgeschrittene technische und organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, um sich gegen die unterschiedlichsten Arten von Cyberbedrohungen zu schützen. Dazu zählen zum Beispiel die Verwendung aktueller Betriebssysteme und Software, leistungsfähige Antiviren- und Antimalware-Software auf dem neuesten Stand der Technik, ein effektives Netzwerk- und Systemmonitoring, der Einsatz moderner Next-Generation-Firewalls, der Einsatz von Intrusion-Detection und Intrusion-Prevention-Systemen (IDS/IPS), die Implementierung von Endpoint-Protection-Lösungen, die Implementierung eines wirksamen E-Mail- und Spam-Schutzes, die Implementierung des Least-Privilege-Prinzips, die Umsetzung von Zero Trust Network Access (ZTNA), die Verwendung sicherer Anmeldeverfahren wie die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), die Durchführung regelmäßiger Datensicherungen und deren sichere, unveränderliche Aufbewahrung, die Schulung und Sensibilisierung der Anwender und weitere.

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